Bürgerbegehren für die Gaslaternen?

Veteranen für die Gaslaternen: Porfessor Horst A. Wessel und Alfred Metzler. Foto: Sergej Lepke / WAZ
Veteranen für die Gaslaternen: Porfessor Horst A. Wessel und Alfred Metzler. Foto: Sergej Lepke / WAZ
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Düsseldorf.. Wenige Tage vor der Ratsentscheidung über den Abbau von 1400 Gaslaternen in Düsseldorf fahren die Kritiker schweres Geschütz auf.

Sollten die Fraktionen nicht den Weg über einen Ratsbürgerentscheid gehen und die Bewohner selbst über dieses strittige Thema abstimmen lassen, „dann werden wir über ein Bürgerbegehren nachdenken“, kündigt Georg Schumacher, Sprecher der Initiative „Pro Gaslicht“ an. Die Kritiker sind davon überzeugt, dass viele Düsseldorfer ihr Anliegen unterstützen werden. Nicht nur, weil die Stadt weltweit über ein einmalig dichtes Netz von über 16 000 Gaslaternen verfügt, sondern auch deshalb, weil bei einer Umrüstung auf elektrisches Licht die Anlieger in ihren Wohnstraßen kräftig zur Kasse gebeten werden. Sie müssten dann 50 Prozent der Kosten, also rund 2000 Euro pro Laterne, selbst zahlen.

„Dann kommt die
dicke Rechnung“

Das schreibt das Kommunale Abgabengesetz vor - einen Ermessensspielraum gibt es hier nicht. „Die Bewohner bekommen die Gaslaternen ausgeblasen - und dann die dicke Rechnung“, schimpft „Pro Gaslicht“. Mitinitiatorin Barbara Kempen ist sich sicher. „Noch sind die Bürger nicht ausreichend informiert. Aber es wird sich ein breiter Widerstand formieren.“

Denn die Anwohner müssen keinen Cent bezahlen, wenn die Gaslaternen stehen bleiben. können. Die Wartung und Pflege geht auf Kosten der Stadtverwaltung. Anliegerbeiträge werden nur dann erhoben, wenn die Laternen ausgetauscht werden müssen. „Das ist nicht nötig“, erklärte gestern Alfred Metzler, der bis vor acht Jahren die Stadtwerke-Werkstatt für Düsseldorfs Gasbeleuchtung leitete. Er widerspricht entschieden der Auffassung des städtischen Verkehrsdezernates, dass nach 50 Jahren die Gasleuchten ersetzt werden müssten. „Die sind stabil. Die verrosten nicht. Die halten ewig“, betont der inzwischen pensionierte Werkstattsleiter. „Und es kann nichts passieren. Die Steigleitungen sind dicht.“ Im Gegensatz zu den Elektroleuchten kann der Mast schon deshalb nicht durchrosten, weil er vollständig mit Gas gefüllt ist . Zudem schütze am Boden eine zusätzliche Stahl-Manschette gegen Schäden. Seit den 50er Jahren mussten in Berlin nicht mal ein Prozent der Gaslaternen erneuert werden.

Geschichtsprofessor Horst A. Wessel, Vorsitzender des Düsseldorfer Geschichtsvereins und früherer Leiter des Mannesmann-Archivs, nickt. Mannesmann hab erst vor einigen Jahren die Gaslaternen in Prag inspiziert. „Die mussten nur wenige ersetzen.“ Schon wegen ihres Denkmalwertes setzt sich der Professor für den Erhalt der Düsseldorfer Leuchten ein.

Kein großes
Umweltproblem

Das Argument der Stadt, die Umrüstung diene dem Klimaschutz lässt Dirk Jansen, Sprecher vom „Aktionsbündnis Sauberer Strom am Rhein“ Astr(h)ein nicht gelten. Die Gaslampen produzieren zwar 15 000 Tonnen klimaschädliches Kohlendioxid pro Jahr. Doch das sind nur 0,2 Prozent des gesamten Düsseldorfer CO2-Ausstoßes. „.Mich beschleicht das Gefühl, dass von den eigentlichen Umweltproblemen abgelenkt wird.Die Ratsmehrheit von CDU/FDP will bisher an ihrem Kurs festhalten und der 1. Stufe der Umrüstung zustimmen, damit 1400 Laternen an Hauptverkehrsstraßen ersetzt werden. Warum dies jetzt gemacht werden muss, versteht Dirk Jansen auch aus einem andern Grund nicht. Der Ersatz durch Natirumdampflampen sei „keine zukunftweisende Technologie.“ Einen Bürgerentscheid darüber lehnt FDP-Fraktionschef Manfred Neuenhaus ab. „Hier geht es um Verkehrssicherheit“ Über die Frage der Umrüstung in Wohnvierteln müsse mit den Bürgern vor Ort gesprochen werden.

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