Birkenstraße in Düsseldorf ist bunt wie ein Bilderbuch

Für 3,8 Millionen Euro wurde die Birkenstraße in Flingern umgebaut. Sie ist vielsitig – und hat bereits das Zeug zum Geheimtipp für Flaneure.
Für 3,8 Millionen Euro wurde die Birkenstraße in Flingern umgebaut. Sie ist vielsitig – und hat bereits das Zeug zum Geheimtipp für Flaneure.
Foto: WAZ
Die Birkenstraße in Flingern gehört zu den vielseitigsten Straßen in Düsseldorf. Nach dem 3,8 Millionen teuren Umbau hat sie sich zum Geheimtipp für Flaneure entwickelt.

Düsseldorf.. Vielseitig ist sie, die Birkenstraße. Bunt wie ein Bilderbuch, überraschend wie ein Stammbuch und abwechslungsreich wie ein Versandhaus-Katalog. Eine Präsenz auf internationalen Bestsellerlisten über Düsseldorfer Einkaufsstraßen hat sie noch nicht. Dazu sind nach dem 3,8 Millionen teuren Umbau 2013 weder die neuen Strukturen noch die nachgepflanzten Bäume genug gediehen.

Aber das Zeug zum Geheimtipp für Flaneure hat sie bereits. Eiscafés und Restaurants locken mit einladenden Straßenterrassen. Die Gehwege sind breit genug für ein Nachbarschaftsschwätzchen.

Die Birkenstraße verläuft von der Grafenberger Allee, parallel zum S-Bahnhof Wehrhahn, bis zum Dorotheenplatz. Am oberen Teil, Ecke Lindenstraße, steht das Hotel, in dem sich ein Drama abgespielt hat: Hier wurde Anfang Januar 2009 eine Geschäftsfrau aus München ermordet. Bis heute ist die Tat unaufgeklärt.

Hinter der Kreuzung Ackerstraße wandelt sich die Birkenstraße von einer Wohnstraße zu einer Geschäftsstraße. Nicht pulsierend, aber anziehend. Mit „Sport Thelen“ ist dort das älteste Sportfachgeschäft Düsseldorfs angesiedelt. Nach einem Bombenangriff während des zweiten Weltkriegs siedelte die Sattlerei Thelen, gegründet 1898, von der Karlstraße zur Birkenstraße. Bereits seit 1920 hatte sich der Familienbetrieb auf Sportartikel spezialisiert. Thelen war Jahrzehnte alternativlos für Feldhockeyspieler.

Die Birken-Apotheke weist mit einem Schild an der Eingangstür auf ihre besondere Kundenfreundlichkeit hin. Sie hat Mittwochnachmittag zwischen 15 und 18.30 Uhr geöffnet - ein Stadtteil tickt anders als die Düsseldorfer Innenstadt. Die Zeichen der Zeit haben die „Naturburschen“ erkannt. Lars Kollender (22) und David Derix (32) haben ihren Fortuna-Fanshop in der Altstadt gegen einen Naturkostladen an der flingeraner Meile eingetauscht und durchgehend bis 20 Uhr geöffnet. Seit April reichen sie Biokäse, Obst, Gemüse, „gereiftes Brot“ oder Wein über die Theke. „Wir haben uns für den Standort Birkenstraße entschieden, weil es hier viele junge Familien und Künstler gibt. Menschen, denen die Ernährung wichtig ist“, erklärt Kollender. Ihre Kalkulation geht auf, das Unternehmen ist besser gestartet als sie erwartet haben.

Familien als Zielgruppe haben weitere Geschäfte im Visier. „Purzelbaum“, ein Laden für Öko-Kindermode und Holzspielzeug residierte ursprünglich an der Oststraße und schreibt jetzt hier seine Umsätze. Eine Neuauflage des sagenumwobenen „Kinderbuchladen“ ist mit den „Bücherhelden“ wieder an die Birkenstraße gezogen. Christiane Hamann war Mitarbeiterin des Kinderbuchladens, bis der seine Pforten schloss. „Nach einer Odyssee durch die Stadtteile bin ich gerne wieder nach Flingern zurück gekehrt“, sagt die Buchhändlerin. In diesem Stadtteil werde das Persönliche sehr gepflegt, darum habe sie den Mut gehabt, „wieder was stationäres zu machen“. Der Umbau habe der Birkenstraße grundsätzlich gut getan, sagt sie, „... doch das neue Flair muss noch wachsen.“ Hamann wünscht sich von den Stadtplanern, dass sie sich auch nach erfolgtem Umbau darum kümmern, ob Planung und Praxis zusammen finden. „Sie sollten mal schauen, ob jede aufgestellte Bank am richtigen Platz ist“, benennt sie ein Beispiel.

Einen sehr präzisen Blick wirft Christoph Wilde auf die Straße. Meist ist er durch die Schaufenster seines Buch-Antiquariats kaum zu sehen. „Es gibt keine natürliche Ecke“ beschreibt der „Bibliomane“ seinen Arbeitsplatz. 20 000 Bücher reihen sich deckenhoch an Wänden, bilden Skulpturen, wo kein Regal mehr hinpasst. Mit seinem Fundus stattet er auch TV-Produktionen wie den „Tatort“ aus. „Wenn im Film das Bücherregal im Wohnzimmer eines Architekten gefüllt werden soll, liefere ich eben zehn Meter Kunstbücher.“

Wilde empfindet die Birkenstraße vor allem als Riegel zwischen dem armen und dem Hipster Flingern. Nach dem Umbau könnte die Birkenstraße mehr Gesicht vertragen, ist seine Meinung. „Ich habe nicht verstanden, warum sie die große Bäume gefällt haben um nur etwas weiter daneben neue, kleinere zu pflanzen. Außerdem sieht er die Straße als Melkkuh der Stadt: „Alle naselang taucht der Ordnungsdienst auf und schreibt Knöllchen“, ist seine Beobachtung. „Das machen die wahrscheinlich so lange, bis sich der Umbau amortisiert hat“, setzt er heiter hinzu.

 
 

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