Düsseldorf will bei Karneval aus Loveparade lernen

Michael Mücke
Massenandrang beim Rosenmontag auf der Bolkerstraße. Foto: Kai Kitschenberg WAZ/FotoPool
Massenandrang beim Rosenmontag auf der Bolkerstraße. Foto: Kai Kitschenberg WAZ/FotoPool
Foto: WAZ FotoPool

Düsseldorf. Nachdem das Kölner Verwaltungsgericht ein Glasverbot in der Domstadt für rechtswidrig erklärt hat, muss auch Düsseldorf seine Pläne für mehr Sicherheit im Karneval überarbeiten. Auch aus der Loveparade-Katastrophe will man lernen.

Nach der Tragödie auf der Duisburger Loveparade mit 21 Toten und über 500 Verletzten hat jetzt Düsseldorf Konsequenzen gezogen: Die Stadt muss ihr Konzept für Einlass-Kontrollen in die Altstadt beim nächsten Karneval überarbeiten.

Bisher war geplant, Altweiber und Rosenmontag, bis zu 18 Kontrollpunkte einzurichten, um ein Flaschenverbot durchzusetzen. Doch bei der vorgesehenen Absperrung am Bolker Stern äußerte die Polizei Sicherheitsbedenken, weil der Andrang am U-Bahnhof-Ausgang Heinrich-Heine-Allee möglicherweise zu groß werden könnte.

Als Polizeipräsident Herbert Schenkelberg die zuständige Dezernentin Helga Stulgies auf dieses Problem hinwies, reagierte sie sofort und ordnete an, dass das städtische Konzept überarbeitet wird. „Wir wollen kein Risiko eingehen“, sagte Stulgies der NRZ.

Dezernat zieht seine
Vorlage wieder zurück

Wie berichtet, soll für den Straßenkarneval 2011 zum ersten Mal ein Glasverbot erlassen werden, um zu verhindern, dass - wie früher - die Altstadtgassen mit Scherben übersät werden und sich Narren daran verletzen. Gerade Altweiber und Rosenmontag werfen viele Angetrunkene ihre leeren Flaschen achtlos aufs Pflaster, einige missbrauchen sie sogar als Wurfgeschosse. Die Folge waren Dutzende Verletzte allein beim letzten Karneval. Aufgrund der „gegebenen Gefährdungslage“ soll das Mitführen von Glasbehältern“ während der tollen Tage zwischen Heinrich-Heine-Allee, Uferpromenade, Ratinger- und Flinger Straße untersagt werden. Die Politik forderte ein detailliertes Konzept von der Verwaltung.

Die inzwischen ausgearbeitete Beschlussvorlage zog die Dezernentin aber zurück und will im November eine Neufassung vorlegen. „Wir müssen erst prüfen, ob die von uns geplante Einlass-Stelle am Bolker Stern zu einem Engpass führen kann“, erklärte die Beigeordnete. Sollte dies der Fall sein, müsse die Kontrollstelle verlegt werden. Stulgies: „Es darf kein gefährliches Gedränge entstehen.“

Situation an Altstadt-Zugang wird analysiert

Gerade Rosenmontag strömen zehntausende Narren in die Altstadt. Viele kommen mit der U-Bahn und gehen durch den Ausgang Bolker Stern, der sich erfahrungsgemäß schnell füllt. Jetzt wird die Stadt gemeinsam mit Polizei und Feuerwehr eine Gefährdungsanalyse für den U-Bahnhof und den Vorplatz machen. Auch wird Helga Stulgies die Zahl und die Qualifikation der Ordner überprüfen, die an den Einlass-Stellen Besucher nach mitgebrachten Flaschen fragen und diese einsammeln.

Das Polizeipräsidium sicherte der Stadt seine volle Unterstützung zu. „Wir sehen beide das Problem. Und wir werden gemeinsam eine Lösung finden“, betonte Polizeipräsident Herbert Schenkelberg.

Ob ein Flaschenverbot juristisch überhaupt haltbar ist, steht nach dem jüngsten Spruch des Verwaltungsgerichtes auch auf dem Prüfstand. Das Verwaltungsgericht Köln hat das Glasverbot im Kölner Karneval für rechtswidrig erklärt, da allein das Mitführen von Flaschen noch keine „Gefahr“ darstelle. Die Stadt Köln will Berufung einlegen. Die Düsseldorfer Beigeordnete Stulgies hält grundsätzlich weiter an den Verbotsplänen fest. „Wir werden uns aber genau die Urteilsbegründung ansehen.“