Der Streit um den RRX geht in die nächste Runde

Philipp Rose
Der RRX
Der RRX
Foto: WAZ
Am Donnerstag legt die Deutsche Bahn ihr Schallgutachten der Bürgerinitiative Angermund vor. Im Düsseldorfer Norden sind Anwohner stark betroffen.

Düsseldorf. Auch nach einem Jahr Diskussion um das Mega-Projekt RRX (Rhein-Ruhr Express) ist der Streit um die Lärmschutzmaßnahmen nicht geklärt. Der RRX soll die Metropolen NRWs miteinander verbinden, auf sechs Gleisen und in einer Taktung der Abfahrtzeit von 15 Minuten. Als größtes Bauvorhaben in NRW, mit Kosten von einer Milliarde Euro alleine auf Düsseldorfer Boden, ist dies sowohl für den Bund als Auftraggeber, als auch für die Bahn als Generalausführer ein äußerst prestigeträchtiges Projekt. Doch nicht alle freuen sich auf die neue Hochgeschwindigkeitsverbindung, denn von dem Lärm, den die durchfahrenden Personen- und Güterzüge Tag und Nacht erzeugen, ist etwa die Gemeinde Angermund in Düsseldorf stark betroffen.

Zankapfel bleibt der Lärmschutz

„Wir befürworten den RRX, er ist sinnvoll und richtig“, sagt Elke Wagner, Vorsitzende des Vereins Initiative Angermund. „Der Zankapfel um den es geht, ist der Lärmschutz“. Schon frühzeitig sollten die Angermunder Anwohner deshalb zur Planung des Großprojekts herangezogen werden. Aus den Fehlern von Stuttgart 21 gelernt, erließ die Bezirksregierung Düsseldorf einen Leitfaden für frühe Öffentlichkeitsbeteiligung. Transparent und fair sollte das Projekt werden, so dass sich am Ende niemand zu beschweren braucht, doch damit ist es weit gefehlt. „Bis heute haben wir kein Schallgutachten von der Bahn bekommen, doch der Bahn und der Stadt Düsseldorf liegt dieses vor“, sagt Wagner und beruft sich auf den Leitfaden für frühe Öffentlichkeitsbeteiligung: „Wir wollen einen runden Tisch mit Ergebnisoffenheit, eine Bürgerbeteiligung ohne Akteneinsicht ist nicht möglich, eine Vertretung der Bürgerinteressen durch die Stadt Düsseldorf findet nicht statt.“

Am morgigen Donnerstag wird der Streit in die nächste Runde gehen, wenn die Bahn ihr Schallgutachten in Angermund vorlegt, es ist jedoch fraglich, ob dies eine schnelle Lösung vorantreiben wird. Neben dem Streit um die Öffentlichkeitsbeteiligung geht es dabei um die Art der Implementierung des Lärmschutzes. Die Bahn will insgesamt 100 Millionen Euro für aktiven und passiven Lärmschutz ausgeben. Rund 1000 Haushalte sollen mit passivem Lärmschutz ausgestattet werden, dazu zählt die Installation von schallgeschützten Fenstern und Lüftungssystemen im Haus, damit ein Öffnen der Fenster nicht mehr notwendig ist.

Lärmschutzwände reichen nicht aus

Neben diesen Maßnahmen will die Bahn auch Lärmschutzwände als aktiven Schutz einsetzen. Allerdings sei dies nicht ausreichend, da die geplanten vier Meter hohen Schutzwände nur an den Außenseiten der zukünftig 37 Meter breiten Bahnstrecke angebracht werden sollen, was den Schall nicht effektiv mildern kann. Gefordert wird von der Bürgerinitiative deshalb eine „Einhausung“, bei der die betroffene Bahnstrecke tiefergelegt und vollständig eingeschlossen wird.

„Die Maximalkosten dieser Art des Lärmschutzes betragen 180 Millionen Euro“, sagt Alexander Führer, stellvertretender Vorsitzender des Angermunder Vereins. „Die Kosten wären damit rund doppelt so hoch wie der geplante Lärmschutz, aber immer noch viel günstiger, als die Bahn vorgibt“. Diese hatte eine „bergmännische Lösung“ geprüft, nach der in 20 Meter Tiefe ein 100 Meter breiter Tunnel vorgesehen war - rund eine Milliarde Euro Kosten.