Der Nachlass von Günther Cremers in guten Händen

Düsseldorf..  Die Künstlerin Hannelore Köhler, die große alte Dame der Düsseldorfer Kunstszene, überreicht den schriftlichen Nachlass ihres Mannes, des Malers und Lyrikers Günther Cremers, dem Heinrich-Heine-Institut .

„Sie ist da und lächelt. Nicht groß, nicht schmal, eher klein, kompakt und still, aber verschmitzt. Eine Aura umgibt sie.“ So knapp und treffsicher beschreibt Joseph Anton Kruse die Künstlerin Hannelore Köhler. Es wird für beide ein glücklicher Tag, wenn sie sich am Ende dieser Woche lächelnd die Hände reichen. Die große alte Dame der Düsseldorfer Kunstszene überreicht den schriftlichen Nachlass ihres Mannes, des Malers und Lyrikers Günther Cremers, dem Heinrich-Heine-Institut an der Bilker Straße, das Kruse viele Jahre geleitet hat. Ein Ereignis, das mit einer Ausstellung beider Künstler gefeiert wird.

Wir treffen Hannelore Köhler im Künstler-Atelier-Haus an der Sittarder Straße - einem hoffnungsvoll altmodischen Bau zwischen Victoria-Turm und umstrittenem Neubau am Golzheimer Friedhof. Die Staffelei beherrscht den hohen Raum mit den großen Fenstern. Farbkleckse wie kleine abstrakte Kunstwerke auf dem Boden. Skulpturen, Kruzifixe und Pinsel auf Tischen, Regalen und Fensterbänken. Und überall Bilder.

Der Mann im
Schaukelstuhl

Seit den 60er Jahren arbeiteten Günther Cremers und Hannelore Köhler in diesem Haus der Kunst. „Aber jeder im eigenen Atelier“, sagt sie nachdrücklich. Der „Mann im Schaukelstuhl“, 1968 von ihr gemalt - das ist Günther Cremers. Im Heine-Institut wird es zu sehen sein. Da gehört es hin, ebenso wie das Bild von Stella Avni, der Schauspielerin, die eine Zeit lang an der Bilker Straße wohnte. Aber auch Hans-Jürgen Niepel, der Galerist, Jürg Baur, der Komponist, und Wieland König, der frühere Leiter des Stadtmuseums, sind als Porträts zu sehen. Typische Düsseldorfer Köpfe. In ihnen spiegelt sich Kunstgeschichte.

Als Hannelore Köhler (Jahrgang 1929) ihre Eltern mit der Nachricht überraschte, sie wolle nicht weiter zur Schule gehen, sondern studiere ab sofort an der Dresdener Kunstakademie, gab es keine Proteste - jedenfalls nicht in ihrer Erinnerung. Trotzdem: Frauen an der Akademie waren noch die große Ausnahme.

Später wechselte sie nach Düsseldorf, wurde Meisterschülerin bei Otto Pankok. Und lernte Günther Cremers kennen. Auch er war Pankok-Schüler. In der Hochzeit des abstrakten Expressionismus, 1956, gründeten die Beiden die Künstlergruppe „Junge Realisten“. Gemeinsam mit Leuten wie Thomas Häfner und Willi Wirth protestierten sie gegen die abstrakte Malerei und wählten aktuelle Themen für ihre Werke. „Wir wollten gegenständlich arbeiten, aber nicht naturalistisch.“ Sie hatten einen schweren Stand. „Die Anderen haben uns belächelt.“

Lakonische Sachlichkeit bescheinigt Prof. Kruse den Arbeiten Hannelore Köhlers. Längst stehen ihre Plastiken an vielen Orten in der Stadt, eine ihrer schönsten ist die „Stehende Frau“ vor dem Schlossturm.

Günther Cremers, der 2004 starb, hinterließ neben vielen Bildern auch zahlreiche Gedichte. „Das Lyrische hat ihm keiner zugetraut“, sagt Hannelore Köhler und erinnert an eine weitere Begabung: den geschickten Umgang mit Menschen. „Er war mutig, kannte keine Angst.“ Von 1977 bis 1992 war Cremers Leiter der großen Kunstausstellung NRW. Alles Handschriftliche, auch aus dieser Zeit, wandert nun ins Heine-Institut. „Es kommt in gute Hände“, sagt Hannelore Köhler. Und lächelt.

 
 

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