43-jähriger Düsseldorfer wurde tagelang brutal gefoltert

Ein 43-jähriger Düsseldorfer wurde tagelang brutal gefoltert. Die Polizei hat mittlerweile neun Tatverdächtige gefasst.
Ein 43-jähriger Düsseldorfer wurde tagelang brutal gefoltert. Die Polizei hat mittlerweile neun Tatverdächtige gefasst.
Foto: Caroline Seidel/Archiv
Das, was ein 43-jähriger Düsseldorf vom 17. bis 23. Oktober dieses Jahres durchmachen musste, könnte einem schlechten Krimi oder gar Horrorfilm entsprungen sein. Der Mann wurde tagelang von mehreren Tätern gefoltert. Ein Motiv könnte Rache sein. Die Ex-Freundin des Opfers gehört zum Täterkreis.

Düsseldorf. Ohrfeigen, Tritte, Faustschläge, Hiebe mit dem Besenstiel, mit einem Teleskop-Schlagstock, schwere Verbrennungen durch einen Elektroschocker – und tiefe Schnitte mit dem Teppichmesser am ganzen Körper! Das, was ein 43-jähriger Düsseldorf sechs Tage lang – vom 17. bis 23. Oktober dieses Jahres – durchmachen musste, könnte einem schlechten Krimi oder gar Horrorfilm entsprungen sein. Der Mann wurde während seiner Einzugsparty in eine Wohnung im Düsseldorfer Süden von mehreren Tätern mit dem Auto in eine andere Wohnung in Wuppertal verschleppt, dort tagelang gefoltert und nach knapp einer Woche wieder in der Nähe seiner Wohnung freigelassen – besser: ausgesetzt.

Kriminalhauptkommissar Michael Detscher, Leiter des KK 13 für Raubdelikte, spricht von „äußerster Brutalität“, mit der die Täter vorgegangen waren. „Eher nebulös“ hingegen das Motiv: Die insgesamt neun Beschuldigten, von denen am Donnerstag Staatsanwalt David Bäuerle „zwei bis drei als Haupttäter“ bezeichnete, pressten aus ihrem Opfer den PIN-Code der EC-Karte heraus, hoben danach mehrere hundert Euro vom Girokonto des 43-Jährigen ab. Zudem räumten sie die gerade frisch bezogene Wohnung des Düsseldorfers leer – Flachbildfernseher, Notebook, E-Book-Reader. Sogar Spülmaschine und Dunstabzugshaube waren zu gebrauchen.

Ethnische Hintergründe könnten eine Rolle spielen

Der tatsächliche Beweggrund hatte aber wohl keine finanziellen Hintergründe. „Ein Motiv könnte Rache sein“, schätzt Hauptkommissar Detscher. Denn: Das Opfer hatte zuvor mit der einzigen Frau im Täterkreis eine Beziehung. „Vielleicht waren die anderen Beschuldigten nicht damit einverstanden, wie die Frau in dieser Beziehung behandelt worden war.“

Auch ethnische Hintergründe könnten eine Rolle spielen, heißt es, denn drei Personen aus dem Täterkreis sind Deutsche nordafrikanischer Herkunft. Ob die Frau dazugehört, wurde am Donnerstag von Polizei und Staatsanwaltschaft verschwiegen. Widersprüchliche Aussagen gibt es indes darüber, ob die Täter, die den 43-Jährigen nach Wuppertal verschleppten, zuvor zur Einzugsparty eingeladen waren.

Spezialeinheit der Polizei nahm neun Personen fest

Fakt ist: Die neun Täter – ein Italiener und acht Deutsche mit teilweise nordafrikansichen Wurzeln – sind gefasst. Nach intensiven Ermittlungen, Zeugenvernehmungen und Spurensicherungen in insgesamt acht Wohnungen in Düsseldorf, Wuppertal, Langenfeld und Erkrath ging die Gruppe im Alter zwischen 20 - 33 Jahren einer Spezialeinheit der Polizei am Mittwochmorgen ins Netz. Sechs der Beschuldigten sitzen seit Donnerstag im Gefängnis. Einige der Täter sind einschlägig vorbestraft, „aber noch nicht durch dieses hohe Maß an Gewalt in Erscheinung getreten“, so Staatsanwalt Bäuerle. Den Haupttätern wird Erpresserischer Menschenraub (Entführung), verbunden mit schwerer räuberischer Erpressung, vorgeworfen. „Dafür kann es fünf bis 15 Jahre geben“, so Bäuerle.

Fakt ist auch: Der 43-Jährige meldete sich kurz nach seiner Freilassung bei einer Bekannten, die daraufhin die Polizei informierte. Kurios: Die Bekannte war eben diejenige Ex-Freundin des Mannes, die zum Täterkreis zählt und der jetzt eine Mittäterschaft zur Last gelegt wird. „Wahrscheinlich wollte sie durch den Anruf bei der Polizei von sich ablenken“, so Detscher.

Sechs Tage lange Pein

Bis zu seiner Freilassung muss der Mann in der Wohnung in einem Wuppertaler Mehrfamilienhaus ein wahres Martyrium erlebt haben. Der Düsseldorfer saß stundenlang auf einem Stuhl, wurde in der Regel von zwei bis drei Personen bewacht und immer wieder sprichwörtlich bis aufs Blut gequält. War das Opfer nach zu vielen Schnitten mit dem Teppichmesser blutüberströmt, wurde es geduscht und danach zurück zum Stuhl gebracht. Dann ging die Pein weiter – das alles sechs Tage lang.

Der Mann trug Hämatome, Prellungen, Verbrennungen, Schnittwunden aus seiner Gefangenschaft davon. Polizei und Staatsanwalt sprechen von einem „traumatisierten Opfer“.

 
 

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