Der OB bringt alle ins Schwitzen

Michael Mücke
OB Dirk Elbers (rechts) und Beigeordneter Stephan Keller wollen die Rathaus-Mitarbeiter motivieren, aufs Fahrrad umzusteigen.l
OB Dirk Elbers (rechts) und Beigeordneter Stephan Keller wollen die Rathaus-Mitarbeiter motivieren, aufs Fahrrad umzusteigen.l
Foto: WAZ

Düsseldorf.  Oberbürgermeister Dirk Elbers will seine Mitarbeiter ins Schwitzen bringen - und das im durchaus gut gemeinten Sinne.

Sein Ziel ist es, dass möglichst viele der rund 10 000 Rathaus-Beschäftigten Dienstfahrten auf dem Fahrrad erledigen - und auch für die Wege von zu Hause zum Arbeitsplatz und zurück auf den Sattel steigen. Elbers startete gestern die Kampagne „Radaktives Düsseldorf“. Holland lässt grüßen.

Noch vor Jahren war es nicht einfach, die CDU-/FDP-Mehrheit und die Stadtspitze trotz der Mitgliedschaft im Club der fahrradfreundlichen Städte für Fahrrad-Themen zu begeistern. Doch inzwischen geht der OB unverkrampft damit um. Den Jahresetat für Radwege hat er auf 1,5 Millionen Euro verdoppelt, in Zukunft werden insgesamt 400 Einbahnstraßen für Biker in beiden Richtungen frei sei. „Wir müssen den geänderten Realitäten Rechnung tragen“, argumentiert er. Immer mehr Düsseldorfer wollen nun mal aufs Rad - und das nicht nur in ihrer Freizeit. Schon jetzt beträgt der Anteil der Radfahrer am Verkehr zwölf Prozent. In einigen Jahren, so die Prognose, werden es 20 Prozent sein.

Die Radfahrer werden auch deshalb in Zukunft eine größere Rolle spielen müssen, weil gerade sie möglicherweise den befürchteten Verkehrsinfarkt verhindern können. Viel zu viele Autofahrer setzen sich schon für kurze Strecke hinters Steuer. Rund 50 Prozent aller Autofahrten in Düsseldorf enden nach spätestens zwei Kilometern. Würde nur die Hälfte dieser Wege mit dem Fahrrad statt mit dem Auto zurückgelegt, „dann würden unsere Straßen deutlich entlastet“, betont Verkehrsdezernent Stephan Keller.

Die städtischen Mitarbeiter könnten eine „Vorreiterrolle“ übernehmen und das Fahrrad im Berufsalltag verstärkt nutzen. „Da wollen wir einen Bewusstseinswandel herbeiführen“, erklärt der Dezernent. Auf der Intranet-Seite der Stadt Düsseldorf wird jetzt für dieses Projekt die Werbetrommel gerührt. Um Schwung in die Sache zu bekommen, hat die Stadt ein breites Bündel geschnürt. Konkret:

Schon bald werden die ersten weißen Dienst-Fahrräder mit dem Düsseldorf-Logo auf den Straßen zu sehen sein. Jede einzelne Behörde kann diese Fahrräder anfordern, die zentral bestellt, geleast und geliefert werden. Der Service ist inklusive. Die Diensträder werden von der Radstation regelmäßig gewartet, damit sie stets einsatzbereit sind.

Die Initiatoren wollen für eine ausreichende Zahl von Fahrrad-Parkplätzen am Arbeitsplatz sorgen. In den nächsten drei Jahren werden 600 Abstellanalgen für 150 000 Euro installiert. Als erste Standorte vorgesehen sind das Technische Rathaus, Auf’m Hennekamp 45, und die Gerresheimer Bezirksverwaltungsstelle, Neusser Tor 6-8.

Sicherheit geht vor. Damit die Rathaus-Mitarbeiter nicht vom Rad fallen, bietet die Betriebssportgemeinschaft ein Radfahrsicherheitstraining an. Ebenso mehrere Erkundungstouren, um sich im nicht immer einfachen Radwegenetz zurecht zu finden. Außerdem erhalten die radelnden Bediensteten eine wasserdichte Fahrradkarte, die sie auch bei Regen nutzen können. Über Intranet kann sich des weiteren jeder die günstigste Radwegebindung zu seinem Ziel zeigen und drucken lassen.

Mit einer Online-Umfrage bei allen städtischen Ämtern will das Verkehrsdezernat herausfinden, wie stark das Fahrrad bereits jetzt während der Dienstzeiten genutzt wird. Zudem sollen die Mitarbeiter Schwachpunkte nennen und Änderungswünsche vorschlagen.