50 Jahre "Komödie" in Düsseldorf - ein Platz für gute Geschichten

Alfons Höckmann und Ingrid Braut leiteten die Komödie bis 2003.
Alfons Höckmann und Ingrid Braut leiteten die Komödie bis 2003.
Foto: dfsaf

Düsseldorf.. Die rothaarige Gräfin war bekannt für ihre verrückten Ideen. 1958 hatte sie an der Berliner Allee ein Theater mit 175 Plätzen eröffnet, ein mutiges Unternehmen, das sich bald rechnete. Die Düsseldorfer liebten ihr Boulevard. Und so griff Gräfin Anija Orlowska zu, als sich die Möglichkeit bot, ein größeres Haus zu bespielen. 500 Meter weiter, im neuen Zentrum, am Knotenpunkt von vierzehn Straßenbahnen, baute sie ein Theater, „eine Pracht aus rotem Plüsch mit 383 Plätzen“, notierte ein Journalist. Im Dezember 1962 eröffnete die heutige Komödie mit Peter Kreuders „Madame Skandaleuse“. Der Neustart jedoch wollte nicht recht gelingen. „Es sollte eine Sensation geben, aber das ist daneben gegangen“, bedauerte Orlowska. Schuld sei jedoch nicht die Inszenierung; am Morgen der Premiere gab es weder Wasser noch Licht, auch die Toiletten waren noch nicht fertig.

Doppelte Auslastung

50 Jahre ist das her. Im Dezember wird das Jubiläum der Komödie an der Steinstraße gebührend gefeiert. Helmuth Fuschl muss lachen. Der Theatermann aus Wien und heutige Chef des Hauses hat den Artikel über die Gräfin, eine schillernde Gesellschaftsdame, die eigentlich Anita Nolte hieß, in einem Zeitungsarchiv entdeckt. Fuschl kennt sie aus eigener Erfahrung, die Sorgen eines Direktors. Er und sein Partner Paul Haizmann leiten das Theater jetzt seit fast zehn Jahren. „Wahnsinn“, erinnert sich Haizmann. „Der Anfang war sehr anstrengend.“ Obwohl sich ihr Start im Mai 2003 deutlich komfortabler gestaltete als der der Gräfin. Das Wasser lief, alles war frisch renoviert. Aufgeführt wurde „Eine gute Partie“ mit Herbert Herrmann. Zuschauer und Kritiker waren voll des Lobes.

„Das Haus lag damals in einem Dornröschenschlaf“, erinnert sich Fuschl. Die goldenen Zeiten des Vorbesitzers Alfons Höckmann waren vorbei, die Auslastung lag zuletzt bei 39 Prozent. Heute sind es zwischen 80 und 90 Prozent. Eine Traumquote für ein Privattheater. Was gutes Boulevard ausmacht? „Gute Geschichten, die berühren“ , sagt Haizmann. Wobei: „Sie glauben gar nicht wie schwer es ist, geeignete Stücke zu finden.“

Hier lernte Simone Jopi kennen

Prominente und gute Geschichten, diese Mischung hat an der Steinstraße Tradition. 1967 war die Gräfin aus Salzburg samt ehrgeiziger Pläne, Plüsch und Pomp gescheitert und musste die Komödie verkaufen. Unter Tränen und Beschimpfungen soll sie die Düsseldorfer am Ende um Geld gebeten haben. Vergeblich.

Der Beginn der Ära Alfons Höckmann. Er, zuvor bei Regie-Legende Karl-Heinz Stroux am Schauspielhaus engagiert, und seine Ehefrau, die Schauspielerin und Sopranistin Ingrid Braut, kauften das Theater. Und so gab es 1968 wieder eine Eröffnung. Diesmal wurde „Die Lokomotive“ gezeigt, mit Lil Davoger und der 18-jährigen Simone Rethel, die später in der Komödie auch „ihren“ Johannes Jopi Heesters kennenlernte.

Hans Friedrichs und seine Roben

Und überhaupt. Die Liste der Schauspieler, die hier spielten, modisch aufgerüscht durch den Modezar (und Schauspieler) Hanns Friedrichs, liest sich wie ein Who is Who der Film- und Fernsehwelt der 70er. Harald Juhnke trat auf und Theo Lingen. Carl Heinz Schroth, Anna Teluren und die junge Uschi Glas. Heidelinde Weis, Claus Biederstaedt, Hans-Joachim Kulenkampff, Ingrid van Bergen und natürlich immer wieder die Familie Höckmann samt Tochter Andrea. „Prinzipal und Prinzipalin sind Vater, Mutter, Bruder und Schwester ihrer Schauspieler“, notierte Erfolgsautor Curth Flatow. „Die Bühne ist immer mit liebevoller Verschwendung ausgestattet und die auftretenden Damen und Herren sind mit soviel Chic angezogen, dass es einem bei jeder Premiere schwer fällt, zu entscheiden, wo man hier eleganter ist: auf der Bühne oder im Zuschauerraum. Was man hier macht, macht man mit Niveau: Boulevard-Theater im besten Sinne des Wortes!“ Das Publikum, erzählt man sich, soll jeden neuen Auftritt Ingrid Brauts in einer neuen Robe mit Szenenapplaus begleitet haben.

Gutes Boulevard-Theater gibt’s noch immer. Helmuth Fuschl und Paul Haizmann haben die Höckmann-Bühne, die sich vom vorzeitigen Tod Ingrid Brauts im Jahre 2001 nie wieder richtig erholte, 2003 gekauft und ins Hier und Jetzt gehievt. Sie engagierten bekannte Schauspieler wie Volker Brandt, Hardy Krüger jr., Ellen Schwiers, Anita Kupsch, Ralf Bauer und Volker Lechtenbrink. TV-Ikone Alfred Biolek plaudert regelmäßig mit Heino, Hannelore und anderen Prominenten.

Der Tod der Gräfin

Johanna von Koczian sorgte mit „Oskar und die Dame in Rosa“ für ausverkaufte Abende. Die Männer-Shows „Ganze Kerle“ und „Ladys Night“ lockten ganze Damen-Horden. Manche, erzählt Fuschl, kamen 15 bis 20 Mal und warfen den Schauspielern BHs zu. Einige Damen besuchten die Vorstellung mit Stableuchten, mit Hilfe derer sie erhofften, einen besseren Blick auf die auf Bühne strippenden Herren erhaschen zu können. Der absolute Hit ist allerdings ein rundherum züchtiger Evergreen: „Die Feuerzangenbowle“ mit Johannes Pfeiffer mit drei F.

Helmuth Fuschl und Paul Haizmann fühlen sich in der Stadt sehr wohl. Ob sie immer davon geträumt haben, ein Theater zu leiten? Fuschl winkt ab. „Würden Sie ein Theater gründen, wenn sie Geld hätten?“, hat man ihn einmal gefragt. „Wenn ich Geld hätte, würde ich es behalten“, konterte er damals.

Davon wüsste Gräfin Orlowska sicher eine Menge zu erzählen. Sie war am Ende bankrott, verließ Düsseldorf und gründete später im Süden Deutschlands eine Schauspielschule. Ihr bewegtes Leben fand schließlich ein dramatisches Ende: 1992 soll sie von ihrem 42 Jahre jüngeren Liebhaber mit einem Küchenmesser erstochen worden sein. Eigentlich ein Stoff fürs Theater.

 
 

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