Die Probleme der Alleinerziehenden

Zwei Zahlen aus dem aktuellen Kinder- und Jugendbericht der Stadt lassen aufhorchen: Nur noch in 16,2 Prozent der rund 345 000 Düsseldorfer Privathaushalte leben Kinder unter 18 Jahren. Und in 26,7 Prozent dieser 56 000 Familienhaushalte kümmert sich eine Mutter oder ein Vater allein um den Nachwuchs. „Ein großstadttypischer Wert, auch wenn die Vater-Mutter-Kind-Familie immer noch das Modell der Mehrheit ist“, sagt Jugenddezernent Burkhard Hintzsche.

Eine, die zu den 26,7 Prozent gehört, ist Leonora F. Vor drei Monaten wurde ihr Sohn geboren. „Als sein Vater, ein in Zürich lebender Niederländer, von der Schwangerschaft erfuhr, hat er sich aus der Beziehung zurückgezogen, obwohl er sich zuvor offen für eine Familie gezeigt hatte“, sagt die Schweizerin, die in Düsseldorf eine neue Heimat gefunden hat. Die Opferrolle lehnt die 44-Jährige Expertin für Gesundheitsmarketing dennoch ab. „Ich muss und ich möchte nicht bedauert werden. Die Zeiten, in denen Beziehungen wegen eines Kindes eingegangen oder aber aufrecht erhalten wurden, sind vorbei. Heute haben wir eine größere Vielfalt und Verschiedenheit der Lebensentwürfe. Auch der erneute Wechsel eines solchen Entwurfs ist jederzeit möglich. Wer weiß: Vielleicht verliebe ich mich bald neu und bin dann gar nicht mehr alleinerziehend.“ Froh ist F. darüber, dass sie in der Großstadt Düsseldorf lebt. In acht Monaten will sie wieder in ihrem Job als Geschäftsführerin der Firma healthpro in Flingern arbeiten. „Düsseldorf bietet ein gut ausgebautes Betreuungsangebot für unter Dreijährige und auch sonst viele Hilfen. Auf dem Land hätte ich es schwerer.“

Hilfe finden F. und andere Betroffene unter anderem beim Verein alleinerziehender Mütter und Väter (VAMV) an der Kalkumer Straße. Vorstandsmitglied Susann Sültemeyer weiß um die besonderen Herausforderungen für die Frauen (und wenigen Männer). Häufig führen Zeit- und Geldmangel zu enormen Belastungen. „Die Mütter müssen viel arbeiten, weil sonst das Einkommen nicht reicht. In der Regel bedeutet das: Sie haben eine Vollzeitstelle. Und das in einer immer beschleunigteren und verdichteteren Arbeitswelt“, sagt die Beraterin und nennt ein Beispiel: „Eine unserer Frauen hat ein 14 Monate altes Kind. Morgens um halb sechs klingelt der Wecker. Kurz danach muss sie los. Und wenn sie abends gegen 18.30 Uhr nach Hause kommt, muss sie ihr Kleines schon wieder ins Bett bringen.“

Dass seit den 70er Jahren immer mehr Kinder mit nur einem Elternteil aufwachsen, hat nach Sültemeiers Einschätzung mit gesellschaftlichen Veränderungen zu tun. Ob bei der Wahl des Arbeitgebers oder eben in Beziehungen: Lebenslange Verbindungen seien auf dem Rückzug. „Hinzu kommt: Frauen sind nicht mehr so häufig auf das Gehalt eines Mannes angewiesen, können selbstständig über ihr Lebensmodell entscheiden.“ Auch das Modell, sich in einer an sich unglücklichen Beziehung für die gemeinsamen Kinder ,aufzuopfern’, gehöre der Vergangenheit an. Gestressten Eltern, aber auch Müttern und Vätern, die sich einfach nur austauschen wollen, hilft der VAMV durch ihren Alltag. Der Bogen reicht von der kostenfreien und vertraulichen Einzelberatung über Mediationen bis hin zu gemeinsamen Frühstücksrunden. Unterstützung gibt es auch von der Stadt. Neben den Beistandschaften zur Klärung der Vaterschaft können auch Unterhaltsvorschüsse beantragt werden. Kontakte knüpfen können die Ein-Eltern-Familien im Programm „Familie leben – Alleinerziehende im Stadtteil werden aktiv“. „Darüber hinaus müssen wir steuerlich besser gestellt werden. Als unverheiratete, alleinerziehende Mutter spare ich nur 40 Euro Steuern“, bemängelt Leonora F..

 
 

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