Das ist Düsseldorfs unheimlichster Ort

Birgit Bremmenkamp leitet die Führungen durch den Kanal.
Birgit Bremmenkamp leitet die Führungen durch den Kanal.
Foto: Kai Kitschenberg
Stockfinster ist es nicht im Aaper Wald um Mitternacht, stockfinster ist es auch nicht in der Geisterbahn auf der Kirmes. Wer wissen will, was „stockfinster“ bedeutet, sollte einmal mit Birgit Bremmenkamp in den Golzheimer Besucherkanal gehen.

Düsseldorf..  Die Frau bringt regelmäßig Menschen unter die Erde. Exakt 875 waren es im vergangenen Jahr. Sie bietet Führungen durch den Besucherkanal an der Erwin-von-Witzleben-Straße in Golzheim an, der sich unter einer alten Pumpstation befindet.

Zunächst geht es die Treppe hinunter in den Schacht. Dort brennen anfangs noch ein paar Funzeln. Doch keine 50 Meter weiter, wenn man um die Ecke gebogen ist, macht Bremmenkamp ihre beiden Handlampen aus. Dann ist die Welt plötzlich verschwunden, dann ist es wirklich s-t-o-c-k-f-i-n-s-t-e-r. Kein Licht, nirgends. Düsseldorfs unheimlichster Ort.

Kindergartengruppen kommen auch

Aber Bremmenkamp, die beim Stadtentwässerungsbetrieb für Öffentlichkeitsarbeit und Kundenorientierung zuständig ist, sorgt stets dafür, dass sich das mit dem Gruseln in der Kanalisation in Grenzen hält. „Wir haben ja auch Kleinkinder mit ihren Eltern hier, die finden das in der Regel sehr spannend, weil ihre Stimmen ein sehr schönes Echo produzieren“, sagt die Gästeführerin unter Tage. Auch Kindergartengruppen melden sich regelmäßig an, weil man eben eine ganze Menge lernt. „Und nur ganz selten will eines der Kinder wieder ans Tageslicht“, so Bremmenkamp. Der Besucherkanal ist im Prinzip für jeden offen. Leute, die nicht gut zu Fuß sind, sollten sich das allerdings überlegen. Denn in der unterirdischen, im Durchmesser etwa zweieinhalb Meter großen Röhre, ist es feucht und rutschig.

Insgesamt 454 Beschäftigte im Stadtentwässerungsbetrieb arbeiten im Kanal selbst, in den Kläranlagen, in chemisch-biologischen Laboratorien, oder in der Verwaltung. Das öffentliche Kanalnetz unter Düsseldorf ist 1550 Kilometer lang, an ihm hängen rund 65 000 Grundstücke, 85 000 Hausanschlüsse und etwa 53 000 Straßenabläufe. Ein relativ kleiner Teil davon ist der Besucherkanal, mitten im Golzheimer Wohngebiet. Gerade einmal 176 Meter lang ist die Röhre, die vom Einstieg aus Richtung Westen zum Rhein führt und Richtung Osten fast bis zur Kaiserswerther Straße. „Dieser Kanal ist seit den sechziger Jahren stillgelegt“, sagt Bremmenkamp. „Ansonsten wäre es hier für unsere Gäste zu gefährlich.“ Zu viele Keime, zu viele Krankheitserreger. „Nicht umsonst sind unsere Mitarbeiter im Kanal gegen Hepatitis geimpft“, so Bremmenkamp.

Der Schaukanal in Golzheim wird auch regelmäßig als Filmkulisse genutzt. Hier wurden die Anfangssequenzen des Kinoschockers „Creep“ (2004) mit Franka Potente gedreht, auch das B-Splatter-Movie „Tattoo – Rette Deine Haut“ (2002) spielt zum Teil im Düsseldorfer Kanal. Die Crew von „Verbotene Liebe“ drehte dort ebenfalls schon zweimal.

Doch wie gesagt: Dieser im Hochsommer mit zehn Grad angenehm kühle Tunnel unter Düsseldorf ist nicht nur da, um den Leuten das Fürchten zu lehren. Denn vor allem die Kids erfahren hier von Birgit Bremmenkamp viel Wissenswertes rund ums (Ab)-Wasser. Etwa, dass jeder Düsseldorfer pro Tag 113 Liter Wasser verbraucht, dass man immer noch keine Essensreste ins Klo schütten sollte, weil das Ratten anzieht – sogar hoch bis zur 7. Etage. Und dass der Erfinder der Düsseldorfer Kanalisation der Engländer William Lindley war - und nicht etwa Donald Duck.

Bremmenkamp schaltet ihre Handlampe wieder an, und die Welt hat wieder Licht. Dennoch: Die Atmosphäre unten im Besucherkanal ist spannend-speziell. Kurz vor dem eisernen Tor, hinter dem sich ein riesiges Regenrückhaltebecken befindet, warten die Tiere. Nicht jedermanns Sache. Überall, am Boden, an den Wänden, in den Pfützen haben sich Nacktschnecken versammelt. Und Frösche.

Eine besonders fette Kröte haben Kinder irgendwann einmal „Calli“ getauft.

 
 

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