Bahnhof Eller: Eine beispiellose Fehlplanung

Dieser Schnappscghuss stammt von 1899
Dieser Schnappscghuss stammt von 1899
Foto: Brzosa
Der Bahnhof Eller wurde vor 140 Jahren mit Eröffnung der Eisenbahnstrecke von Speldorf nach Troisdorf am 19. November 1874 in Betrieb genommen. Doch die hochgesteckten Erwartungen wurden indes schon bald enttäuscht.

Düsseldorf..  Der Bahnhof Eller wurde vor 140 Jahren mit Eröffnung der Eisenbahnstrecke von Speldorf nach Troisdorf am 19. November 1874 in Betrieb genommen. Mit dem neuen Haltepunkt waren in Eller, das über viele Jahrhunderte abseits aller Handels- und Verkehrswege lag und infolge der ungünstigen Verkehrsanbindung noch während der Hochindustrialisierung ein eher dörfliches Gepräge zeigte, große Hoffnungen verbunden. Die hochgesteckten Erwartungen wurden indes schon bald enttäuscht, vermochte der neue Bahnhof an der heutigen Vennhauser Allee das kleine Dorf am Unterlauf der südlichen Düssel nicht aus seinem Dornröschenschlaf zu wecken, da er – aus heutiger Sicht – eine beispiellose Fehlplanung war.

Missstand behoben

Zum einen gab es an der Strecke zwischen Speldorf und Troisdorf, die von der Rheinischen Eisenbahn Gesellschaft bedient wurde, nur wenige attraktive Haltepunkte, zum anderen lag der Bahnhof so weit vom eigentlichen Eller Dorfkern entfernt, dass er ohne Zubringerdienst erreichbar war. Das größte Manko der nur 80 Kilometer langen Bahnstrecke bestand indes in der fehlenden Anbindung an die benachbarte Großstadt Düsseldorf, ein Missstand der erst 1891 durch den Bau einer Verbindungstrasse zur Köln-Mindener-Eisenbahn behoben wurde.

Eller verzeichnete erst nach Freigabe des direkten Eisenbahnanschlusses an das prosperierende Düsseldorfer Wirtschaftszentrum einen Anstieg der Wohnbevölkerung. Heute, 140 Jahre später, liegt der Bahnhof Eller immer noch im Abseits.

„Kein Düsseldorfer Bahnhof liegt so in der Einöde wie der Eller Bahnhof“, sagt Ulrich Brzosa, der die Geschichte des Bahnhofes erforscht hat. „Wer hier aussteigt, steht im Niemandsland zwischen Eller und Vennhausen und kann fußläufig allenfalls den Sportplatz von Eller 04 erreichen“, ergänzt Brzosa. Dabei hat es in den letzten 100 Jahren nicht an Ideen gemangelt, den Bahnhof und sein Umfeld sinnvoll zu nutzen. Mitte der 1920er Jahre wurden die Gleisanlagen für den Güterbahnhof Eller erheblich erweitert, mit dem Ziel, hier später einmal den Derendorfer Güterverschiebebahnhof hin zu verlegen. Der Plan wurde später indes verworfen und aufgegeben.

In den 1960er Jahren sollte Eller der zentrale Umschlagplatz für die Düsseldorfer Paketpost werden. Auch hieraus wurde nichts. Die Post errichtete ihr neues Verteilzentrum direkt neben dem Hauptbahnhof an der Worringer Straße. Zu Beginn der 1980er Jahre kamen Pläne auf, den Eller Bahnhof in einen riesigen Containerbahnhof umzuwandeln. Nicht zuletzt wegen des massiven Widerstands einer rührigen Bürgerinitiative, die vor allem den Erhalt der Naherholungsgebiete Unterbacher See und Eller Forst gefährdet sah, blieb auch der Containerbahnhof Eller lediglich nur ein Planspiel.

Vor dem Abriss bewahrt

Mit Eröffnung der S-Bahnlinie von Solingen nach Düsseldorf wurde 1980 das Bahnhofsgebäude an der Vennhauser Allee stillgelegt. Die Bahn verkaufte das im typischen Stil der Kaiserzeit errichtete Bahnhofsgebäude an die Stadt Düsseldorf. Dass der Eller Bahnhof noch bis heute weitgehend seine ursprüngliche Gestalt behalten hat, ist vor allem dem „Freundeskreis Kulturbahnhof Eller“ zu verdanken, der den Bahnhof vor dem Abriss bewahrte und seit 1982 zu einem beachtlichen Ausstellungszentrum für zeitgenössische Kunst umgestaltete. „Leider ist der Kulturbahnhof Eller in Düsseldorf nicht so bekannt, wie er es eigentlich verdient“, bedauert Ulrich Brzosa. „Schuld daran ist nicht die mangelnde Attraktivität des Ausstellungsprogramms, sondern die Abseitslage des Ausstellungsortes“, resümiert Brzosa.

Nach der Tieferlegung der Vennhauser Allee muss man die Zufahrt zum alten Bahnhof Eller erst einmal finden.

 
 

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