Als Jacques Tilly Pionierarbeit leistete

Von Oliver Schaal

Flingern.  Einst leistete er selbst Pionierarbeit in einem alles andere als „typisch männlichen“ Beruf: Von 1982 bis 1983 verrichtete Jacques Tilly seinen Zivildienst bei der Arbeiterwohlfahrt (Awo) in der gerade neu ins Leben gerufenen Schulsozialarbeit. Danach avancierte er zum Künstler, machte sich einen Namen als Illustrator, Bildhauer und natürlich als der wohl frechste Karnevalswagenbauer im Lande.

Zivi im Haus Oberbilk

„Ich war der erste männliche Zivi der Awo in diesem Bereich“, erinnert sich Tilly an seinen damaligen Ersatzdienst. Im einstigen „Haus Oberbilk“ an der Oberbilker Allee betreute er Schüler, half bei Hausaufgaben und anderen Problemen rund um den (Schul-)Alltag.

Knapp 30 Jahre später sitzt Tilly im Berufsbildungszentrum der Awo am Flinger Broich und wirbt für den „Boys‘ Day“, der am 25. April Jungs Berufe näher bringen soll, die eher „geschlechtsunspezifisch“ sind, also vornehmlich von Frauen ausgeübt werden. Am selben Tag lernen Mädchen wiederum unter dem Titel „Girls’ Day“ Berufe kennen, die als klassische Männer-Domänen gelten.

Tilly will helfen, das klassische Denken in typischen Geschlechter-Rollen – und eine dadurch bedingte Berufswahl – aufzubrechen. „Ich finde das Projekt sehr in Ordnung“, sagt er. „Zumal ich selbst zwei Söhne im Alter von 12 und 14 Jahren habe und wir auch über die Berufswahl sprechen und schauen, was da realistisch ist.“

Der 49-Jährige wirbt aber nicht nur für den „Boys’ Day“, er packt auch tatkräftig in der Awo-Werk-statt mit an: „Ich werde zeigen, was ein Illustrator eigentlich macht.“ Gemeinsam mit Schülern wird er Großplastiken und Dekorationen in Blumenform bauen. Was zunächst eigentlich nach einem typischen „Männer-Job“, klingt.

Dem ist aber nicht so, klärt Tilly auf. „In meinem Team, mit dem ich sonst arbeite, habe ich zehn bis zwölf Leute – fast alle sind Frauen“, betont er. „Meine Tätigkeit ist eben kein typisches Berufsfeld für Jungen.“ Ihm gehe es dabei nicht darum, das von der Awo dargestellte Vorbild zu sein: „Ich will einfach den Horizont der Jungs erweitern.“

Dies sei auch das Anliegen der Awo über den „Boys Day“ hinaus, sagt Kreisgeschäftsführer Michael Kipshagen: „Studien belegen, dass Jungs heute in Schulen die Bildungsverlierer sind. Das hat auch mit klassischen Männlichkeitsbildern zu tun. Wir wollen mehr Männer in Erziehungsberufe bringen. Dort können sie Vorbilder sein und ein anderes Rollenbild vorleben.“