Dienstältester Detektiv Düsseldorfs hat 20.000 Fälle gelöst

Er löst den Fall auf jeden Fall:  Manfred Lotse ist der wohl dienstälteste Detektiv in Düsseldorf.
Er löst den Fall auf jeden Fall: Manfred Lotse ist der wohl dienstälteste Detektiv in Düsseldorf.
Foto: NRZ
"Wer lügt und betrügt, ist mein Gegner", sagt Manfred Lotze. Auch nach fast 50 Jahren geht der Düsseldorfer Ermittler voll in seinem Job auf.

Düsseldorf.. Die Lupe auf dem Tisch, stapelweise Ermittlungsakten in jeder Ecke, das Telefon in ständiger Reichweite und die Brille auf der feinen Spürnase – der Detektiv Manfred Lotze sitzt in seinem Büro. Er sieht, auf den ersten Blick, aus wie man sich ein Ermittler vorstellt.

,,Wer lügt und betrügt, ist mein Gegner“, sagt Lotze, der auch nach knapp 50 Jahren voll in seinem Job aufgeht und weit über Düsseldorf hinaus bekannt ist. Bis zu 20.000 Fälle hat der Mann schon gelöst. Sein fachliches Know-how ist seine „stärkste Waffe“, wie er sagt. Genaue Arbeit bis ins Detail und Diskretion sind seine wichtigsten Eigenschaften.

Manfred Lotze ist der geschäftsführende Gesellschafter und Inhaber der Firma Kocks. Die Detektei wurde 1955 gegründet und arbeitet heute mit einem Team von 33 Mitarbeitern. Lotze selbst bezeichnet sich als ,,Kommissar Zufall“. Bevor er zu Kocks kam, war er bei der Presse tätig, und ist dann über einen privaten Kontakt vor 49 Jahren zur Detektei in Kaiserswerth gekommen.

Spannende Anekdoten - Fehlanzeige, der Geheimhaltung wegen

Ein internationales Netzwerk aus Detektivpartnern – zu dem auch Kocks gehört – löst mit einer Erfolgsquote von 87 Prozent jedes Jahr rund 500 Fälle. ,,Achtzig Prozent der Aufträge bekommen wir durch Empfehlungen, oder Kunden kommen wieder, weil sie mit uns zufrieden waren. Das bedeutet dann immer: Wir haben in der Vergangenheit gut gearbeitet“, sagt Lotze.

Rosenkrieg artige Scheidungsdebakel, in denen die Partner versuchen, sich gegenseitig den vermeintlichen Betrug nachzuweisen, gibt es übrigens nicht mehr. Seit den 1970er Jahren ist Scheidung auch ohne die Angabe eines schwergewichtigen Grundes möglich, und dadurch seien viele Privatkunden weggefallen, so Lotze.

Fragt man den Mann nach spannenden Anekdoten aus seiner jahrelangen Berufserfahrung, erfährt man nur sehr wenig. Nicht etwa, weil es die Storys nicht gäbe, sondern weil er zur Geheimhaltung verpflichtet ist. Lotze weicht oft aus, erwähnt die eine oder andere Dokumentenfälschung, wo der Ehemann versucht hat, das Diplom seiner Frau für sich selbst zu nutzen. Auch gefälschte Praktikumsnachweise und zusammengemogelte Schulabschlüsse oder Arbeitszeugnisse sind schon über seinen gläsernen Schreibtisch gewandert.

Die Lupe kommt nur noch selten zum Einsatz

Der Detektiv von heute, der nicht aus dem Nahkästchen plaudern kann, trägt einen Anzug und arbeitet in einem Arzt-Praxis ähnlichem Büro. Sein Arbeitsfeld wird von den Bestimmungen der Datenschutzrichtlinien begrenzt und gibt keinen Raum für das Ausplaudern von Details.

,,Wir überlegen mit den Kunden zusammen, was wir gegen sein Problem unternehmen können, und gehen dann zum Beobachten und Verfolgen über. Wir versuchen durch Befragen und die Anwendung von Technik zu ermitteln“, erklärt der Detektiv , der seinen Beruf sehr ernst nimmt.

Die Lupe zu seiner Linken kommt dabei kaum noch zum Einsatz, doch eine gewisse dekorative Wirkung hat sie noch. Die Verwendung von Technik ist heute nur noch unter bestimmten Bedingungen erlaubt. Die Kamera – zum Beispiel bei der Überwachung von gestohlener Ware – Ferngläser und auch GPS bei der Observierung.

Detektiv ermittelt auch undercover gegen Korruption oder Diebstahl

,,95 Prozent unserer Kunden sind Firmen aus der Wirtschaft. Die restlichen fünf Prozent sind Privatpersonen“, sagt Lotze. ,,Kriminalität in Firmen nimmt oft die Formen von Diebstahl und Korruption an. Es geht um die Unterschlagung von Material, Werkzeug oder Informationen.“

Bei firmeninternen Problemen schleust die Detektei einen Undercover-Mitarbeiter ein. Da die Verwendung von Kameras kaum noch erlaubt ist, hat ein in die Firma integrierter Detektiv, laut Lotze, die besten Chancen. Der „falsche“ Mitarbeiter funktioniert vor Gericht später als Zeuge und sorgt dafür, dass die Ermittlungen vor dem Richter Bestand haben.

100 Milliarden Euro Schaden durch Wirtschaftskriminalität

,,Die Delikte, die in Firmen begangen werden, sind: Abrechnungsbetrug, Täuschung, Geheimnisverrat, sogar Krank ,,feiern“, auch Unterschlagung und Wirtschaftsspionage“, sagt Lotze. Die Anfälligkeit für solche Straftaten geht bis in die Manager-Schichten hoch und können eine Firma immense Summen kosten. ,,Durch Wirtschaftkriminalität kommt es jährlich zu einem Schaden von 100 Milliarden Euro in Deutschland“, so Lotze.

 
 

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