Düsseldorf in Sachen Vorsorge „gut abgedeckt“

Stephan Wappner

Stadtmitte.  Osteoporose, auch Knochenschwund genannt, ist zur Volkskrankheit geworden. Gesundheitsexperten gehen davon aus, dass etwa sieben Millionen Deutsche betroffen sind – überwiegend Frauen. Osteoporose ist zudem eine tückische Krankheit, weil sie schleichend vonstatten geht und deshalb oft unterschätzt wird. Die Folgen und auch Folgekosten sind entsprechend. „Das Durchschnittsalter der Patienten liegt bei 75 Jahre, bei mangelnder Vorsorge kommt es zu Knochenbrüchen, von denen sich die Kranken oft nicht erholen“ , sagte gestern Matthias Mohrmann, Vorstand der AOK Rheinland/Hamburg, der gestern an der Kasernenstraße die neuesten Ergebnisse eines Vorsorgeprogramms lieferte.

Gemeinsam mit dem Kompetenznetzwerk Osteoporose Nordrhein hat die Kasse vor vier Jahren eine Initiative gestartet, in deren Rahmen 7200 Versicherte in ein Vorsorgeprogramm genommen wurden. Ergebnis: Die Teilnehmer mussten deutlich seltener – im Vergleich zu den Versicherten in der Regelversorgung – wegen Knochenbrüchen ins Krankenhaus. Die Zahl der Einweisungen sank um gut 35 Prozent. „Wir wollen in Zukunft aber noch viel mehr Patienten erreichen“, sagte gestern Christoph Eichhorn, Orthopäde aus Aachen und Begründer des Programms.

Die Initiative entstand 2005 im Kreis Aachen/Heinsberg. Mittlerweile sind 134 Ärzte – niedergelassene Orthopäden sowie Haus- und Fachärzte mit Zusatzqualifikation – und diverse Krankenhäuser angeschlossen. In Düsseldorf besteht diesbezüglich noch Platz nach oben, so scheint es. Während etwa in Aachen in zwei Krankenhäusern das Programm mitgestaltet wird, sind in der Landeshauptstadt noch keine Spitäler dabei. Und: „Nur“ sieben Düsseldorfer Ärzte (siehe Infokasten) machen mit.

Geschätzt leidet heutzutage jede dritte Frau ab 50 an Osteoporose. Auf Düsseldorf herunter gebrochen wären das etwa 40 000 Fälle. „Trotzdem decken wir mit sieben Ärzten das Stadtgebiet gut ab“, meint AOK-Vorstand Mohrmann. Darüber hinaus sei es grundsätzlich schwer, Patienten zu locken und für das Programm zu interessieren, weil viele erst einmal nur ihrem Hausarzt vertrauten.

Die Teilnehmer des Programms erhalten eine bessere Versorgung mit Osteoporose-spezifischen Arzneimitteln. Mit den Patienten werden so genannte Sturztests durchgeführt. Die sind simpel, aber effektiv: Arme vor der Brust verschränken und sich fünfmal hintereinander nur mit Oberschenkel-Kraft von einem Stuhl erheben. Durch den zeitlichen Mehraufwand durch den Arzt gibt es bei den Patienten eine viel höhere „Therapie- und Einnahmetreue“, heißt es.

Die AOK investiert Geld in das Netzwerk, macht aber am Ende Plus. Ein „normal“-versicherter Osteoporose-Patient koste die Kasse 6359 Euro pro Jahr. Ein Patient, der am Programm teilnimmt, indes 6241 Euro. Darüber hinaus gebe es dadurch, sagt Mohrmann, zusätzliche Einsparungen im Bereich der Pflegeversicherung, die ja bei entsprechender Vorsorge nicht zum Tragen käme. „Das ist zwar ein anderer Topf, aber es kommt dem System insgesamt zugute“, so der AOK-Vorstand.