„Die CDU braucht Geschlossenheit“

CDU-Chef Thomas Jarzombek (42) hat bei der Vorstandswahl am 22. Juni Konkurrenz, ist aber zuversichtlich, dass seine Arbeit honoriert wird.
CDU-Chef Thomas Jarzombek (42) hat bei der Vorstandswahl am 22. Juni Konkurrenz, ist aber zuversichtlich, dass seine Arbeit honoriert wird.
Foto: Andreas Endermann
Thomas Jarzombek, der Chef der Düsseldorfer Christdemokraten, erhält Gegenwind aus den eigenen Reihen: Seine Stellvertreter versagen ihm die Unterstützung bei der Wiederwahl, doch er bleibt zuversichtlich.

Düsseldorf..  Seit 15 Monaten steht der Bundestagsabgeordnete und IT-Experte Thomas Jarzombek an der Spitze der Düsseldorfer CDU, die vor einem Jahr die Macht im Rathaus verloren hat. Am 22. Juni stellt sich der 42-Jährige der Wiederwahl als Parteichef. Die ist wahrscheinlich, nicht selbstverständlich. Denn mit Stadtwerke-Managerin Heidrun Leinenbach (46) tritt eine Herausforderin an und wird von den stellvertretenden Parteivorsitzenden Sylvia Pantel (54) und Peter Preuß (61) unterstützt (NRZ berichtete). Hier ein Interview mit dem CDU-Chef.


Frage: Herr Jarzombek, fühlen Sie sich allein an der Parteispitze?

Thomas Jarzombek: Nein, ich habe große Unterstützung von vielen in der Partei, auch von führenden Köpfen.


Wer sind Ihre Unterstützer?

Der Fraktionschef Rüdiger Gutt hat sich klar erklärt, sein Vize Andreas Hartnigk und Bürgermeister Friedrich G. Conzen ebenfalls. Auch bei den Altvorderen der Partei wie Heinz Hardt (Ex-Landesgeschäftsführer, d. Red.) finde ich deutlichen Rückhalt. Er ist jemand, dem ich viel zu verdanken habe. Er findet deutlich, oft auch kritische Worte, ist aber sehr integer und sieht vor allem das Interesse der Partei.


Weshalb verweigern Ihnen Ihre Stellvertreter die Unterstützung?

Das ist eine Diskussion, die man besser hinter verschlossenen Türen führen sollte. Wir sollten nicht dieselben Grabenkämpfe aufbauen, die die SPD in der Vergangenheit geführt hat. Ich habe meinen Stellvertretern angeboten, dass wir als Team auftreten. Der Wunsch nach Einheit in der Partei ist groß, das sollte man nicht überhören.


Ist da vertrauensvolle Zusammenarbeit überhaupt noch möglich?

Das müssen wir herausarbeiten und Kompromisse finden. Jeder sollte jetzt seine Eitelkeiten hintenan stellen. Am Ende brauchen wir ein arbeitsfähiges Team.


Sind Sie jemand, der eint?

Ich will, dass die CDU Geschlossenheit zeigt und bis zu den nächsten Wahlkämpfen eine schlagkräftige Formation wird. Ich habe versucht, alle zu umarmen, auch wenn es manchmal alles andere als leicht war. Nach der verlorenen Kommunalwahl gibt es viel zu tun. Ich habe im Vorstand einiges angepackt, das hat die Partei deutlich verändert. Es ist klar, dass man sich damit nicht nur Freunde macht.


Welche Weichen haben Sie gestellt?

In der ersten Phase ging es um die Aufarbeitung der Kommunalwahl. Dazu haben wir uns auch externe Experten geholt. Es gab Stadtbezirkskonferenzen mit teils sehr harten Diskussionen. Aber die CDU ist eine offene Partei, da muss man einstecken können. Ein weiteres Format, das ich eingeführt habe, ist der Düsseldorfer Abend mit Entscheidern aus der Stadt, mit denen alle Mitglieder politisch diskutieren können. Hinzu kommen Veranstaltungen mit prominenten Politikern.


Und was steht jetzt an?

Jetzt geht es darum, von innen nach außen zu gehen, kampagnenstärker zu werden, die Botschaft an den Bürger zu bringen – und natürlich auch den politischen Gegner zu pieksen und ihn mit besseren Konzepten zu stellen. Im Dialog mit den Bürgern wollen wir den Düsseldorf-Plan schmieden. Sie sollen uns sagen, wie sie sich die Stadt 2020 oder 2030 vorstellen.


Die nächste Oberbürgermeister-Wahl ist 2020. Müssen Sie nicht bald anfangen, jemanden aufzubauen?

Erst einmal gilt es, die Reihen zu schließen. Und zwar in der Partei und in der Ratsfraktion. In der Frage der OB-Kandidatur können wir von der SPD lernen, die das wirklich geschickt gemacht hat. Wir werden ein bis zwei Jahre vor der Wahl jemanden aufstellen. Bis dahin machen wir uns Gedanken, was diese Person mitbringen muss.


Inwiefern?

Wir müssen erst analysieren, wer der Amtsinhaber Thomas Geisel wirklich ist, wie er agiert und wer die Alternative dazu sein könnte, um zu gewinnen. Bisher ist vieles an Geisel noch zu unklar.


Was ist die inhaltliche Strategie?

Wirtschaftspolitische Vernunft und sozialer Ausgleich. Auch Familienfreundlichkeit bleibt ein großes Thema. Dirk Elbers hat den Ausbau der U3-Betreuung sogar gegen den Willen des damaligen OB Joachim Erwin durchgesetzt. Durch diesen zeitlichen Vorsprung ist Düsseldorf Spitzenreiter.


Stichwort Familie: Ihr Sohn und Ihre Lebensgefährtin leben in Berlin. Was sagen Sie zum Vorwurf, Sie seien zu wenig präsent in Düsseldorf?

In zwölf Monaten hatte ich 267 Termine in Düsseldorf, davon viele bei der Parteibasis. Ich finde, das kann sich sehen lassen. Während der Sitzungswochen des Bundestags bin ich in Berlin und habe abends eher Zeit für meine Familie. Das wäre in den Wahlkreiswochen in Düsseldorf mit den vielen Abendterminen gar nicht möglich.
Haben Sie Ihre Herausforderin schon kennengelernt?

Ja, aber bisher eher nur im Smalltalk.


Haben Sie Sorgen wegen Ihrer Wiederwahl?

Ich bin zuversichtlich, dass meine Arbeit honoriert wird.

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