Bahn-Gewerkschaft fordert auch in Düsseldorf mehr Personal

Noch rollt in Düsseldorf der Schienenverkehr. Zustände wie im Mainzer Hauptbahnhof seien aber nicht undenkbar.
Noch rollt in Düsseldorf der Schienenverkehr. Zustände wie im Mainzer Hauptbahnhof seien aber nicht undenkbar.
Foto: Mathias Schmacher
Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) warnt nach dem Bahn-Chaos von Mainz auch in Düsseldorf vor Personalmangel rund ums Stellwerk in Düsseldorf. Schon jetzt würde die Belegschaft 36.000 Überstunden vor sich her schieben. Der Vorwurf: Die Deutsche Bahn hat zu viel Personal abgebaut.

Düsseldorf.. Nach dem Bahn-Chaos in Mainz hat die Bahntochter DB Netz deutschlandweite Probleme bei Stellwerken eingeräumt. Nicht nur der Mainzer Hauptbahnhof sei betroffen, sagte der Vorstandschef der DB Netz AG, Frank Sennhenn, am Montag im ARD-Morgenmagazin. „Wir haben bundesweit eine angespannte Situation, das ist richtig.“ Auch im Stellwerk Düsseldorf ist die Personalsituation nach Ansicht der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) höchst angespannt.

„36.000 Überstunden schieben die Beschäftigten im hiesigen Stellwerk vor sich her“, betont Jürgen Hoffmann, Geschäftsstellenleiter der EVG in Düsseldorf. Der Gewerkschaftler rechnet vor, dass die 273 Mitarbeiter des Stellwerks Unterstützung von 20 weiteren Kollegen bräuchten, um ihre Überstunden innerhalb von einem Jahr abzubauen. „Der Personalschlüssel ist ganz schön auf Kante genäht“, so Hoffmann.

Zugausfälle wie in Mainz möglich

Es sei keineswegs ausgeschlossen, dass Zugausfälle wie in Mainz auch in Düsseldorf eintreten könnten. Die Bahn wollte sich auf Nachfrage dieser Zeitung nicht zum Personalschlüssel in Düsseldorf äußern: „Alle Stellwerke arbeiten“, lautete der kurze Kommentar eines Sprechers.

Am Montag wurden indes die Probleme am Mainzer Hauptbahnhof noch größer. Bisher gab es abends und nachts Zugausfälle und Umleitungen. Die Einschränkungen gelten nun ganztätig und treffen Tausende Pendler. Der Grund: Fast die Hälfte der 15 Fahrdienstleiter im Mainzer Stellwerk sind krank oder im Urlaub.

Mitarbeiter aus dem Urlaub holen

Die Deutsche Bahn will Bahn-Mitarbeiter fragen, ob sie freiwillig aus dem Urlaub zurückkommen. Die EVG-Düsseldorf hält nichts von diesem Vorgehen: „Die Bahn hat jahrelang Personalabbau-Planungen betrieben statt Leute auszubilden und einzustellen. Der Altersdurchschnitt der Bahn-Mitarbeiter liegt bei 46 Jahren und jeder Vierte ist älter als 55 Jahre“, mahnt Hoffmann und fügt an: „Die Mitarbeiter brauchen ihre Ruhezeiten und Urlaub, sonst werden sie irgendwann krank.“

Denkbar sei für das Bahn-Management auch, Fahrdienstleiter aus anderen Bereichen zu schulen, damit sie in personell ausgedünnten Stellwerken aushelfen könnten. Einen Pool an erfahrenen Springern, die bei Personalengpässen aushelfen können, hält auch Gewerkschafter Hoffmann für sinnvoll.

Güterbahnhof in Neuss nicht besetzt

Ganz so dramatisch wie in Mainz sei es im Produktionsbereich Düsseldorf trotz aller Personalengpässe bisher noch nicht gewesen. Allerdings konnte im vergangenem Jahr zeitweise ein Güterbahnhof in Neuss nicht betrieben werden, weil nicht genügend Personal zur Verfügung stand, weiß Hoffmann zu berichten.

Die EVG hat unterdessen einen Krisengipfel mit der Bahnspitze gefordert. „Wir brauchen jetzt ein klares Signal, mehr Leute einzustellen“, sagte der EVG-Vorsitzende Alexander Kirchner. Für Mittwoch habe die Gewerkschaft deshalb ein Spitzengespräch mit dem Bahnvorstand und den Personalverantwortlichen aller Geschäftsbereiche gefordert. „Es ist nicht nur ein Mainzer Problem. Dieses Problem ist bundesweit und geht über alle Geschäftsfelder.“

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