Breakdance mit Romeo

Die Bad-Boys-Kompanie gibt alles.
Die Bad-Boys-Kompanie gibt alles.
Foto: Manfred H. Vogel
Im Capitol Theater feierte Rasta Thomas’ Rockballett „Romeo and Juliet“ Premiere. Das Tanztheater der US-Choreografen verbindet Klassik mit HipHop und Vivaldi mit Lady Gaga.

Düsseldorf..  Romeo ist ein Breakdancer. Kaum hat er Julia erblickt, muss er sich bei ein paar Loops erstmal abreagieren. Und Julia? Ein Elfchen, ein junges Ding im Flatterkleid, das für sich allein zu Katy Perry tanzt und später mit Lady Gagas Superhit „The Edge of Glory“ eine ausgeflippte 70er-Jahre-Hochzeit feiert. Nach Auftritten in aller Welt feierte Rasta Thomas und Adrienne Caternas Rockballett „Romeo and Juliet“ jetzt im Capitol Theater Premiere. Wetten, dass sich die beiden mitsamt dem knackigen Bad Boys-Ensemble auch in die Herzen der Düsseldorfer tanzen?

Was ist Shakespeares „Romeo und Julia“ nicht alles widerfahren. Theatermacher haben sich den Wolf interpretiert und den alten Stoff immer wieder neu gedeutet. Wie erholsam ist da der Zugriff der US-Choreografen. Ihr Tanztheater lässt seine Helden frei. Sie dürfen jung sein, wild und lebenshungrig. „Romeo and Juliet“ ist nicht mehr und nicht weniger als ein Abend für die Sinne, bei dem das Herz hüpft, der Fuß wippt und der Kopf Pause machen darf, wie schön.

Dies ist ein modernes Shakespeare-Up Date, das kombiniert, was nicht kompatibel scheint. HipHop und Klassisches Ballett, eins wie das andere perfekt getanzt. Usher, Vivaldi und Prokofjew, darunter ein Stück aus „Romeo und Julia“. Aber ebenso Musik von Police, Jay-Z, David Guetta und jawohl, einen echten Schmachtfetzen gibt’s auch, das unsterbliche „Unchained Melody“ von den Righteous Brothers. Dazu hat Lichtdesigner Patrick Woodroffe ein einfaches, variables Bühnenbild geschaffen.

Artistische Kampfeinlagen

Durch Projektionen entstehen ein Park, der Saal für den Maskenball, eine Bar, die Kirche. Das ist manchmal rosa und mitunter nah am Kitsch, wird aber gleich wieder aufgebrochen durch in den Saal geschossene Lichtblitze, Computeranimationen und pure Beats wie bei den artistischen Kendo-Kampfeinlagen zwischen Tybald (Kyle Lucia), Benvolio (Robbie Nicholson) und Mercutio (DJ Smart).

Die blonde Adrienne Canterna tanzt ihre Julia bei der Premiere selbst, und sie macht das mit atemberaubender Eleganz, mädchenhaftem Charme und fluffiger Leichtigkeit. Ihr an die Seite gestellt wird der elegante Athlet James Boyd als Romeo, ein schwarzer Tänzer, ungestüm wie ein Junge. Ansonsten ist das Personal stark verknappt. Alle Erwachsenenrollen sind gestrichen, mit einer Ausnahme, der Amme (Teneise Mitchell Ellis).

Am Ende stirbt Julia auf dem Rücken der Mönche ihren (angeblichen) Gifttod. Romeo folgt ihr nach, sie entdeckt den leblosen Freund und ersticht sich. Wie unendlich traurig ist das. Eine Wahnsinnsgeschichte.

 
 

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