Die Psyche der Primadonna

Maria Callas, gespielt von Susanne Tremper. Foto: Uwe Schaffmeister
Maria Callas, gespielt von Susanne Tremper. Foto: Uwe Schaffmeister
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Düsseldorf.. Meisterklassen mit jungen Sängern haben einen besonderen Reiz. Für die einen, weil sie einen berühmten Star beim Unterrichten beobachten und vielleicht ein Talent entdecken können. Für die anderen, weil sie an Stärken und Schwächen einer Diva interessiert sind. Beide kommen in dem Stück „Meisterklasse“ von Terence McNally auf ihre Kosten; denn der amerikanische Erfolgsautor („Kuss der Spinnenfrau) hat vor 40 Jahren in der New Yorker Juilliard School eine Masterclass mit Maria Callas gesehen und sie in einer Komödie verewigt.

Comeback am Broadway

Zwar starb die Callas, für viele die größte Sängerin des 20. Jahrhunderts, 1977 und wird heute, dank vieler Platteneinspielungen, als Kultfigur der 50er/60er Jahre verehrt. Dennoch hat „Masterclass“, 1995 uraufgeführt, nichts Museales, erlebte 2011 ein Comeback am Broadway und ist zeitlos. Auch in der Regie von Susanne Altweger und der Besetzung, die in der Komödie Premiere feierte.

Jubel und Ovationen galten zunächst den ‚Schülern’: dem Tenor Michael Kurz und den Sopranistinnen Désirée Brodka und Agnes Lipka. In erster Linier aber Susanne Tremper. Mit kantigen Bewegungen, schroffen Ausbrüchen, mit Sonnen- und Lesebrille, wehendem Seiden-Tuch und in feinem Kostüm und Perlenkette trifft die zierliche Schauspielerin als Callas ins Schwarze. Wie die Tremper bereits als „Spatz von Paris“ Edith Piaf (im Schauspielhaus) anrührte, so bietet sie an der Steinstraße das Psychogramm einer sagenumwobenen Primadonna. Hintergrund: Die Callas hatte Anfang der 70er ihren Zenith überschritten; sie litt am Verlust ihrer Vormachtstellung und lag mit sich, ihren Rivalinnen, Opernchefs und dem einzig geliebten Onassis im Dauer-Clinch. Es war die Zeit, in der der Milliardär die Callas gegen die jüngere Jacqueline Kennedy ‚eintauschte’.

Tremper mimt die unerbittliche Perfektionistin, ist ganz die Kämpferin – meist in eigener Sache. Sie demütigt hübsche, junge Sängerinnen mit zynischen Bemerkungen oder stößt sie mit verletzendem Sarkasmus vor den Kopf. So salzt Madame Lob stets mit Häme: „Sie singen wunderbar,“ sagt sie der naiv erwartungsvollen Schülerin. „Bestimmt treten sie in zehn Jahren an einem Haus auf, an einem kleinen.“ Fesselnd und emotional aufgeladen sind indes die Szenen, in denen sie sich zurückträumt in die Vergangenheit - in die Mailänder Scala oder New Yorker Met, die ihr einst zu Füßen lagen, aber auch an ihre Verletzungen durch den Milliardär Onassis, der an dem Ruhm der Diva mehr Gefallen fand als an ihrer Gesangskunst. Ihre Verzweiflung darüber und ihr Leiden bringt Susanne Tremper ebenso glaubhaft über die Rampe wie auch Grandezza und Bissigkeit.

Mit dieser Mischung aus Opernohrwürmern, Spott und Tragikomödie bietet das Haus an der Steinstraße eine weitere Überraschung und setzt seinen Erfolgskurs fort. „Schon wieder ein Knüller!“ freuten sich Abonnenten bei der Premierenfeier.

Bis 6. Mai. TEL: 133 707

 
 

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