Der Kampf um die alte Laterne geht weiter

In der goldenen Stadt Prag wurden wieder 500 Gaslaternen aufgebaut. In Düsseldorf wird stattdessen demontiert. Diese schöne Laterne in der Altstadt steht noch. Die Initiative „Pro Gaslicht“ fordert ein Schutzkonzept.
In der goldenen Stadt Prag wurden wieder 500 Gaslaternen aufgebaut. In Düsseldorf wird stattdessen demontiert. Diese schöne Laterne in der Altstadt steht noch. Die Initiative „Pro Gaslicht“ fordert ein Schutzkonzept.
Foto: Paul Walther

Düsseldorf..  Den Kampf um die alten Gas-Laternen auf der Hardtstraße in Gerresheim haben die Protestler gerade verloren.

Dort werden die 49 Leuchten abgebaut und durch Elektro-Lampen ersetzt. Die Düsseldorfer Initiative „Pro Gaslicht“ ist verärgert. Den Masterplan der Stadt, bis zum Jahre 2015 nur die 1400 Gaslaternen auf Hauptverkehrsstraßen und in Industriegebieten auszutauschen, bezeichnete Georg Schumacher, Sprecher von „Pro Gaslicht“, inzwischen als „Makulatur“.

Längst werde auch in kleinen Straßen und in Wohnvierteln das Gas für die Leuchten abgedreht. „Von einem flächendeckenden Abbau war damals nicht die Rede“, kritisierte Schumacher. Bis heute gebe es keine eindeutigen Beschlüsse, in welchen Stadtteilen die historischen Leuchten auf Dauer erhalten bleiben sollen.

So wurden und werden defekte historische Laternen nicht repariert, sondern schlicht auf Strom umgestellt. Einige Beispiele: die Alt-Düsseldorfer-Leuchte vor dem Ständehaus, etliche Laternen in der Altstadt und jetzt sogar einige Frankfurter Leuchten vor der Brücke zum neuen Kö-Bogen.

Systematischer Abbau?

Die Initiative befürchtet, dass die Entfernung der Gaslaternen systematisch weiter betrieben werde. „Aber wir werden um jede Laterne in der Stadt kämpfen“, kündigte Schumacher an. „Wir lassen nicht locker.“

Für Weltkulturerbe

Er forderte ein Schutzkonzept von der Stadt mit klaren Aussagen über den weiteren Bestand der Gaslaternen. Würde es nach dem Willen der Initiative gehen, dürfte hier keine einzige Gasleuchte mehr abmontiert oder umgerüstet werden. „Wir haben weltweit das dichteste Gaslicht-Netz. Damit erfüllen wir die Voraussetzungen der Unesco zum Weltkulturerbe.“ Diese Chance gelte es zu nutzen, fordert Schumacher. „Prag, die goldene Stadt, baut ihre Gaslaternen wieder auf“, hebt er als positives Beispiel hervor.

Die Stadt rückt von ihrer bisherigen Haltung nicht ab. Ihr Hauptargument: Die Gaslaternen verbrauchen zu viel Energie und müssten aus Gründen des Klimaschutzes gegen elektrisch betriebene Laternen ausgetauscht werden.

Dem hält die Initiative aber entgegen, dass eine Umstellung auf die besonders sparsamen Leuchtdioden (LED) nur punktuell erfolge. „In der Regel werden herkömmliche Natriumdampflampen installiert. Aber diese Technik ist völlig überaltert“, so Schumacher. „Und für so etwas müssen die Anlieger auch noch einen Teil der Kosten selbst bezahlen.“

Das Argument, dass die Umstellung auf Elektrobeleuchtung dem Umweltschutz diene, hält die Initiative für vorgeschoben. Schumacher: „Ein einziger Heizstrahler verbraucht so viel Energie, dass man damit eine ganze Straße mit Gas beleuchten könnte. Aber hier regt sich keiner über die vielen Heizstrahler in den Altstadt-Straßen auf.“

Schumacher verweist darauf, dass die Gaslaternen nur einen Anteil von 0,2 Prozent am klimaschädlichen Kohlendioxid-Ausstoß haben. Die Umrüstung aber mache bis zu 100 Millionen Euro aus. „Das Geld könnte man viel effektiver in die energetische Sanierung von Altbauten investieren. Das würde den CO2-Ausstoß drastisch senken.“

 
 

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