Die Radfahrer steuern auf die Überholspur

Michael Mücke
Die Radfahrer wollen gleichberechtigte Verkehrsteilnehmer im Straßenverkehr sein. Ihr Anteil steigt von Jahr zu Jahr. Die Stadt arbeitet an einem insgesamt 350 Kilometer langem und lückenlosen Wegenetz für die Biker.
Die Radfahrer wollen gleichberechtigte Verkehrsteilnehmer im Straßenverkehr sein. Ihr Anteil steigt von Jahr zu Jahr. Die Stadt arbeitet an einem insgesamt 350 Kilometer langem und lückenlosen Wegenetz für die Biker.
Foto: Kai Kitschenberg

Düsseldorf.  Düsseldorfs Radfahrer steuern langsam aber sicher auf die Überholspur. Ihr Anteil im Straßenverkehr nimmt ständig zu.

Mit den Elektrorädern, die den Markt regelrecht erobern, kommt nun noch mehr Schwung in die Sache. Derweil knüpft die Stadt weiter am Radrouten-Netz.

Verkehrsdezernent Stephan Keller setzt dabei einen eindeutigen Schwerpunkt: Die Radfahrer gehören auf die Straße, auf die Fahrbahn. So werden sie von den Autofahrern leichter gesehen. Das verringert das Unfallrisiko.

Bis zu 25 Prozent mehr Radler

Konkrete verlässliche Zahlen über den Fahrrad-Verkehr gibt es aktuell nicht. Sicher ist nur eines: Die Kurve geht steil nach oben. Die letzte Verkehrszählung liegt bereits fünf Jahre zurück. Schon von 1998 bis 2008 stieg der Anteil der Biker im Straßenverkehr um vier Prozent auf 12,5 Prozent. Neuere Daten liegen von Verkehrszählungen des Jahres 2011 vor, die auf zehn ausgewählten Hauptstraßen gemacht wurden. Dort wurden innerhalb von fünf Jahren 20 bis 25 Prozent mehr Radfahrer gezählt.

Für die Stadt ist das eine Herausforderung. Sie nimmt nächstes Jahr erneut 1,5 Millionen Euro in die Hand, um für möglichst zügige, aber vor allem sichere Verbindungen zu sorgen. Ob das reicht, darüber streiten hin und wieder die Verkehrspolitiker.

Fakt bleibt: Pro Jahr verunglücken rund 650 Radfahrer. Eine viel zu hohe Zahl. Dass gegengesteuert werden muss, darüber sind sich alle Beteiligten einig. Dem einen oder anderen geht es nur zu langsam. Stadt, Polizei und Verkehrswacht haben inzwischen eine Aufklärungskampagne gestartet, um auf die Gefahren für die Radfahrer hinzuweisen.

Das Verkehrsdezernat will die Radfahrer durch möglichst ruhige Nebenstraßen lotsen, aber auch Hauptrouten und Radschnellwege anbieten. Wo es zu den Hauptstraßen keine Alternative gibt, sollen, wenn möglich, Fahrradspuren auf der Fahrbahn den nötigen Seitenabstand zum Autofahrer sichern.

Gerade in der City sind in den vergangenen Jahren viele Nebenstraßen für die Pedaler geöffnet wurden. Insgesamt 220 Einbahnstraßen wurden inzwischen für den Fahrradverkehr freigegeben. Weitere werden in den nächsten Wochen und Monaten noch folgen.

350 Kilometer langes Netz

Das Düsseldorfer Radrouten-Netz, das gerade zu Ende geplant wird, soll schließlich 350 Kilometer betragen. Dazu müssen die Bezirksradwegenetze miteinander verbunden werden, dafür müssen aber auch Wegweiser für die Radfahrer aufgestellt werden - schließlich führen viele Verbindungen über eher unbekannte Straßen. Bisher stehen erst in vier Stadtbezirken die Hinweisschilder.

Probleme gibt es auch beim Parken. Gerade in den dicht besiedelten Gebieten fehlen ausreichende Abstellmöglichkeiten. Immerhin werden in diesem Jahr insgesamt 650 Fahrrad-Bügel installiert, an denen die Räder angeschlossen werden können.