Ärzte sind Mangelware

Arzt Michael K. und die Vermittlerin Catherine Angcaya in der Agentur DrMedLoc.Sie vermittelt medizinische Fachkräfte. Foto: Kai Kitschenberg / WAZ FotoPool
Arzt Michael K. und die Vermittlerin Catherine Angcaya in der Agentur DrMedLoc.Sie vermittelt medizinische Fachkräfte. Foto: Kai Kitschenberg / WAZ FotoPool
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Düsseldorf.. 12 000 Ärzte fehlen in NRW, etwa drei pro Krankenhaus, Tendenz steigend, so die erschreckende Bilanz der Krankenhausgesellschaft. Während der Ärztemangel den Kliniken zu schaffen macht, beflügelt er eine andere Branche. Vermittlungsagenturen für medizinisches Fachpersonal erleben einen Boom. Darunter die Düsseldorfer Agentur DrMedloc.

Mit der Mangelware „Arzt“ lässt sich Geld verdienen. Schlechte Bezahlung und Überstunden treiben immer mehr Mediziner in die Selbstständigkeit. Sie arbeiten als Honorarärzte auf eigene Rechnung. Die Arbeitsangebote bekommen sie über ihre Agentur. Die Vermittlungspauschale zahlt das Krankenhaus.

„Die Kliniken haben die Wahl: entweder sie haben kein Personal, müssen Abteilungen schließen und gehen in Insolvenz oder sie investieren in Honorarärzte“, erklärt Catherina Angcaya. Die 35-Jährige gründete 2009 in Düsseldorf ihre Agentur DrMedLoc.

„Noch bin ich jung
und kann das verkraften“

Mit ihren fünf Mitarbeitern betreut sie etwa 400 „Honorarärzte“, die sie an Kliniken im gesamten Bundesgebiet vermittelt, schwerpunktmäßig aber in NRW. Einer davon ist Michael K, Assistenzarzt für Innere Medizin in einem Krankenhaus bei Düsseldorf. An seinen freien Wochenenden arbeitet der 32-Jährige auf Honorarbasis in anderen Kliniken. Seine Erklärung für den freiwilligen Freizeitverzicht: „Noch bin ich jung und kann das verkraften.“ Es sei eine Herausforderung, immer wieder in neuen Krankenhäusern zu arbeiten. Geld spielt natürlich auch eine Rolle. Rund 1200 Euro Brutto bekommt Michael K. als Freiberufler für einen 24-Stunden-Dienst. Wenn er Vollzeit als „Honorararzt“ arbeiten würde, könnte er bis zu 10 000 Euro im Monat verdienen. Bei seiner Festanstellung im Krankenhaus kommt er nur auf ein 3300 bis 3700 Euro brutto im Monat. Trotz des Zuschusses für Nacht- und Wochenenddienste, ist die freiberufliche Arbeit lukrativer. So kann sich Michael K. durchaus vorstellen, später Vollzeit als „Honorararzt“ zu arbeiten.

Obwohl natürlich auch die Arbeit als „Leiharzt“ Schattenseiten hat. „Manchmal wird man einfach ins kalte Wasser geschmissen“, erzählt Michael K., „aber je länger man es macht, umso einfacher wird es.“ Der Düsseldorfer arbeitet seit zwei Jahren als „Honorararzt“, sein Medizinstudium beendete er aber schon 2005. „Man sollte mindestens zwei Jahre Berufserfahrung haben. Sonst ist das zu gefährlich“, sagt Catherina Angcaya und berichtet von Ärzten, die am Wochenende alleine 130 Patienten versorgen.

Erfahrene Mediziner scheuen aber häufig den Schritt in die Selbstständigkeit. „Viele sehen ein gewisses Risiko“, so die Agenturchefin. Vor allem: Gibt es kontinuierlich Aufträge? Dabei könnten sich zumindest Neurologen, Internisten und Anästhesisten selbst aussuchen, wo sie arbeiten wollen. Für diese Fachrichtungen gebe es deutlich mehr Kliniken, die suchten, als Ärzte, die auf Honorarbasis arbeiten. „Es gibt Anrufe von Kliniken: Bitte machen Sie den Dienst. Sie bekommen auch mehr Geld“, sagt Michael K.

Und der angehende Internist kennt noch einen Vorteil der Freiberufler. Als „Honorararzt“ steht man außerhalb der Krankenhaus-Hierarchie. „Man wird immer freundlich behandelt. Die wollen ja schließlich, dass man wieder kommt“. Auch die anderen Ärzte reagierten meist positiv, wenn sie erfahren, dass es sich bei dem „Neuen“ um einen Kollegen auf Zeit handelt.

Neben den „Leihärzten“ gibt es in der Branche inzwischen richtige „Leiharbeiter“. Ärzte, die bei einer Agentur fest angestellt sind und von dieser an die Krankenhäuser ausgeliehen werden.

 
 

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