Alle tragen Renés Rückennummer

Oberbilk..  Es war alles anders bei diesem Freundschaftsturnier von SC Viktoria Anrath, BV 04 und dem Gastgeber SV Oberbilk. Die Stimmung am Seeheimer Weg seltsam gedrückt, kaum einmal ein Lachen ist zu hören. Jeder Spieler, jeder der knapp 500 Zuschauer weiß: Es geht hier nicht so sehr um den Sport. Es geht um einen der Ihren, einen Kameraden und Freund, um dessen Schicksal sie eine Woche lang gebangt hatten. So lange hatte es gedauert, bis Spürhunde den Vermissten tot in einem Hofgarten-Weiher gefunden hatten.

„Wir wissen immer noch nicht, was passiert ist. Wir wussten nur, dass wir etwas tun müssen. So sind mein Co-Trainer Marco Danz und ich auf die Idee zu einem Benefizturnier gekommen“, erläutert SV-Trainer Frank Hecktor. Und er gibt auch zu, dass die Vorbereitung des Turniers ihm auch geholfen habe, mit der tragischen Situation zurecht zu kommen. „René hat zwar erst seit Anfang dieser Saison bei uns gespielt, sich aber sofort als Führungsspieler etabliert. Er war Ansprechpartner und Vertrauensperson für jeden“, so Hecktor. Die Mannschaft läuft in schwarzen Trikots auf, alle mit der Nummer 6, Renés Rückennummer. Und sie sind sicher, sagt Hektor, dass ihr defensiver Mittelfeldspieler heute bei ihnen ist. „Er schaut uns bestimmt gerade zu.“

Es ist ein besonders bitterer Tag auch für Stefan Röhrnbeck. René und er waren beste Freunde. Sie gingen zusammen in den Kindergarten, waren zusammen in der Schule. Gemeinsam haben sie mit Fußball angefangen, damals beim SC Viktoria Anrath in Neuss, und zusammen standen sie seit Saisonbeginn als Stammspieler in Hecktors Aufgebot.

Röhrnbeck war es auch, der federführend eine Suchaktion im Internet organisierte, wie sie Düsseldorf bislang noch nie erlebt hatte. Röhrnbeck und das Oberbilker Fußballteam nutzten sämtliche sozialen Netzwerke, um René wiederzufinden, der am 10. Januar nach einer Feier in Anrath mit Freunden in die Altstadt gewollt hatte, und den die Clique unterwegs aus den Augen verloren hatte. Und auch persönlich machte er sich zusammen mit seinen Mannschaftskameraden auf die Suche nach dem Freund, der wohl noch in der selben Nacht ums Leben gekommen war. Zeugen haben sich bislang nicht gemeldet, was in der Nacht genau geschah, ist ungewiss.

Der Tag des Benefizturniers war Stefan Röhrnbergs 27. Geburtstag. „Bei der Schweigeminute kam alles noch mal hoch. Da musste ich echt kämpfen“, sagt er. Er ist sich sicher, dass der Sport ihm hilft, die Trauer um seinen Freund zu verarbeiten und gleichzeitig die Erinnerung an ihn hoch zu halten. „Ich habe René immer zum Training abgeholt. Jetzt alleine fahren zu müssen, ist schon seltsam. Ich denke aber, dass es in seinem Sinne ist, weiterzuspielen. Schließlich wollten wir zusammen aufsteigen“, sagt Röhrnbeck.

Die spontane Bereitschaft, etwas für die Familie von René K. zu tun, war überwältigend. Der BV 04 hatte seine Teilnahme am Benefizturnier spontan von selbst angeboten, und auch der SC Viktoria Anrath, bei dem mit Fabian Ix ebenfalls ein guter Freund des Verunglückten aktiv ist, kam aus eigenem Antrieb. Auch aus anderen Vereinen, wie dem SV Lierenfeld, VfL Benrath oder Eller 04 kamen Spieler und Funktionäre zum Turnier in Oberbilk, sie bekundeten Beileid, und viele hatten auch eine Spende für Renés Familie dabei. Die Fußball-Familie rückte in der Tragödie enger zusammen.

Das spürt auch die Mannschaft des SV Oberbilk. „Jeder passt jetzt besser auf den anderen auf. Man erkundigt sich öfter, wie es dem anderen geht. Viele von uns sind in den letzten Wochen reifer, menschlicher und erwachsener geworden. Und über allem schwebt die Frage, was genau passiert ist“, so Hecktor.

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