Die Venetia, die Tänzer und die Medien

Der Moderator René le Riche am Set seiner Sendung "daheim+unterwegs" im Studio des WDR in Düsseldorf.
Der Moderator René le Riche am Set seiner Sendung "daheim+unterwegs" im Studio des WDR in Düsseldorf.
Foto: Lars Heidrich
In der neuesten Ausgabe seiner Kolumne „Jetzt erst Riche“ beleuchtet WDR-Mann René le Riche den „Antanz-Skandal“ um die Düsseldorfer Venetia.

Wann werden in den Medien eigentlich Themen kommentiert? Richtig, wenn es um wichtige Themen geht. Ein so wichtiges Ereignis ist zum Beispiel ein Tänzer auf einer Bühne, der die Venetia antanzt. In den Düsseldorfer Medien wurde das nicht nur einmal kommentiert. Es scheint also tatsächlich wichtig zu sein.

Was ist passiert? Die Venetia sah sich in einer für sie unangenehmen Situation wieder. Sexuell belästigt habe sie sich nicht gefühlt, aber es war ein „Touch too much“. Das darf man als Venetia ja auch durchaus feststellen. Dieses Recht würde wohl auch jeder für sich beanspruchen, der jetzt eine Meinung dazu hat. Wenn Sie jetzt glauben, dass das der vermeintliche Skandal war… nein, der „Skandal“ kam erst viel später.

Skandalös ist nämlich maximal das, was anschließend daraus gemacht wurde. Tage später wollten sogar die Tänzer eine Entschuldigung der Venetia! Schließlich hätten sie die Venetia noch nicht einmal berührt!

Diese verdrehte Sichtweise als „Tänzer“ zu haben ist das eine, das aber auch noch überall lesen zu müssen, ist das andere. Besser noch: die Venetia soll prüde sein, weil sie es wagte, sich unwohl zu fühlen. Schließlich sei ja Karneval!

Ich war nicht dabei, ich habe nichts gesehen, aber ich habe jetzt doch viel gelernt. Nämlich dass Agenturchefs von zwei Tänzern, die vor der Bühne „alles“ gesehen haben, die Medien und Tänzer offensichtlich die Grenze definieren, ab wann sich wer auch immer – in diesem Fall eine Venetia – unwohl fühlen darf oder nicht. Aha!

Für das Prinzenpaar war die Geschichte übrigens sofort erledigt, wäre auch nie öffentlich geworden. Wenn da nicht die wären, die mit Fragen so lange bohren, bis sie eine passende Antwort bekommen, um endlich in dieser Karnevalssession einen „Skandal“ herbeizuschreiben. So kurz vor dem Ende waren wahrscheinlich alle heilfroh, doch noch einen gefunden zu haben.

Es gibt genau und ausschließlich einen Menschen, dessen Meinung in dieser Hinsicht zählt. Und das ist die Venetia. Für alle anderen gilt – gerade bei einem solchen Thema – die alte Weisheit: In einer Demokratie DARF man eine Meinung haben, aber man MUSS nicht.

Der Humor macht wieder ernst: es ist Karneval. Helau!

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