Die dritte Generation

Die dritte Generation - Uraufführung im Düsseldorfer Schauspielhaus. Bild: Sebastian Hoppe.
Die dritte Generation - Uraufführung im Düsseldorfer Schauspielhaus. Bild: Sebastian Hoppe.
Foto: Sebastian Hoppe
„Reality Check“: Sechs kurze Theaterstücke zeigen wie Autoren aus Deutschland und Israel mit dem Holocaust umgehen

Düsseldorf. Sie leben mit ihrer Vergangenheit. Auch die Enkelgeneration der Nazi-Täter und -Opfer hat die Barrieren ihrer Ahnen immer noch im Kopf. Und leidet unter schlechtem Gewissen. Junge Deutsche und Israelis: Sie reden zwar über die unauslöschbaren Erinnerungen an den Holocaust. Auf deutscher Seite mit Betroffenheit. Iin Israel fühlen sich viele von der Last ihrer Vorfahren heute noch erdrückt, seelisch belastet. So richtig hat aber keiner die Realität verarbeitet. Dennoch machen sie darüber Späße. Die Jungen ziehen her über die Art, wie die Elterngeneration umgeht - mit Tätern und Opfern und mit den Gedenk-Ritualen. Böse ist ihr Humor und legt die eigene Hilflosigkeit offen. Dabei gelingen besonders den israelischen Nachwuchs-Dramatikern brillante Dialoge, spielerisch leicht in Szene gesetzt.

„Gedenk-Schauspiel“

Mit sechs kurzen Theaterstücken von sechs Autoren aus Deutschland und Israel, wagt das Schauspielhaus jetzt im Central am Hauptbahnhof eine aktuelle Bestandsaufnahme. „Reality Check“ nennen sie den Abend, der bei seiner Uraufführung gefeiert wurde.

Das Außergewöhnliche: Die Szenencollage wird am kommenden Wochenende auch im Habimah-Theater in Tel Aviv zu sehen sein, das, zusammen mit Düsseldorf, dieses Projekt finanziert.

Da kommt in „Posttrauma“ ein Mädchen mit ihrem Freund erstmals nach Deutschland. Wie ein Wachhund beschützt der Junge seine Freundin, fürchtet er doch, dass sie von deutschen Jungs belästigt oder gleich vergewaltigt wird. Es kracht zwischen den beiden, sobald sie sich aus den Schutz-Fesseln lösen und gegen seine Vorurteile angehen will.

Skurril und schräg wirkt dagegen in „Tikun“ die Reisebekanntschaft zwischen einem Israeli und einer Deutschen, die sich in Südamerika kennen und lieben lernen. Der Kampf gegen die Schatten der Vergangenheit nimmt herbe Formen an. „Ich muss mit dir schlafen, damit ich zu Hause berichten kann. dass ich eine Nazi-Tusse gevögelt habe“, sagt er ihr. Am Ende flüchten sie sich mit Reisefotos in eine heile Zukunft.

Auch satirisches Kabarett beherrschen sie, besonders in dem „Gedenkschauspiel“, in dem ein deutscher Polizist auf die Schüppe genommen wird. Er soll einen Schauspieler befragen, steht aber stramm, als er erfährt, dass dieser Jude ist. Surreal, aber auch verkopft indes kommt „Meeting People“ der Deutschen Nora Mansmann über die Rampe. Ihre endzeitige Mischung aus alttestamentlichen Zitaten und Pseudo-Comedy wirkt angestrengt und fällt im Vergleich zu den anderen ab.

 
 

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