15-Meter-Bannzone hält erboste Eltern vom Fußballfeld fern

Tag des Jugendfußballs beim Garather SV.
Tag des Jugendfußballs beim Garather SV.
Foto: Sebastian Konopka / FUNKE Foto Services
Damit Kinder in Düsseldorf in Ruhe kicken können, haben Düsseldorfer Fußballvereine für Eltern eine 15-Meter-Bannzone um das Spielfeld eingerichtet.

Düsseldorf.. Bei einem E-Jugendspiel in Essen stürmten jüngst aufgebrachte Eltern den Rasen und gingen aufeinander los. Die Kinder weinten, der Schiedsrichter sah sich dazu gezwungen, die Partie vorzeitig zu beenden.

Auch wenn es sich in diesem Ausmaß um einen traurigen Einzelfall handelt, übertreten auch im Düsseldorfer Jugendfußball einige Erziehungsberechtigte immer wieder die Grenzen. Aus diesem Grund gibt es seit einiger Zeit tatsächlich Bannzonen für Eltern, damit die Kinder in Ruhe kicken können. 15 Meter soll der Abstand vom Spielfeld sein.

Kinder müssen lernen zu verlieren

„Ich habe nicht das geringste Verständnis für so ein Verhalten wie das der Eltern in Essen“, empört sich Monika Lehmhaus, Vorsitzende des Sportausschusses. „Ich selbst bin ein sehr emotionaler Mensch. Aber der Lerneffekt für die Kinder, auch verlieren zu können, ist extrem wichtig. Da sollten gerade die Eltern mit gutem Beispiel vorangehen“, meint Lehmhaus.

Der Fußballverband Niederrhein (FVN) versucht schon seit Jahren dieser Entwicklung im Jugendfußball entgegenzuwirken. Vor allem durch die Einführung der „Fair Play-Liga“, nach deren Regeln mittlerweile alle Düsseldorfer Vereine im Bereich der E- und F-Junioren spielen. „Die Regeln sind einfach und effektiv“, erklärt Michael Kurtz, Vorsitzender des FVN-Jugendausschusses. Die Eltern stehen 15 Meter entfernt vom Spielfeld, Schiedsrichter gibt es keine. „Die Kinder wissen auch schon im Alter von sechs Jahren, wann es einen Einwurf gibt. Die brauchen keinen Schiedsrichter“, meint Kurtz. Die Trainer stehen in einer gemeinsamen Coaching-Zone, und auch Meisterschaften werden nicht ausgespielt. „Wir müssen den Druck aus dem Kinderfußball herausnehmen“, erklärt Kurtz.

Auch bei der Fortuna ist das Problem mit emotionalen Papas und Mamas bekannt. „Wir lassen die Eltern einen Kodex unterschreiben, der sich mit dem angemessenen Verhalten gegenüber Spielern und Schiedsrichtern befasst“, berichtet Markus Hirte, Leiter des Leistungszentrums am Flinger Broich. Doch auch er beobachtet das Verhalten einiger Eltern sehr kritisch. „Man merkt, dass die Emotionalität sehr hoch ist. Einem Elternteil mussten wir sogar schonmal eine zweimonatige Platzsperre aufbrummen“, so Hirte.

Beim DFB ist das Thema ein heißes Eisen. Der Düsseldorfer Peter Frymuth, Vizepräsident Spielbetrieb und Fußballentwicklung und seit 2013 Vorsitzender des FVN, unterstreicht allerdings die enorme Wichtigkeit der Eltern im Jugendfußball. „Sie sind eine unverzichtbare Säule des Vereinssystems“, mein Frymuth. Allerdings begrüßt auch er die Vorzüge der Fair Play-Liga. „Durch den Abstand der Zuschauer vom Spielfeld gibt es weniger Einflussnahme auf die jungen Spieler“, so Frymuth. Dennoch bereitet dem früheren Fortuna-Boss in den anderen Altersklassen vor allem die teils harsche Kritik an den Schiedsrichtern große Sorge. „Da gibt es teils erhebliche Attacken von außen auf Schiedsrichter, die gerade einmal 17 oder 18 Jahre alt sind. Wenn das Überhand nimmt, will irgendwann niemand mehr pfeifen“, mahnt Frymuth.

Eltern einfach wegschicken

So schön sich die Maßnahmen des FVN auch anhören. Hört man in den Vereinen um, sieht die Realität oftmals anders an. „Die Umsetzung ist teilweise sehr schwierig“, gesteht Wolfgang Dannowski, Fußball-Abteilungsleiter beim Garather SV. „Manchmal muss man die Eltern einfach wegschicken. Da will dann schonmal ein Vater das ganze Spiel über hinter seinem Sohnemann am Torpfosten stehen“, berichtet Dannowski. Bei einem Jugendspiel der Garather gab es schonmal heftige verbale Auseinandersetzungen zwischen den Eltern. Der Fall ging vor das Schiedsgericht.

„Trotz der Regelungen stehen trotzdem immer wieder Eltern direkt am Platz“, weiß auch Sakis Lekamanidis vom SC Düsseldorf-West zu berichten. „Manchmal muss man sich einfach den Ball nehmen und den Eltern sagen, dass nicht gespielt wird, wenn sie nicht endlich Abstand halten.“

 
 

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