Als die Medaillenübergabe bei Olympia einer Beerdigung glich

Sabine Evertz im Olympia-Einsatz.
Sabine Evertz im Olympia-Einsatz.
Die Düsseldorfer Leichtathletin Sabine Thomaskamp, frühere Evertz, nahm an den Olympischen Spielen in Los Angeles und 1988 in Seoul im Siebenkampf teil. In den USA holte sie sogar Bronze. Heute lebt die 51-Jährige in Dormagen.

Düsseldorf.. Olympia – das ist auf den ersten, oberflächlichen Blick derselbe stets im Vier-Jahres-Rhythmus ablaufende Kampf um Medaillen und Platzierungen. Jede Olympischen Spiele sind aber auch anders als die vorherigen, haben ihren eigenen Reiz, ihren eigenen Charme. Drei große Kontrastpunkte setzten etwa die Olympischen Sommerspiele in den 80er Jahren. Die Wettbewerbe 1980 in Moskau wurden aus politischen Gründen von zahlreichen westlichen Nationen boykottiert – darunter auch die Bundesrepublik. Die damit vielen Sportlern die Chance zur Realisierung eines Lebenstraumes nahm.

Vier Jahre später „revanchierte“ sich der einstige Ostblock, trat nicht bei Olympia in Los Angeles an. Noch einmal vier Jahre später fanden die beiden rivalisierenden Polit-Blöcke den Weg nach Seoul. Die Spiele dort setzten wiederum einen kulturellen Kontrastpunkt.

Eine, die all‘ diese sportlichen „Wirren“ hautnah erlebte, ist Sabine Everts. Die Düsseldorfer Leichtathletin galt für die französische Sportzeitung L’Equipe Anfang des Jahrzehnts gar als royale Größe. „Eine Königin. Sabine Everts verkörpert die Jugend auf schönste Weise.", schrieb das weltweit angesehene Fachblatt.

Vom Boykott gezeichnet

Wahrhaft königliche Leistungen lieferte Sabine Everts auch 1984 in LA. „Das waren meine ersten Spiele“, erinnert sich die heute 51-Jährige, die mittlerweile mit ihrem Mann, dem Leichtathletik-Trainer Hans-Jörg Thomaskamp unter dessen Namen in Dormagen lebt. „Eigentlich war ich schon für 1980 nominiert. Aber die Spiele fielen für uns wegen des Boykotts leider aus.“

Auch die Wettkämpfe in den USA waren vom Boykott gezeichnet. „Es war irgendwie eine kleine, sportliche Erleichterung, dass der Ostblock nicht dabei war“, sagt sie heute. Damals lieferte sich die Athletin einen packenden Dreikampf mit der Australierin Glynis Nunn und der favorisierten US-Amerikanerin Jackie Joyner-Kersee. Letzten Endes wurde Sabine Everts Dritte.

Haften blieb davon ein kurioses Bild bei der Medaillenübergabe. „Ich hatte Verletzungsprobleme, war sehr glücklich mit Bronze“, sagt sie. „Glynis Nunn gewann überraschend Gold. Die weinte bei der Siegerehrung so viel, da konnte ich nur mitheulen – trotz des dritten Platzes. Das sah aus wie bei einer Beerdigung“, lacht Sabine Thomaskamp heute über diesen Olympischen Moment.

In Erinnerung blieben vor allem die Begegnungen abseits der Wettkämpfe: „Im Olympischen Dorf kommt im wahrsten Sinne des Wortes die Jugend der Welt zusammen. Und das auf komprimiertem Raum. Da begegnet man riesengroßen Basketballern und kleinen Turnern. Man lernt das Staunen – und den Respekt.“

Zusammengepfercht in einem Block

Auch die politischen Besonderheiten der Olympiade 1984 prägten. „In Los Angeles waren die Athletenviertel unterteilt. Drei, vier Nationen lebten immer zusammengepfercht in einem Block. Zudem gab es strenge Sicherheitsvorkehrungen. Das war spannend, aber auch komisch“, erzählt die einstige Siebenkämpferin. Und fügt schmunzelnd an: „Und es gab ständig nur Cola, kein Wasser. Das war schrecklich!“

Einen ganz anderen, aber dennoch reizvollen Kontrast boten die Sommerspiele 1988 im südkoreanischen Seoul. Unabhängig davon, dass die Athletin mit unerträglichen Ischiasschmerzen nach dem Kugelstoßen verletzt aufgeben musste – es war ihr letzter Siebenkampf.

„Der Unterschied zu Los Angeles lag in der Umgebung. In den USA war die Natur überwältigend. Etwa die Wellen und die Brandung am Long Beach“, erinnert sich Sabine Thomaskamp. „In Seoul war die Stadt an sich faszinierend. Auch das Olympische Dorf war wie eine riesige Stadt angelegt, wirkte daher wie eine echte Olympische Stadt. Und die asiatische Kultur ist natürlich gänzlich anders. Da habe ich viele Eindrücke mitgenommen.“

 
 

EURE FAVORITEN