Düsseldorfer Galerien im Quadriennale-Fieber

Das Foto vom Dienstag den 31.08 zeigt die Installation Underground Flowers von Yang Jiechang in der Galerie Conrads auf der Lindenstraße in Düsseldorf Flingern. Foto: Kai Kitschenberg / WAZ FotoPool
Das Foto vom Dienstag den 31.08 zeigt die Installation Underground Flowers von Yang Jiechang in der Galerie Conrads auf der Lindenstraße in Düsseldorf Flingern. Foto: Kai Kitschenberg / WAZ FotoPool
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Düsseldorf..  Kommende Woche beginnt in Düsseldorf die Quadriennale. Nicht nur die Museen feiern die bildenden Kunst, auch die Galerien der Landehauptstadt sind dabei. Da gibt’s diverse „Deutschland-Premieren“ zu erleben - zum Beispiel in Flingern.

Braucht eine Kunststadt wie Düsseldorf mit zahlreichen Museen und Kunsthäusern überhaupt eine „Quadriennale“? Darüber lässt sich sicherlich streiten, nicht nur wegen der immensen Kosten für einen Verwaltungs-Wasserkopf samt gut dotiertem Geschäftsführer-Posten.

Die 30 Galerien, die jetzt, eine Woche vor Quadriennale-Beginn, Ausstellungen eröffnen und parallel mit 42 Kölner Galerien zum „DC open“ einladen, machen das eh jedes Jahr zu dieser Zeit. Und sind freitags bis sonntags geöffnet.

Innovationen und Überraschungen auf der Kunstmeile Flingern

Doch das Ungewöhnliche: 27 von ihnen präsentieren Künstler aus 18 Nationen, die hierzulande noch in keiner Einzelschau vertreten waren. Unter dem werbewirksamen Slogan „Deutschland-Premieren“ rangiert dieses Quadriennale-Event, das die Stadt mit 20 000 Euro (für ein Booklet in 10 000er Auflage und für eine Sekretärin) unterstützt. Kunstinteressierte und Talentsucher wollen sie so in alle Stadtteile locken. Innovationen und allerlei Überraschungen bietet dabei die Kunstmeile Flingern.

Da baumeln bei Konrad Fischer, Platanenstrasse 7, Beton-Röhren von der Decke. Sie entpuppen sich als Lautsprecher, aus denen ein seltsames Stimmengewirr in den steril weißen Raum dringt. Juergen Staack entwickelte diese ästhetische Klang-Installation während eines Stipendiums in Tokio. Aufgenommen wurden die hektischen Geräusche auf der gut bewachten Thunfisch-Auktion, bei der täglich bis zu 150 Millionen Dollar umgesetzt werden. Wie die menschliche Stimme dank Computer in digitale Streifenbilder übersetzt werden kann, demonstriert Konzept-Künstler Staack im Nachbarraum.

Knochen in Porzellan gegossen erinnern ans Massaker

Zu einer außergewöhnlichen Begegnung mit asiatischer Kultur kommt es in der Galerie Conrads, Lindenstrasse 167. Yang Jiechang, bekannt durch internationale Biennalen, baut 54 quadratische Holzkästen auf. Auf Seidenpapier ruhen Schädel, Rippen, Becken-, Bein- und Armknochen. Alle in weißes Porzellan gegossen und mit blauen Motiven verziert. Die 400 einzelnen Skelett-Teile erinnern zwar durch das dekorative Blau-Weiß und die glänzende Emaille an ein Luxus-Geschenk, weisen aber auf das Massaker im Juni 1989 auf dem Platz des Himmlischen Friedens. Jiechang (55), der einst als Rot-Armist im Mao-China diente und nach 1989 nach Paris emigrierte, arbeitet aber nicht nur seine persönliche Geschichte auf. Auf verschwommenen Buchstaben-bildern zeigt er sich als Meister fernöstlicher Kaligraphie.

Bei Coshar, Flurstraße 53 (im Maria-Theresia-Haus), indes zeigt Mareen Mauer, wie sie ihre Biographie in Wachs gießt. Denn die Meisterschülerin von Rosemarie Trockel war früher Tänzerin und verewigt Ballerinen in knetbarer Materie. Modelle für die kleinen Figurinen, die den Rumpf dehnen oder Beine und Arme verschrauben, in Martin Schläpfers Ballett-Kompanie. „So entsteht eine neuartige Kooperation zwischen Opernhaus und junger Kunst“, sagt Galerist Coshar. (Fr. bis 22 Uhr, Sa. 12-20 Uhr, So. 12-18 Uhr.)

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