Der Kampf für Tempo 80 geht weiter

Flehe..  Die Bezirksregierung lässt heute die neuen Tempo-120-Schilder auf der Fleher Brücke installieren und stellt damit den vom Verwaltungsgericht gewünschten (Rechts-)Zustand auf der Brücke wieder her. Wenn es nach den Mitgliedern der Fleher Bürger-Interessengemeinschaft (FB-I) geht, wird dies aber kein Dauerzustand bleiben. „Die Aufhebung der 80 km/h-Geschwindigkeitsbegrenzung ist unverantwortlich“, sagt Jürgen Bormann, Sprecher der FB-I. Die Stadt will die Lärmschutz-Interessen so gut sie kann unterstützen.

„Wir sind der Überzeugung, dass eine Überwachung der Höchstgeschwindigkeit notwendig ist, damit jedwedes Tempolimit an der Stelle eingehalten wird“, sagte Verkehrsdezernent Stephan Keller. Ob die Stadt die Blitzer wieder in Betrieb nehmen darf, hängt von der Zustimmung der Bezirksregierung ab. Eben diese hatte gestern erklärt, dass sie keine Berufung gegen ein Verwaltungsgerichtsurteil einlegt, das die Anordnung von Tempo 80 für rechtswidrig erklärt hatte.

Das Landesverkehrsministerium hatte nach dem Urteil eine Lärm-Berechnung in Auftrag gegeben. Diese ergab, dass die bisher ergriffenen Lärmschutz-Maßnahmen (Flüsterasphalt, geräuscharme Dehnungsfugen, Lärmschutzwand) so wirken, dass die Grenzwerte für weitere Maßnahmen deutlich unterschritten werden. Deshalb gilt auf der Brücke in Fahrtrichtung Neuss ab sofort wieder Tempo 120 sowie in Fahrtrichtung Wuppertal Tempo 120 bis zur Ausfahrt Bilk und ab dort Tempo 100. Die Anwohner zweifeln die Lärm-Berechnung an.

Grundlagen dafür seien Daten aus dem Jahr 2010, nach denen die Zahl der Fahrzeuge aus der Brücke seit dem Jahr 2000 stagniert. Messungen der Jahre 2011 bis 2013 zeigten dagegen, dass die Zahl mittlerweile gestiegen ist. Dies gelte auch für die Zahl der Lastwagen, die spätestens seit der Sperrung der Leverkusener Brücke für Lkw gewachsen sei. Ferner konzentriere sich die Berechnung auf Wohnetagen, die unterhalb der Brücken-Fahrbahn liegen. Höhere Wohnetagen seien aber besonders betroffen, weil sie nicht von der Lärmschutzwand profitieren.

Neben der Kritik führt die FB-I auch eine Reihe von Argumenten für Tempo 80 an: Kurz vor der Brücke liegt der Universitätstunnel. Der Wechsel vom Dunklen ins Helle und die anschließende Kurve ließen eine geringere Höchstgeschwindigkeit sinnvoll erscheinen, um die Unfallgefahr zu verringern. Zudem habe sich der Verkehrsfluss bei Tempo 80 verbessert. „Als früher 120 km/h zulässig waren, tauchte die Fleher Brücke regelmäßig in den Staunachrichten auf. Bei Tempo 80 war dies auffallend selten der Fall“, sagte Borrmann. Schließlich helfe das Geschwindigkeitslimit auch, die Ziele des Luftreinhalteplans der Bezirksregierung zu erreichen. Der Landtags-Abgeordnete Stefan Engstfeld, der die Fleher Bürger bei ihrem Kampf für den Lärmschutz unterstützt hatte, sieht die Entwicklung „mit einem lachenden und einem weinenden Auge“. Man könne sehen, dass sich das Engagement der Bürger gelohnt habe, weil die Lärmschutzmaßnahmen greifen, für die das Land rund 3,1 Millionen Euro investiert hat. „Ich weiß aber auch, dass eine Autobahn, auf der 120 gefahren wird, lauter ist als eine Autobahn, auf der 80 gefahren wird.“ Er befürworte daher, dass die Stadt prüft, auch bei Tempo 120 die Blitzer scharf zu schalten. „Dann ist zumindest sichergestellt, dass es nicht noch lauter wird.“

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