Düsseldorf - die „10 Minuten-City“?

Zur Rushhour staut sich der Verkehr in die Innenstadt - wie hier auf der Völklinger Straße. Es sind vor allem die Pendlerströme , die zu einer hohen Verkehrsbelastung in Düsseldorf führen. Weit mehr als 850 000 Autofahrer fahren täglich von und nach Düsseldorf.
Zur Rushhour staut sich der Verkehr in die Innenstadt - wie hier auf der Völklinger Straße. Es sind vor allem die Pendlerströme , die zu einer hohen Verkehrsbelastung in Düsseldorf führen. Weit mehr als 850 000 Autofahrer fahren täglich von und nach Düsseldorf.
Foto: WAZ FotoPool

Stadtmitte.  „Die Zehn-Minuten-City“ - damit wirbt die Stadt in ihrem „Stadtentwicklungskonzept 2020+“. Kaum eine Metropole ist so komplex wie Düsseldorf - die kurzen Distanzen zwischen City, Flughafen und Medienhafen lassen sich in wenigen Minuten erreichen.

Es sei denn, es droht mal wieder irgendwo ein Stau. Auch wenn im städtischen Papier davon die Rede ist, dass Düsseldorf „verkehrlich hervorragend international, national und regional angebunden“ sei, die täglichen Verkehrsmeldungen rund um Düsseldorf geben hier ein anderes Bild wieder.

Nun - diese Probleme - werden an anderer Stelle auch im Konzept genannt. Da ist von einer „zu hohen Verkehrsbelastung“ in Düsseldorf die Rede, „die zu etwa 40 Prozent durch Nicht-Düsseldorfer geprägt wird.“ Gemeint sind die enormen Pendler-Ströme. Weit mehr als 850 000 Autofahrer fahren täglich von und nach Düsseldorf. Wohlgemerkt: Das sind die Zahlen von 2007. Der Verkehr hat seitdem an der Stadtgrenze weiter zugenommen, vor allem die Zahl der Brummis, die sieben Prozent ausmachen.

Die Rolle des Autos wird manchmal aber auch überschätzt. Zwar werden immer noch knapp 40 Prozent aller Wege in Düsseldorf mit dem Pkw zurückgelegt. Die Zeiten, dass hier immer mehr Autos zugelassen werden, sind aber längst vorbei. Die Zahl stagniert bei rund 270 000 Pkw. Interessant: Mehr als ein Drittel der Düsseldorfer Haushalte (36,5 Prozent) verfügt über gar kein Auto. Und nur jedes zweite privat genutzte Fahrzeug wird tatsächlich täglich benutzt. Viele lassen ihr Auto lieber zu Hause in der Garage stehen und fahren mit Bahn oder Fahrrad zur Arbeit.

Gewinner ist die Rheinbahn. Sie meldet seit Jahren Fahrgastzuwächse in Millionenhöhe, und auch der Radverkehr (geschätzt mehr als zwölf Prozent) steigt. In Vorbereitung ist eine neue Verkehrszählung - die Ergebnisse werden noch in dieses Jahr präsentiert.

Die durchschnittliche Geschwindigkeit liegt beim Pkw hier bei knapp 30 km/h, beim ÖPNV nur bei 16 km/h. Radfahrer bringen es auf erstaunliche 13 km/h. Auf sehr kurzen Strecken seien sie gar mit dem Autofahrer „konkurrenzfähig“. Fußgänger sind zwar am langsamsten, trotzdem liegt ihr Anteil am Verkehr bei 27 Prozent.

Weniger motorisierter Verkehr

Das Verkehrsdezernat geht davon aus, dass der Motorisierungsgrad in Düsseldorf tendenziell voraussichtlich eher abnehmen wird. Deutlich steigen wird aber die Zahl der ÖPNV-Kunden mit Monatsticket. Zwar ist der Preis für ein ÖPNV-Ticket seit 2007 um 30 Prozent gestiegen, aber Autofahrer mussten noch tiefer in die Tasche greifen: der Dieselpreis kletterte im gleichen Zeitraum um 40 Prozent. E-Mobilität und „flexible Verleihsysteme“ (z.B. Car Sharing) werden zwar beliebter, den Durchbruch bringen sie bis 2025 aber nicht.

Die Stadt will nach eigenen Worten eine „leistungsfähige und ökologisch nachhaltige Verkehrsinfrastruktur unterstützen.“ Doch, wo da die Schwerpunkte gesetzt werden sollen, da sind sich die Parteien nicht immer einig. Nach dem Verwaltungskonzept soll zum einen das ÖPNV-Angebot als „Rückgrat der Mobilität“ ausgebaut und der Radverkehr „als das bevorzugte innerstädtische Verkehrsmittel“ gefördert werden, zum anderen soll aber auch der Verkehrsfluss für die Autofahrer „optimiert“ werden, es seien also „Netzergänzungen“ für den Straßenverkehr nötig.

Damit hält das Verkehrsdezernat auch für die Zukunft an seiner Strategie fest, kein Verkehrsmittel zugunsten des anderen im nachhinein zu benachteiligen. Die Autofahrer sollen nicht ausgebremst werden. Vielmehr würden „intelligente Lösungen“ für ein Miteinander der verschiedenen Verkehrsarten bevorzugt.

 
 

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