Ausbrüche gefährlicher VRE-Bakterien treffen Uniklinikum Düsseldorf

Klaus Brandt
In der Düsseldorfer Uniklinik (hier der Fußgängereingang und das Verwaltungsgebäude) sind 2013 mehrfach gefährliche VRE-Bakterien ausgebrochen.
In der Düsseldorfer Uniklinik (hier der Fußgängereingang und das Verwaltungsgebäude) sind 2013 mehrfach gefährliche VRE-Bakterien ausgebrochen.
Foto: Sergej Lepke (Archiv)
Erst zwei Keimopfer in Duisburg, jetzt in Düsseldorf. Zwei Patienten, die sich im Universitätsklinikum Düsseldorf mit den gefährlichen VRE-Bakterien infiziert haben, sind verstorben. Die Todesursache soll nicht der Krankheitserreger sein, sagt die Uniklinik. Das NRW-Gesundheitsministerium prüft die Fälle.

Düsseldorf. Nach Ausbrüchen von Vancomycin-resistenten Enterokokken (VRE) im Universitätsklinikum Düsseldorf sind zwei der mit dem lebensgefährlichen Keim infizierten Patienten gestorben. Das bestätigte die Uniklinik Düsseldorf gestern auf Anfrage der WAZ.

Ein Zusammenhang zwischen der VRE-Erkrankung und den beiden Todesfällen werde „zum jetzigen Zeitpunkt ausgeschlossen“, hieß es in einer offiziell verbreiteten Mitteilung der Klinik. Unterdessen hat sich das NRW-Gesundheitsministerium eingeschaltet und „prüft die Umstände der Fälle“, so ein Sprecher.

Infektionen "unverzüglich an das Gesundheitsamt gemeldet"

Der Uniklinik zufolge sind die besonders für alte und schwache Menschen sowie für Krebspatienten lebensbedrohenden Keime in kurzen Abständen ausgebrochen. Im ersten Halbjahr 2013 sei es „zweimal zu kurzfristigen Häufungen von VRE-Infektionen“ gekommen.

In einem Fall habe es sich um drei Harnwegsinfektionen gehandelt, im zweiten Falle um vier Wundinfektionen nach operativen Eingriffen. Alle Infektionsfälle seien „unverzüglich an das Gesundheitsamt gemeldet und sofort umfassend therapiert“ worden, heißt es.

Uniklinik bestätigt Tod zweier Patienten

Nach Angaben der Klinik traten die drei Harnwegsinfektionen mit VRE zwischen Januar und März 2013 auf. Die VRE-Erreger hätten sich „bei genauerer Untersuchung (genetischer Fingerabdruck) als so unterschiedlich“ erwiesen, „dass eine Übertragung mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen“ gewesen sei. Vermutlich habe es sich „um eine zufällige Häufung von Harnwegsinfektionen durch VRE“ gehandelt, „die die Patienten ins Klinikum mitgebracht hätten“.

Die Wundinfektionen mit dem gefährlichen Krankheitserreger seien im Mai und Juni 2013 aufgetreten. Sie hätten vier Patienten getroffen, „die wegen schwerer Grundkrankheiten in der Chirurgischen Klinik operiert werden mussten“. Für die VRE-Infizierten hätte „allgemein ein erhöhtes Risiko einer Wundinfektion“ bestanden, sagt die Uniklinik. Sie bestätigt: Zwei der Patienten sind inzwischen verstorben.

Klinik schließt Zusammenhang zu VRE-Infektionen aus

Ein Zusammenhang zwischen den VRE-Infektionen und den beiden Todesfällen schließe die Klinik „aufgrund der zum jetzigen Zeitpunkt vorliegenden Informationen“ aus. „Nach den derzeitigen Kenntnissen“ seien die Verstorbenen „ihrem schweren Grundleiden“ erlegen.

Bei den vier Patienten mit Wundinfektionen sei ebenfalls ein genetischer Fingerabdruck der VRE-Erreger angefertigt worden. Das Ergebnis: Die Erreger hätten sich als nahe verwandt herausgestellt. „Eine Übertragung ist in diesem Falle nicht auszuschließen, aber auch nicht bewiesen“, sagt die Uniklinik.

Arbeitsabläufe in Klinik analysiert

Die Arbeitsabläufe in der Chirurgischen Klinik seien analysiert worden. „Bisher fanden sich keine Schwachstellen, die bei den vier betroffenen Patienten auf eine VRE-Übertragung hinweisen“, hieß es am Dienstagabend.

„Den geschilderten Sachverhalt“ prüft jetzt das NRW-Gesundheitsministerium. Es will sich „die Umstände der Fälle“ anschauen – „zunächst gemeinsam mit den zuständigen nachgeordneten Behörden“, wie dem Landeszentrum Gesundheit NRW und dem Düsseldorfer Gesundheitsamt. Dabei soll “insbesondere das Hygienemanagement des Krankenhauses selbst“ auf den Prüfstand kommen.

Das Universitätsklinikum Düsseldorf (UKD) ist das medizinische Versorgungszentrum für die Städte Düsseldorf, Remscheid, Solingen und Wuppertal sowie den Kreis Mettmann. Es ist der größte Anbieter stationärer und ambulanter Leistungen in der Landeshauptstadt Düsseldorf und verfügt über ein umfassendes medizinisches Fächerspektrum.

Die Einrichtung versammelt 30 Kliniken und 30 Institute. Jährlich werden fast 50.000 Fälle stationär in der Düsseldorfer Uniklinik behandelt. Die Ambulanzen zählen pro Jahr mehr als 160.000 Patienten. Für die stationären Behandlungen betreibt das Klinikum 1180 Betten.

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