Am Cello durfte sich das Kind austoben

Julian Steckel hat zu tun. Es ist 19 Uhr, er sitzt am Cello und spielt Schumann. Übungszeit. Steckel lässt sich trotzdem stören. Unterbrechungen findet er nicht schlimm, „ich bin ein ökonomischer Über: wenig und effektiv.“. Und überhaupt, der Abend gehört ihm. Ausnahmsweise ist der 30-Jährige nicht auf Tour, sondern bei seinen Eltern in Pirmasens – später will er entspannen, vielleicht in die Sauna. Ein seltener Luxus. Spätestens seit dem Doppel-Sieg beim ARD-Musikwettbewerb 2010, wo er neben dem ersten Preis den Publikumspreis erhielt, ist Julian Steckel einer der gefragtesten Cellisten seiner Generation. Und das verschlingt jede Menge Zeit.

Eine Fahrt nach Düsseldorf steht bevor, hier tritt der Musiker am Wochenende in der Tonhalle auf. Bei den Sinfoniekonzerten spielt er Dvoraks Cellokonzert. Mit dabei ist Dirigent Daniel Raiskin, der am Pult der Düsseldorfer Symphoniker steht. Steckel und er sind ein bewährtes Team. Für die Einspielung des „Cello Concertos“ erhielten sie im vorigen Jahr den „Echo Klassik“.

Dvorak ist Freitag. Soeben hat Steckel Robert Schumann gespielt, „Fünf Stücke im Volkston“. Der junge Musiker lacht: „Das passt doch. Schumann ist ja Düsseldorfer.“ Steckel kennt die Stadt von vorherigen Auftritten, zuletzt war er 2008 im Rahmen des Schumann-Festes am Rhein. Er hat hier Freunde, am Wochenende will er unbedingt japanisch essen gehen: „Ich esse so viel und so gut wie möglich.“ Er freut sich auf den Kurztrip. „Düsseldorf ist eine wahnsinnig angenehme Stadt mit einer extrem hohen Lebensqualität.“

Lebensqualität ist so ein Stichwort. Darauf hat Steckel immer Wert gelegt. Wobei sein Weg zum Erfolg gradlinig war. „Als klassischer Musiker braucht man einen wahnsinnig langen Atem. Man muss als Kind beginnen, die meisten sind erst im hohen Alter am Ende ihrer Entwicklung angelangt. Bei mir ist das noch lange nicht erreicht.“

Er wurde in eine Musikerfamilie hinein geboren: der Vater Dirigent in Pirmasens, die Mutter „die Klavierlehrerin der Region“. Als Kind ging Julian mit zu Konzerten, zu Bachs H-Moll-Messe etwa, durfte lange aufbleiben und erlebte den Applaus. Die Entscheidung für das Cello fiel mit fünf. Ein Cello gab es in der Familie noch nicht, am Cello konnte sich das lebhafte Kind austoben. Der Beginn einer Leidenschaft. „Für mich ist es das schönste Instrument. Es hält was aus. Und man kann sehr gut Stimmungen ausdrücken.“

Mit acht gewann Steckel das erste Mal „Jugend musiziert“. Mit 15 ging es richtig los. „Ich habe ganze Nächte durchgespielt – oft bin ich morgens früher aufgestanden und habe vor der Schule geübt.“ Er kam ins Bundesjugendorchester, wo er Freunde fand. „Die konnten richtig gut feiern“, erzählt er. Mit 16, 17 gewann er internationale Wettbewerbe. Nach dem Studium in Saarbrücken ging er nach Berlin, wo er immer noch lebt. Hier studierte er bei Boris Pergamenschikow, später wurde Heinrich Schiff sein Lehrer.

Er wollte bei Olympia laufen

Inzwischen konzertierte Steckel mit dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, den Rundfunk-Sinfonieorchestern Berlin, Stuttgart, Saarbrücken, Kopenhagen, Warschau und mit dem Orchestre de Paris. Er trat mit Lars Vogt auf, mit Christian Tetzlaff, Antje Weithaas und Isabelle Faust. Seit 2011 unterrichtet er als Professor für Violoncello an der Hochschule für Musik und Theater in Rostock.

Klingt beeindruckend. Steckel winkt ab. Wenn er über sein Leben spricht, hört es sich an, als sei ihm alles zugeflogen. Aber so ist es natürlich nicht. „Man braucht Talent, Fleiß, Disziplin und Glück.“ Zwei Dinge haben übrigens nicht geklappt. Eine Karriere als Leichtathlet scheiterte, obwohl Steckel ein guter Läufer war und mit 20 bei den Olympischen Spielen antreten wollte, eigentlich. Und auch das Klavierspielen hat er nie richtig gelernt. „Meine Mutter hat versucht, es mir beizubringen. Und das konnte ja nur schiefgehen.“

 
 

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