Börse: „Guthabengebühr“ ist das Unwort des Jahres

Die Börse Düsseldorf
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Foto: NRZ_Kai Kitschenberg
Die Düsseldorfer Börse hat zum 14. Mal gewählt: Das Votum fiel diesmal einstimmig aus. „Guthabengebühr“ ist das Unwort des Jahres.

Düsseldorf..  Marketingchefs und Textprofis kreieren gerne Wörter, die selbst negative Entwicklungen in ein positives Licht rücken sollen. Mit der zunehmenden Beachtung durch die breite Öffentlichkeit entstehen so „Unworte“. Das Team der Düsseldorfer Börse mit seiner Geschäftsführung, Maklern, Händlern und Kommunikatoren hat zum vierzehnten Mal das „Börsen-Unwort des Jahres“ ermittelt. 2014 wurde einstimmig „Guthabengebühr“ zum Unwort gewählt. Mit „Guthabengebühr“ haben die Werbeprofis einer großen Bank ein Unwort geschaffen, welches Kunden etwas Positives suggeriert, auch wenn der Wortteil „Gebühr“ grundsätzlich negativ behaftet ist. Tatsächlich bedeutet der Begriff nichts anderes als Strafzins, denn diese und auch andere Banken berechnen gewerblichen Kunden eine Gebühr für größere Einlagen und geben damit die jüngst eingeführten Negativzinsen der Europäischen Zentralbank an Kunden weiter.

Für Privatanleger gibt es den Strafzins – oder eben die Guthabengebühr – einstweilen noch nicht. Oder doch? Zumindest für deutsche Staatsanleihen bis 10 Jahre Laufzeit ergibt sich nach Inflation und sowieso nach Steuern ebenfalls ein Strafzins und die einzigartige Situation, dass der Anleger einem Kreditnehmer netto sogar noch etwas zahlt, damit dieser sich bei ihm verschuldet.

Dirk Elberskirch, Vorstandschef der Börse Düsseldorf AG, hebt hervor: „Es ist schon ein Unding, dass man für Einlagen eine Gebühr an sein Kreditinstitut bezahlen soll. Als `Guthabengebühr` bezeichnet, klingt dies zwar weniger schlimm, deutlich wird aber auch, dass die Maßnahme der EZB nicht wie geplant positiv auf die Kreditvergabe der Banken an Unternehmen wirkt, sondern schlicht an die Kunden weitergereicht wird und damit verpufft. Ich kann nur hoffen, dass Privatanleger von Guthabengebühren verschont bleiben.“

Thomas Dierkes, Vorstandsmitglied der Börse Düsseldorf, führt aus: „Wenn wir die Realverzinsung betrachten – also Zinsen abzüglich Steuern und Inflation – haben wir schon auf sehr breiter Front in Deutschland einen Negativzins. So bringen Anlagen wie etwa Sparbücher, Tagesgeldkonten und auch deutsche Bundesanleihen nur noch garantierte Verluste.“ Das „Börsen-Unwort des Jahres“ wird von der Börse Düsseldorf in Anlehnung an die 1991 ins Leben gerufene sprachkritische Aktion des Frankfurter Germanisten Horst Dieter Schlosser seit 2001 ermittelt.

Bisherige Börsen-Unwörter: 2013: „Billiges Geld“, 2012: „Freiwilliger Schuldenschnitt“, 2011: „Euro-Gipfel“, 2010: „Euro-Rettungsschirm“, 2009: „Bad Bank“, 2008: „Leerverkauf“, 2007: „Subprime“, 2006: „Börsen-Guru“, 2005: „Heuschrecken“, 2004: „Seitwärtsbewegung“, 2003: „Bester Preis“, 2002: „Enronitis“, 2001: „Gewinnwarnung“.

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