Diebstahl einer Capri-Sonne (1,99 Euro) bringt 55-Jährigem zwei Monate Knast ein

Der Diebstahl einer Tüte Capri-Sonne brachte einem 55-Jährigen, der sich eigentlich als Frau fühlt, jetzt eine zweimonatige Haftstrafe ein.
Der Diebstahl einer Tüte Capri-Sonne brachte einem 55-Jährigen, der sich eigentlich als Frau fühlt, jetzt eine zweimonatige Haftstrafe ein.
Foto: dpa
Weil er eine Tüte Capri-Sonne im Wert von 1,99 Euro aus einem Korb vor einem Geschäft gestohlen hatte, muss ein 55-jähriger Mann jetzt für zwei Monate ins Gefängnis, ohne Bewährung. Er - beziehungsweise sie - war schon häufiger auffällig geworden. Doch dieses Mal wurde es der Richterin zu bunt.

Düsseldorf. Einen Beutel Capri-Sonne zu 1,99 Euro nahm Uwe N. 2012 aus dem Korb vor einem Geschäft und zahlte nicht. Im zweiten Prozessanlauf wurde der 55-Jährige, der als Frau leben möchte, jetzt zu zwei Monaten Haft verurteilt – ohne Bewährung.

Das falsche Geschlecht seines Körpers bedrückt den Angeklagten. Zum ersten Prozess war er als Frau gekommen, gestern trug er Sakko und zeigte seine männlich hohe Stirn. Warum, das wurde später im Prozess klar.

Ein Kleid habe ihn damals erschüttert, deshalb habe er das Nächstbeste ergriffen. „Das war nur ein Ablenkungsmanöver.“ Er war damals wegen Depressionen in der Psychiatrie, hatte Ausgang. Eine Frau im Kleid habe ihn an seine Transsexualität und seine Probleme damit erinnert. Er wünscht sich eine Operation, die ist bisher nicht genehmigt.

Verteidigerin hatte Einstellung vorgeschlagen

Im ersten Prozess hatte die Verteidigerin eine Einstellung vorgeschlagen. Stattdessen wurde ein Gutachten zur Schuldfähigkeit des Angeklagten in Auftrag gegeben. Gestern konnte der Prozess erneut beginnen.

Der Gutachter bescheinigte Uwe N. Transsexualität und eine psychische Störung. Daher sei möglich, dass er bei der Tat vermindert schuldfähig war. Der Psychiater wies zudem darauf hin, dass der 55-Jährige seine Transsexualität als Hauptursache seiner Probleme betrachte. „Er sieht sich in der Opferrolle.“ Uwe N. widersprach, er bilde sich nichts ein: Neulich sei er als Frau in einem Café gewesen. Dort hätten ihn zwei Skinheads verprügelt. „Seitdem gehe nicht mehr als Frau raus.“

Staatsanwältin hielt Bewährung für angemessen

Die Staatsanwältin hielt eine Bewährungsstrafe für angemessen, die Verteidigerin wies auf die Folgen für Uwe N. im Männergefängnis hin: „Das hat sicher größere Folgen, als der Diebstahl einer Capri-Sonne.“

Doch die Richterin verweigerte die Bewährung: Der Angeklagte sei – das zeige ein Video des Geschäfts – erst in die Ladentür getreten, dann gegangen. Das sehe nach einem bewussten Handeln aus. Sie habe Uwe N. schon öfter Bewährung gegeben. Jedes Mal habe er Besserung gelobt. Sie glaube nicht, dass die Betreuung durch einen Sozialarbeiter sein Leben grundsätzlich verändere. Uwe N. kann noch in Berufung gehen.

 
 

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