Als Rikscha-Fahrerin durch Düsseldorf

Foto: Uwe Schaffmeister

Düsseldorf.. In einer Rikscha können Besucher Düsseldorf auf die langsame Tour kennenlernen, mit zehn Stundenkilometern Höchstgeschwindigkeit. NRZ-Mitarbeiterin Maria Wigbers trat selbst in die Pedale und kutschierte Rikscha-Fahrer Manfred Grimpe.

Die Fahrer, die zum ersten Mal auf einer Rikscha sitzen, kann man in zwei Typen unterteilen. Die erste Gruppe fährt sofort los. Die zweite Gruppe wackelt mit dem Lenker und läuft Gefahr, das 1,50-Meter breite Gefährt gegen einen Fußgänger oder einen Baum zu lenken. „Sie können nicht umfallen“, ruft mir der Rikscha-Fahrer Manfred Grimpe zu, als er feststellt, dass ich eindeutig zur letzteren Gruppe gehöre.

Seit 2007 fährt Grimpe professionell Rikscha. Damals kam er von einer langen Reise auf dem Fahrrad zurück und wollte den „Sport mit dem Geldverdienen verbinden“. Über 3000 Gäste haben es sich seitdem auf den roten Kissen zwischen Sonnenblumen bequem gemacht und sich von dem sympathischen Fahrer im roten Trikot die schönsten Seiten der Stadt zeigen lassen.

Rettender Sprung zur Seite

Eine davon ist sicherlich die Königsallee, wo meine Tour mit Grimpe startet. Der Rikscha-Fahrer soll heute in den Genuss kommen, auch einmal Fahrgast zu sein. Mein Gleichgewichtssinn funktioniert beim ersten Versuch auf Grimpes Gefährt etwa so gut wie damals beim Start auf meinem pinken Dreirad – und der endete mit Tränen. Zum Glück merken die anderen Verkehrsteilnehmer auch schnell, dass ich ein Anfänger bin und springen zur Seite.

Weil eine neue Rikscha gut 6000 Euro kostet, übernimmt Grimpe die Strecke bis zum Hofgarten doch wieder selber. Wir ziehen mit zehn Kilometer pro Stunde vorbei an Cartier, Vuitton und Swarovski. Sicher lenkt der 43-Jährige das Gefährt, laut Straßenverkehrsordnung ein Fahrrad, an den engen Bauzäunen vorbei.

Im Hofgarten angekommen, übernehme ich wieder. Das Fahren zwischen grünen Wiesen, Kastanien und Schwänen scheint mir mehr zu liegen. Grimpe traut sich auf den Rücksitz und kommt ins Erzählen. Von dem Ehepaar, das sich zur diamantenen Hochzeit von ihm mit Zylinder kutschieren ließ oder davon, wie er einmal als Umzugshelfer eine 1,40-breite Matratze auf der Rikscha transportierte. Aber auch von den harten Monaten im Winter, wenn er manchmal stundenlang frierend auf Gäste wartete.

Früher drei, heute zehn Fahrer in der Stadt

Als Grimpe anfing, gab es nur drei Rikscha-Fahrer in der Stadt, jetzt sind es zehn. Diese Konkurrenz macht sich im Umsatz bemerkbar. Im Sommer ist Grimpe an sieben Tagen bis zu 60 Stunden unterwegs. „Ich spare für eine Tour auf Perus höchsten Anden-Pass im Winter“, erzählt der braun gebrannte Fahrer voller Vorfreude.

Grimpe hat den Wechsel vom Rezeptionisten in einem Hotel zum Rikscha-Fahrer nie bereut. Vor allem weil „die Gäste Zeit mitbringen“ – er hört die Geschichten gerne, die sie ihm erzählen. Wir kommen an einem abgedunkelten Bus vorbei, der Stadtrundfahrten anbietet, der Fahrer hinterm Steuer liest gelangweilt Zeitung. Grimpe dagegen kommt mit seinen Kunden schnell ins Gespräch.

Nur der Schwan steht im Weg

Zurück in den Hofgarten, ein Schwan stellt sich uns in den Weg. Die Fahrt ist vorbei: „Ich nehm’ alles zurück, Du könntest sofort bei mir anfangen“, grinst Grimpe mich an. Auch aus Typ zwei kann also noch was werden...

Nähere Informationen unter www.triumvirad.de oder unter der Telefonnummer 0176-50431767. Eine gebuchte Stunde kostet 38 Euro; eine spontane Fahrt für eine Stunde 28 Euro.

 
 

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