Aufgeheizte Stimmung im Düsseldorfer Osten

Etwa 600 Bürger aus Hubbelrath, Ludenberg, Knittkuhl und Gerresheim nahmen Dienstagabend an einer Bürgerversammlung zur geplanten Unterbringung von Flüchtlingen im Düsseldorfer Osten teil.
Etwa 600 Bürger aus Hubbelrath, Ludenberg, Knittkuhl und Gerresheim nahmen Dienstagabend an einer Bürgerversammlung zur geplanten Unterbringung von Flüchtlingen im Düsseldorfer Osten teil.
Foto: NRZ
Emotionen kochten am Dienstag Abend hoch bei einer Bürgerinfo mit Oberbürgermeister Thomas Geisel zur Flüchtlings-Unterbringung in den Düsseldorfer Stadtteilen Hubbelrath und Ludenberg.

Düsseldorf..  Es war das erste Mal, dass sich Oberbürgermeister Thomas Geisel (SPD) bei einer Bürgerveranstaltung zum Thema Flüchtlingsunterbringung in Düsseldorf stellte: Etwa 600 Personen folgten seiner Einladung gestern Abend ins Gymnasium am Poth in Gerresheim. Bei dieser mehrstündigen Veranstaltung lieferten Geisel, zwei seiner Dezernenten, Flüchtlinsgbeauftragte Miriam Koch und weitere Vertreter städtischer und privater Einrichtungen Informationen und beantworteten Fragen der zumeist besorgten Bürger. Die Emotionen kochten dabei hoch, immer wieder gab es teils unqualifizierte Zwischenrufe, der Stadtverwaltung wurde unterstellt, sie würde bei ihren Informationen „lügen“. Deutlich wurde bei fast allen Statements oder Fragen der Bürger: Im Düsseldorfer Osten, wo vor allem in Hubbelrath und Ludenberg Bürgerkriegsflüchtlinge untergebracht werden sollen, sind diese Menschen nicht erwünscht. Perfide dabei: Die Düsseldorfer auf dem „Millionärshügel“, der im Bereich Gallberg am Gerresheimer Krankenhaus beginnt und sich hoch bis Hubbelrath zieht, wollen keine Flüchtlinge. Selbstverständlich wurden die Ablehnungen fast immer mit den einleitenden Worten „Ich bin nicht fremdenfeindlich, aber...“ oder „Ich habe nichts gegen Ausländer, aber...“ begonnen.

Zu Beginn stellte OB Geisel die Planung für den Stadtbezirk 7 vor:
- In leerstehenden Gebäuden der Bergischen Kaserne in Hubbelrath will das Land eine Erstaufnahmestelle für etwa 600 Bürgerkriegsflüchtlinge einrichten (NRZ von gestern). Die Menschen werden hier registriert, gesundheitlich gecheckt, beraten und bereits nach zwei bis zehn Tagen auf andere NRW-Städte verteilt.
- An der Blanckertzstraße in Ludenberg, einer Nebenstraße der Bergischen Landstraße, wird nahe des Senioren- und Pflegezentrums Gallberg und des Rewe-Marktes von der Stadt auf einer Grünfläche ein Containerdorf für bis zu 200 Flüchtlinge eingerichtet. Das hat hohe Priorität.
- Sollte weiterer Bedarf bestehen, entsteht Am Bongard in Ludenberg, wenige hundert Meter Luftlinie entfernt von der Blankertzstraße ebenfalls in einer Seitenstraße der Bergischen Landstraße, ein weiteres Containerdorf für bis zu 200 Menschen.
- Die Stadt prüft, ob leerstehende Gebäuden der LVR-Klinik an der Bergischen Landstraße in Gerresheim zur Unterbringung von Flüchtlingen genutzt werden können

Der Standort Blanckertzstraße wurde unter anderem wegen der unmittelbaren Nähe zum Alten- und Pflegeheim abgelehnt. „Das ist kein Ausschlusskriterium, im Gegenteil“, so der OB, schließlich sind etwa ein Drittel der Flüchtlinge Kinder, das sei eine Bereicherung. Mit Blick auf die Senioren fügte eine Bürgerin hinzu: „Lieber mit Kindern spielen als Entchen füttern...“

Der Standort Am Bongard, der nicht höchste Priorität hat, wurde von Bürgern unter anderem wegen denkmalgeschützter Umgebung und aus Naturschutzgründen in Frage gestellt. Die Stadt teilte aber mit, dass es seit Herbst vereinfachte Voraussetzung für den Bau von Flüchtlingsunterkünften gibt.

Viele Anwohner kritisierten die aus ihrer Sicht überdimensionierte Unterbringung von 200 Menschen. Außerdem solle man Flüchtlinge nicht in Ludenberg am Stadtrand konzentrieren.

OB Geisel betonte, dass es der Stadt am liebsten wäre, möglichst viele Flüchtlinge in Wohnungen unterzubringen. Aufgrund rasant steigender Zuweisungszahlen habe die Stadt aber nicht genügend Wohnbestand. Daher werden in allen Stadtteilen Standorte für Containerdörfer gesucht. mehr als 200 Menschen sollen pro Standort aber nicht untergebracht werden.

Wichtiger Aspekt: Hans-Joachim Kensbock-Rieso, Leiter der Polizeiinspektion Nord sagte, dass es in der Umgebung von Erstaufnahmestelle in anderen Städten und auch in der Umgebung von Flüchtlingsunterkünften keine negative Kriminalitätsentwicklung gibt.

Derzeit leben in Düsseldorf 2250 asylsuchende Menschen, bis Ende des Jahres wird sich die Zahl auf etwa 5000 mehr als verdoppeln.

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