Die Bahnen werden ausgebremst

Foto: Lars Heidrich /WAZ Fotopool

Düsseldorf. Auf Düsseldorfs wichtigster Nahverkehrslinie Richtung Norden und zur Messe werden die Züge immer wieder ausgebremst.

Auf einem mehrere hundert Meter langen Teilstück zwischen Kennedydamm und Reeser Platz haben die Züge der Linien U 78 und U 79 auf der sonst gut ausgebauten Strecke keine eigene, vom Autoverkehr klar abgetrennte Trasse. Die Kaiserswerther Straße ist ein Nadelöhr und für die Fahrgäste eine Zumutung.

Sie müssen an den Haltestellen Kennedydamm, Golzheimer Platz und Theodor-Heuss-Brücke über Trittstufen ein und- aussteigen. Der Bau von Hochbahnsteigen ist überfällig. Aber dann müssten etliche Alleebäume der Säge zum Opfer fallen, was auch die CDU/FDP-Ratsmehrheit nicht will. „Es wird kein einziger Baum fallen“, versichert FDP-Fraktionsgeschäftsführer Manfred Neuenhaus.

Gleichzeitig macht er deutlich, dass bald eine Lösung her muss. Noch bis Ende des Jahres wollen die Liberalen dazu eine Initiative im Verkehrsausschuss starten. Neuenhaus: „So wie jetzt kann es nicht weitergehen.“

Die größten Hindernisse:

Es gibt keine grüne Welle. Die Fahrer der U78 und U79 müssen vor den Kreuzungen oft eine Zwangspause einlegen, weil eine Vorrangschaltung für den ÖPNV fehlt. Das gilt gerade für den oft überlasteten Hauptverkehrsknoten am Kennedydamm.

Vor allem wird der Bahnverkehr immer wieder durch falsch abbiegende und wendende Autos behindert. „Deshalb kommt es zu vielen Verspätungen und auch zu Unfällen“, gibt der FDP-Verkehrsexperte zu bedenken.

Die Kaiserswerther Straße ist so schmal, dass die Fahrgäste an den Haltestellen Golzheimer Platz und Theodor-Heuss-Brücke über Klappstufen direkt auf die Fahrbahn treten müssen. Selbst für eine Fußgängerinsel fehlt der Platz. Neuenhaus: „Manche Seniorin kann nur ein- und aussteigen, weil andere helfen.“

Die Verkehrsführung auf der Kaiserswerther Straße war von Anfang an ein Provisorium. Aus heutiger Sicht hätte beim U-Bahnbau in den 70er Jahren der Tunnel schon damals bis zum Reeser Platz gebaut werden müssen, weiß CDU-Ratsherr Andreas Hartnigk. Der Tunnel würde mit einem Schlag alle Probleme lösen. Aber die Verlängerung der unterirdischen U-Bahn-Strecke bleibt erstmal „ein Wunsch“ von CDU und FDP. Zwar hat die Stadt erklärt, dass eine Realisierung grundsätzlich möglich sei, aber ob dann auch die Zuschüsse von Land und Bund fließen, kann derzeit keiner beantworten.

Unabhängig von der Frage der Finanzierung haben andere Projekte Vorrang: Nach der Fertigstellung der Wehrhahnlinie steht erstmal der Bau der Stadtbahnstrecke U 81 von der Messe zum Flughafen auf dem Programm, dann die Rheinquerung und danach „vielleicht“ ein U-Bahntunnel unter der Kaiserswerther Straße. Hartnigk. „Das könnte also noch 20 Jahre dauern.“

Der Koalitionspartner wartet noch bis Jahresende. Dann will die FDP mit der CDU Schwung in die Sache bringen und nach einer Zwischenlösung suchen. Neuenhaus hat sich schon mal in Köln und Duisburg umgeschaut. Eine Variante wäre, die Hochbahnsteige auf der Fahrbahn zu bauen, damit keine Bäume gefällt werden müssen. Dann müsste die Autospur vor der Haltestelle auf die Gleise verschwenkt werden. (Beispiel: Köln-Zollstock). Eine Möglichkeit wäre auch, den Gleiskörper (Beispiel Duisburg) rot einzufärben, um Autofahrern deutlicher zu machen, dass die Rheinbahn-Trasse für sie tabu ist.

 
 

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