Bergung von entgleistem Gas-Waggon in Düsseldorf beendet

Um 16.30 Uhr war der entgleiste und umgestürzte Waggon wieder aufgerichtet.
Um 16.30 Uhr war der entgleiste und umgestürzte Waggon wieder aufgerichtet.
Foto: Stefan Arend / WAZ FotoPool
Die vielbefahrene Bahnstrecke zwischen Düsseldorf und dem Ruhrgebiet war auch am Mittwoch Nachmittag wegen der Bergung eines umgekippten Gas-Waggons erneut gesperrt worden. Die Bergungsarbeiten am Bahnhof Derendorf dauerten bis in den späten Abend an.

Düsseldorf/Duisburg. Einen Tag nach dem Güterzug-Unfall in Düsseldorf waren die Bergungsarbeiten noch immer nicht abgeschlossen. Am Mittwoch kam es am Nachmittag erneut zu Behinderungen im Bahnverkehr. Wie berichtet, war am Dienstagabend gegen 18 Uhr ein Güterzug in Höhe des S-Bahnhofs Derendorf entgleist, dabei kippte ein Kesselwaggon mit leicht entzündlichem Gas um.

Gegen 22:30 Uhr meldete die Bahn in ihrem Online-Fahrplan, dass der S-Bahnhof Derendorf wieder für den Betrieb freigegeben sei. Allerdings komme es auf der Strecke zu Verzögerungen wegen technischer Probleme.

Bahnpendler an Rhein und Ruhr mussten auch am Mittwochnachmittag erneut Geduld zeigen: Nach dem Güterzugunfall in Düsseldorf-Derendorf war die wichtige Strecke zwischen Düsseldorf und dem Ruhrgebiet ab 15.45 Uhr erneut komplett gesperrt. Viele Verbindungen fielen aus. Fernverkehrszüge mussten weiträumige Umleitungen fahren.

Mithilfe von zwei großen Kränen richteten die Einsatzkräfte den umgestürzten Waggon vorsichtig auf, setzten ihn anschließend wieder aufs Gleis. Um 16.30 Uhr konnten zumindest vier von sechs Gleisen wieder freigegeben werden.

S-Bahnhof Derendorf bis auf Weiteres gesperrt

Aus dem aufgerichteten Waggon muss nun laut Feuerwehr-Angaben das restliche Propylen abgepumpt werden. Etwa ein Drittel des Inhalts sei noch im Tank, die Pump-Arbeiten würden voraussichtlich noch einmal zwei Stunden dauern, schätzte Feuerwehrsprecher Heinz Engels um 17 Uhr. "Bis 20 Uhr", so seine Prognose, "sollte das gegessen sein." Feuerwehr, Polizei und Bundespolizei, Bahn und THW arbeiteten mit 85 Einsatzkräften an der Unfallstelle.

Wie lange die zwei Gleise sowie der S-Bahnhof Derendorf noch gesperrt bleiben müssen, war am frühen Mittwochabend dagegen unklar. Die Deutsche Bahn hat nach Angaben eines Sprechers einen Taxi-Notverkehr eingerichtet: 20 Taxis stünden am S-Bahnhof Derendorf bereit, um Fahrgäste zu umliegenden S-Bahnhöfen zu bringen.

Am Dienstagabend waren mehrere mit dem gefährlichen Stoff Propylen beladene Waggons aus dem Gleis gesprungen. Das hatte den Bahnfahrplan bereits am Dienstagabend mitten im Berufsverkehr kräftig durcheinandergebracht.

Auch Rheinbahn-Verkehr betroffen

Am Mittwochmorgen hatte es zunächst Entwarnung gegeben: Vier von sechs Gleisen seien wieder befahrbar, sagte eine Bahnsprecherin am Mittwochmorgen. "Somit verkehren Fern- und Regionalzüge sowie S-Bahnen wieder planmäßig", teilte die Bahn in ihrer Pressemitteilung mit. Für viele Pendler in und um Düsseldorf gestaltete sich der Tag allerdings alles andere als planmäßig: Den ganzen Tag über hatten viele Züge, vor allem S-Bahnen, noch Verspätung.

Auch der Verkehr der Rheinbahn war betroffen: Weil die Feuerwehr für die Aufräum- und Bergungsarbeiten auf der Bahnstrecke Schläuche über die Straße verlegt hat, kann die Straßenbahnlinie 704 nicht planmäßig fahren. "Die Linie fährt aktuell nur bis Hauptbahnhof, von dort werden Ersatzbusse bis zur Merziger Straße eingesetzt", sagte eine Rheinbahn-Sprecherin.

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Ursache für den Unfall des Güterzuges unklar 

Am Dienstagabend waren fünf mit dem gefährlichen Stoff Propylen beladene Kesselwagen aus dem Gleis gesprungen. Diese Zahl nannte Feuerwehrsprecher Heinz Engels am Mittwoch, nachdem zuvor von drei betroffenen Waggons die Rede war. Einer der Waggons kippte auf die Seite.

Die Feuerwehr ging von hoher Brand- und Explosionsgefahr aus, falls der Inhalt des Waggons - das Gas Propylen - austreten würde. Das geschah nicht, aber vorsichtshalber wurde die Strecke zwischen Düsseldorf und Duisburg stundenlang gesperrt. Zigtausende Pendler dürften Mühe gehabt haben, zum Feierabend nach Hause zu kommen.

Warum die Waggons des Güterzuges entgleisten, blieb zunächst ungeklärt. Das Eisenbahnbundesamt habe die Ermittlungen aufgenommen, sagte ein Bahnsprecher. Der Güterzug sei nicht von der Deutschen Bahn, sondern von einer Fremdfirma betrieben worden.

Feuerwehr rückte mit 80 Einsatzkräften aus

Im Nahverkehr waren die S-Bahnlinien S1 (Solingen-Dortmund) und S11 (Bergisch-Gladbach - Düsseldorf-Flughafen) von der Streckensperrung betroffen. Auch die Linie S6 (Köln-Essen) war in Düsseldorf für zweieinhalb Stunden unterbrochen. Aus Richtung Duisburg endete die S1 in Düsseldorf Unterrath und drehte dort um. Die S11 aus Bergisch-Gladbach endete in Düsseldorf Hauptbahnhof. In Duisburg wurde die Regionalbahn RB37 (Der Wedauer) zwischenzeitlich eingestellt.

Eine weitere Streckensperrung machte der Bahn am Dienstagabend in NRW zu schaffen. Die ICE-Strecke zwischen Köln und Frankfurt musste wegen eines Personenunfalls für den Verkehr ebenfalls komplett gesperrt werden.

Erste Bilanz für den Dienstagabend laut Bahn am Tag danach: 60 Züge seien ganz ausgefallen, davon etwa die Hälfte im Fernverkehr. 35 Züge wurden umgeleitet und 332 Züge hatten teils erhebliche Verspätungen.(dae/shu/WE/dpa)