Das Dönerschiff Düsstanbul liegt im Düsseldorfer Hafen vor Anker

Stephan Wappner
Mit dem Dönerboot im Yachthafen in Düsseldorf hat sich Hüseyin Soylu einen Traum erfüllt.
Mit dem Dönerboot im Yachthafen in Düsseldorf hat sich Hüseyin Soylu einen Traum erfüllt.
Foto: WAZ FotoPool
Mit dem schwimmenden Imbiss "Düsstanbul" hat sich Inhaber Hüseyin Soylu einen Traum erfüllt. Seit zwei Monaten liegt der rot-weiße Kahn in Düsseldorf vor Anker - bis der 42-Jährige endlich seinen Imbiss eröffnen konnte, war es ein langer Weg. Und dann wurde Hüseyin Soylu vom Schaukeln auch noch seekrank.

Düsseldorf. Ein Schiff wird kommen. Als klar wurde, dass das türkische Konsulat von der Cecilienallee nach Heerdt zieht und Hüseyin Soylu mit seiner Bude gleich mit, suchte der Mann nach einer Alternative. Ein Boot, ja ein Boot muss es sein, im Golzheimer Yachthafen. Ein schwimmender Imbiss, wie es sie auf dem Bosporus in Istanbul gibt. Lange hat es gedauert, doch Soylus Wunsch ist wahr geworden. Er hat sein Traumschiff gefunden.

Seit zwei Monaten ist der 42-Jährige Kapitän des rot-weißen „Düsstanbul“-Kahns, der im Schatten der Theodor-Heuss-Brücke vor Anker liegt. Und auch, wenn man vorsichtig sein sollte mit Superlativen: Der „Grillfisch Istanbuler Art“, der auf dem Dönerschiff in einer Brottasche mit Zwiebeln und Salat serviert wird, ist wohl das leckerste Gericht am Rhein. „Ja, ja, frischer Fisch direkt vom Großmarkt in Duisburg“, sagt Hüseyin Soylu mit einem breiten Grinsen unter dem dichten Oberlippenbart.

Die Kulisse im Yachthafen, in dem das Wasser-Restaurant bei Anbruch der Dunkelheit zur anziehenden Lichtoase wird, könnte einem Roadmovie von Wim Wenders entstammen. Die grelle Leuchtreklame am Bootssteg verspricht rot-blinkend die Sünde am Spieß: Düsstanbul– blink – türkische Spezialitäten – blink – Hüseyin Soylu, Dönermann – blink. Und je nachdem, wie der Wind steht, weht den Spaziergängern an der Rheinpromenade der Geruch von frisch gegrilltem Fisch entgegen. Unten schaukelt der olle Kahn, der so wunderbar aufgemotzt wurde, vor sich hin. Dahinter die mehr oder weniger große Yachten. Sie heißen Thetis, Jan Wellem, Juleo.

Die Fischer von Eminönü

Davor „Eminönü Balikcesi“ , so steht’s auf dem Rumpf des rot-weißen Dönerschiffes. Die Fischer von Eminönü, dem Ort unter Galata-Brücke in Istanbul, heißt das übersetzt, erklärt der Chef. Im Hafenwasser wippen die Enten und warten sehnsüchtig auf Essensabfälle. Drinnen winkt Soylu in seiner traditionellen Tracht und sagt: „Herzlich Willkommen, was darf’s denn sein?“

„Düsstanbul“ ist die zweite Dönerfiliale des Fastfood-Unternehmers nach dem Imbiss an der Cecilienallee, den es dort schon seit 18 Jahren gibt. Als die Nachricht vom Umzug des türkischen Konsulats kam, kaufte sich Soylu Ende 2012 das zwölfeinhalb Meter lange, zweieinhalb Meter breite Schiff. Es ist ein ehemaliges Landungsboot der DDR-Volksarmee, das zuletzt als Hausboot genutzt wurde – allerdings an Land, in einem Wald.

Genehmigungen waren kompliziert

Der Gastronom baute den ollen Kahn um, wollte „Düsstanbul“ bereits im Rahmen des Stadtjubiläums im September eröffnen. Doch er hatte vergessen, sich Genehmigungen der Bauaufsicht, des Wasser- und Schifffahrtsamtes und des Sportamtes geben zu lassen. Das Verfahren war kompliziert, „die Verwaltung hat mir einige Steine in den Weg gelegt“, fühlte sich Soylu zwischenzeitlich ausgebootet. Doch nach einer Ausschusssitzung im Oktober gab es endlich grünes Licht vom Sportamt.

Die Idee für die Döner-Dependance am Rhein hatten übrigens die Brüder Lopez, beide Fast-Food-Fans und Mitglieder im Düsseldorfer Yachtclub (DYC). Carlos Lopez hat vor einiger Zeit die ehemalige Westbrücke des DYC erworben und vermietet nun den Stellplatz an Soylu, der zudem 100 Euro monatlich ans Sportamt für den Liegeplatz zahlt.

Seekrank auf "Düsstanbul"

Und die Dönerspieße auf „Düsstanbul“ drehen sich und drehen sich. Und das Schiff schaukelt und schaukelt. Ganz so heftig wie die reich verzierten, größeren Boote in der Türkei wippt das Düsseldorfer Exemplar nicht. Aber es wippt. Der Geschäftsmann wurde anfangs sogar seekrank. „In den ersten Tagen habe ich mich regelmäßig über die Reling erleichtert“, sagt Soylu, wieder mit einem breiten Grinsen unter dem Schnauzbart. „Es gibt auch Gäste, die das Schiff sofort wieder verlassen müssen, sobald sie drauf sind.“

Doch die meisten bleiben. Und sie kommen von überall her. Aus Aachen, aus Hamburg, sogar aus der Türkei. Oder aus Duisburg, wie Mehmet Ay, der das schmucke Flussrestaurant über Facebook entdeckt hat. „Das musste ich unbedingt mit eigenen Augen sehen“, sagt der 20-Jährige, der mit seiner Bekannten Aylin Bayraktar aus Bilk und zwei weiteren Freunden zum Fischessen gekommen ist. „Sehr lecker“, sagt die Gruppe einheitlich.

„Tatort“-Dreh im Yachthafen

Oder die Schwestern Ina (25) und Marina Kemper (30) aus Unterbilk. „Wir gehen hier immer im Sommer am Rhein spazieren“, sagt Ina, „wir haben immer darauf gewartet, dass hier geöffnet hat. Jetzt sind wir zum ersten Mal hier und sind begeistert.“

Wenn es jemals wieder einen Tatort aus Düsseldorf geben sollte, dann sollten die Kommissare ihren Feierabend auf dem Dönerschiff verbringen. So ähnlich soll das sein wie bei den Kölner Ermittlern Ballauf und Schenk, die sich in jeder Schlusssequenz am Stehtisch vor der Pommesbude am Rhein eine Currywurst reinziehen. Die Düsseldorfer Kriminalisten bestellen alternativ Grillfisch im Brötchen, schlendern die Treppen zur Promenade hinauf, blicken auf die Skyline mit Schlossturm, Fernsehturm und Rheinbrücken und philosophieren über das Leben. Döner mit Aussicht.