Am Anfang war die Ey

Das Straßenschild einer kleinen Gasse in der Altstadt, eine Skulptur im Spee’schen Park, ein buntes Porträt an einer Häuserfassade - die Kunststadt Düsseldorf erinnert eher versteckt an ihre bekannte Ehrenbürgerin Johanna Ey. Die aus einfachen Verhältnissen stammende Frau, die zunächst eine Kaffeestube betrieb und dort Kunststudenten bewirtete, wurde später eine bekannte Kunsthändlerin und Mäzenin. Die „Mutter Courage der Moderne“ würde in diesem Jahr 150 Jahre alt.

Johanna Ey wurde am 4. März 1864 im niederrheinischen Wickrath bei Mönchengladbach geboren. Als 19-Jährige kam sie nach Düsseldorf. Sie war verheiratet und hatte zwölf Kinder, von denen acht jung starben. Nach ihrer Scheidung eröffnete sie 1910 in der Nähe der schon damals renommierten Düsseldorfer Kunstakademie eine Kaffeestube, die sich zum Treffpunkt von Schauspielern, Journalisten, Musikern und Malern entwickelte.

Das Essen war gut und preiswert und man konnte bei „Mutter Ey“ auch trefflich über Kunst diskutieren. „Sie bot den Künstlern in wirtschaftlich und sozial schwierigen Zeiten einen Diskursraum für Kunst und Politik“, heißt es in einer kunsthistorischen Arbeit über sie. Und wenn einer ihrer Gäste die aufgelaufene Zeche nicht bezahlen konnte, dann nahm sie schon mal ein Bild als Zahlungsmittel an. So wurde aus der Kaffeestube bald schon ein kleines Museum.

Während des Ersten Weltkrieges reifte in ihr die Entscheidung, eine Kunsthandlung für die „Düsseldorfer Malerschule“ zu eröffnen. 1916 war es so weit. Ausgeprägte Kenntnisse von Kunstgeschichte oder Malerei hatte Ey nicht, sie vertraute ihrem gesunden Menschenverstand und kam an. Schon ein Jahr nach Kriegsende wurde die Galerie unter dem Namen „Junge Kunst - Frau Ey“ zum Mittelpunkt der Künstlergruppe „Das Junge Rheinland“ um später so berühmte Maler wie Otto Pankok, Otto Dix, Max Ernst, Karl Schwesig oder Gert Heinrich Wollheim.

Mit den allermeisten Künstlern war Johanna Ey befreundet. Sie gab Porträts von sich in Auftrag und entlohnte die Maler dafür, die das Geld dringend brauchten. 100 solcher Porträtbilder befinden sich heute in der Sammlung des Düsseldorfer Stadtmuseums. Nicht zuletzt durch diese Porträts und Gruppenbilder wurde die kleine und dralle Kunsthändlerin berühmt.

Ab 1926 zeigte sie in Ausstellungen erfolgreich auch Bilder etwa von Max Ernst, Paul Klee und Pablo Picasso. Doch mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 galten praktisch alle Maler aus dem Umkreis von Mutter Ey als „entartet“. Boykottaufrufe der Nazis hingen an den Fenstern ihrer Galerie, die meisten ihrer Bilder wurden beschlagnahmt, viele auch zerstört. Ein Jahr später gab die resolute Frau die Galerie auf.

Wie sie den Zweiten Weltkrieg überstand, liegt im Dunkeln. Zwei Jahre vor Kriegsende floh die damals schon 79-Jährige vor den Bombenangriffen nach Mayen und später nach Reinbek, um 1945 nach Düsseldorf zurückzukehren. Ein Jahr später schon gründete sie die „Mutter Ey GmbH“ und wurde Ehrenbürgerin der Stadt.

Engel mit Geldscheinen

Auf ihrem 83. Geburtstag, den sie mit befreundeten Malern wie etwa Robert Pudlich und Otto Pankok feierte, zeigte sie Bilder von sich. Wollheim stellte sie als Landesmutter mit Krone dar, Dix ließ sie als dicken Engel mit Geldschein durch die Lüfte schweben. Ein halbes Jahr später, am 27. August 1947, starb Mutter Ey, ohne an ihre Erfolge zwischen den Weltkriegen anknüpfen zu können. Sie ist in einem Ehrengrab auf dem Nordfriedhof der NRW-Landeshauptstadt bestattet.

Was erinnert heute in Düsseldorf an die berühmte Kunsthändlerin? Eine kleine Straße in der Altstadt, eine Skulptur im Park hinter dem Stadtmuseum und ein Porträt auf einer Hauswand. Ein Hotel in der NRW-Landeshauptstadt hat einen Tagungsraum nach ihr benannt, ein Heimatverein verleiht regelmäßig an couragierte Mitbürgerinnen die Johanna Ey-Medaille und im Stadtmuseum gibt es ein nach ihr benanntes Café Ey.

 
 

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