Car-Sharing in Düsseldorf setzt Umdenken in Gang

Der Smart von „Car2go“ ist als Leihwagen immer beliebter, aber auch der Mini von „DriveNow“. Das Car-Sharing-Projekt macht Fortschritte.
Der Smart von „Car2go“ ist als Leihwagen immer beliebter, aber auch der Mini von „DriveNow“. Das Car-Sharing-Projekt macht Fortschritte.
Foto: Lars Heidrich / WAZ FotoPool
Mit insgesamt 30.000 Kunden hat das Car-Sharing-Projekt in Düsseldorf mittlerweile Tritt gefasst. Eine Umfrage der Anbieter "DriveNow" und "car2go" zeigt jetzt: immer mehr Pkw-Fahrer verzichten auf einen eigenen Wagen. Die Stadt hofft, durch Car-Sharing etwas gegen die Parkplatznot zu tun.

Düsseldorf. Das im Vorjahr initiierte stadtweite Car-Sharing-Projekt hat bei den ersten Autofahrern zu einem Umdenken geführt. Weil das Ausleihen eines Fahrzeuges so einfach geworden ist und zudem die öffentlichen Parkplätze kostenlos genutzt werden können, verzichten immer mehr Pkw-Fahrer auf einen eigenen Wagen.

Bei einer in diesem Jahr durchgeführten Kundenbefragung machten 759 bei den beiden großen Anbietern „DriveNow“ und „car2go“ registrierten Mitgliedern mit. Sechs Prozent von ihnen gaben an, dass sie inzwischen ihr eigenes Auto abgeschafft haben, weil sie lieber Car-Sharing nutzen. Weitere 16 Prozent erklärten, dass sie sich in den letzten zwölf Monaten bewusst kein neues privates Auto gekauft haben und es erstmal mit dem Mietwagen versuchen.

30.000 Car-Sharing-Kunden

Für die Verkehrspolitiker ist das ein gutes Signal. Denn je mehr Bürger manchmal, öfters oder ganz auf ein eigenes Auto verzichten, um so weniger Staus gibt es auf den Straßen - und weniger Parkplatznöte in der Innenstadt und in den Gründerzeitvierteln wie Oberkassel.

Auch die weitere Bilanz kann sich nach 18 Monaten sehen lassen: 30 000 Kunden zählen „car2go“ und „DriveNow“ bereits, die meisten übrigens im City-Bereich - allein mehr als 20 Prozent in den Stadtteilen der Bezirksvertretung 1. Aber immerhin kommt fast jeder zehnte Kunde außerhalb von Düsseldorf. Hier sind es vor allem die Pendler, die gerne auf das Car-Sharing-Modell zugreifen.

Jeder zweite Nutzer hat zudem ein ÖPNV-Monatsticket, 40 Prozent besitzen noch ein eigenes Auto. Bisher scheint Car-Sharing aber überwiegend Männer anzusprechen. Nur 20 Prozent der Kunden sind weiblich. Die Altersgrenze reicht von 25 bis 64 Jahren. Die Autos werden für alle möglichen Zwecke benutzt - für die Fahrt zur Arbeit, für den Einkauf oder für den Ausflug ins Grüne.

550 Car-Sharing-Fahrzeuge in Düsseldorf

Für die Anbieter ist das von Vorteil, weil damit garantiert ist, dass die 550 Autos zu allen Tageszeiten in Anspruch genommen werden. Ein Car-Sharing-Auto wird pro Tag durchschnittlich viermal genutzt.

Das sind zwar 2200 Car-Sharing-Fahrten pro Tag. Im Vergleich zu den 2,2 Millionen Fahrten, die insgesamt in Düsseldorf zurückgelegt werden, ist der Anteil trotzdem noch sehr gering. Wen wundert’s? Das Pilotprojekt ist noch jung. Da ist schon ein längerer Atem nötig. Immerhin melden „Car2go“ und auch „DriveNow“ weiterhin regelmäßige Anstiege. Wo die Sättigungsgrenze liegt, weiß zurzeit keiner.

Die beiden Unternehmen „Drive Now“ (ein Zusammenschluss von BMW, Mini, Sixt) und der Mercedes-Tochter „Car2go“ stehen in Düsseldorf in einem interessanten Wettbewerb. Schließlich buhlen beide auch um ähnliche Zielgruppen. Die Ausgangsbedingungen sind prinzipiell gleich. Dafür hat auch die Stadt mit dem auf drei Jahre angelegten Versuchsprojekt gesorgt. Sowohl für „DriveNow“ als auch für „car2go“ wurde eine Vereinbarung erzielt. Danach gibt es für alle Mietwagen eine Ausnahmegenehmigung für das Abstellen im öffentlichen Parkraum. Dafür zahlen die beiden Unternehmen eine Pauschale. Für die Fahrer der Mietwagen ist das bequemer. Sie können parken, ohne ein Ticket im Parkscheinautomaten zeihen zu müssen.

Die Vorgehensweise beim Bestellen eines Autos ist bei beiden Anbietern gleich: Sie erfolgt über Smartphone oder Internet. Der Kunde erfährt sofort, wo das nächste verfügbare Auto steht - und muss es am Ende der Fahrt in Düsseldorf nur wieder am Straßenrand abstellen. Leichter geht’s nicht.

 
 

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