„Die Transparenz liegt schon unter der Erde!“

Die CO-Pipeline Baustelle an der Beckersheide in Hilden.                                                                        Archiv-Foto: Lars Heidrich
Die CO-Pipeline Baustelle an der Beckersheide in Hilden. Archiv-Foto: Lars Heidrich

Kreis Mettmann.  Trotz ausstehender Genehmigungen und laufender Gerichtsverfahren hält Bayer an der CO-Pipeline fest. Tony Van Osselaer, Vorstandsmitglied von Bayer Material Science, betonte gestern vor Journalisten in Krefeld die Bedeutung der 67 Kilometer langen, bei Bürgern und Politikern äußerst umstrittenen Leitung. Sie verbindet die Bayer-Standorte Dormagen und Krefeld-Uerdingen miteinander und sei wichtig „für Bayer Material Science und den Indus-triestandort Nordrhein-Westfalen“. Es gehe um die Versorgungssicherheit in Uerdingen, um die Wettbewerbsfähigkeit und Arbeitsplätze in der Chemieindustrie.

Den 2000 Seiten starken Antrag für die jetzt laufende Planänderung veröffentlichte Bayer komplett unter www.pipeline.bayer.de. Damit gehe man weit über die gesetzlichen Verpflichtungen hinaus. Zudem soll eine zweite Schutzmatte oberhalb der bereits verlegten Pipeline in den Boden eingepflügt werden. Sie soll Baggerfahrer stoppen, die auf dem Trassenverlauf buddeln wollen.

Schließlich sieht sich der Chemieriese in den laufenden Gerichtsverfahren in einer guten Position. Von den Richtern geforderte Gutachten und Nachweise zur Erdbebensicherheit lägen überwiegend vor. Die Verhandlungen der ersten Klagen vor dem Oberverwaltungsgericht Münster werden nach Einschätzung von Bayer im Jahr 2013 beginnen.

„Bayer prescht vor – versprochene Transparenz liegt schon unter der Erde“ überschrieben die Stopp-Bayer-Initiativen ihre Reaktion auf die Pressekonferenz des Unternehmens. „Bayer hat wieder die alten Märchen erzählt“, sagt Initiativen-Sprecher Dieter Donner der NRZ. Als Beispiel nannte er die Ankündigung, die zweite Schutzmatte unterpflügen zu wollen. Dies erhöhe eben nicht die Sicherheit der Pipeline. Die Matte werde nur auf freiem Gelände eingebracht, nicht aber unter Straßen und Kreuzungen – dort also, wo am häufigsten gebaggert werde.

„Die jetzt propagierte Öffentlichkeit über das Internet kommt mindestens fünf Jahre zu spät“, stellte Donner fest. Und auch im dritten Themenkomplex – den juristischen Auseinandersetzungen – werde die Gemengelage von Bayer zu simpel dargestellt. Donner: „Es gibt noch mindestens 40 Altverfahren, die entschieden werden müssen.“ Dieses werde noch mehrere Jahre dauern.