Zwölf E-Mails für Moby - zwei Monate für Underworld

Foto: unbekannt

Luca Romeyke zieht als „Head of Music” (Musikchef) der Loveparade die Künstler an Land und gestaltet das Programm. Im Interview spricht der 36-Jährige über die Loveparade im Wandel der Zeit, schlaflose Nächte und die E-Mails, die Moby nach Dortmund bringen.

Wie wird man „Head of Music”?

Luca Romeyke: Ich hab' schon immer in der Musikbranche für Plattenfirmen gearbeitet und bin eher zufällig über Freunde zur Parade gekommen.

Was macht ein „Head of Music”?

Mit meinem Team organisiere ich die Künstler und Floats inklusive des Sponsorings. Und ich gestalte das Programm mit unserem Organisations- und Kreativchef.

Wie bekommt man die Stars nach Dortmund?

Bei den DJs ist das kein Problem. Wir bieten zwar kein Geld, aber eine tolle Plattform. Internet-Livestream weltweit. Fernsehübertragung. Millionenpublikum. Meistens frage ich beim Lable oder Management an. Schwieriger ist es bei den Künstlern und Bands. Für „Underworld” bin ich nach England geflogen. Die Verhandlungen haben zwei Monate gedauert.

Und bei Moby?

Moby war kein Problem. Er wollte ja schon im letzten Jahr kommen. Ein gutes Dutzend E-Mails, ein passender Auftritt für Gage beim „Circle of Love” - und er kommt.

Was hat sich seit dem Umzug der Loveparade ins Ruhrgebiet verändert?

Die größte Veränderung ist sicherlich der politische Support, den wir im Revier haben. Bei einem solchen Mammut-Event müssen viele Räder ineinander greifen und dazu braucht es auch flexible und motivierte Behörden. Oft müssen neue Lösungen zügig gefunden und umgesetzt werden.

Was ist bei der Loveparade anders als in den 90ern?

Im Gegensatz zur Popkultur stand beim Beginn von Techno Ende der 80er vor allem die Musik im Mittelpunkt. Die Macher, die DJs, standen eher im Hintergrund. Mit dem Erfolg wurden die Macher jedoch immer mehr zu Stars, zu Popstars. Das ist heute nur noch vereinzelt so. Techno ist nicht länger Chartmusik. Techno wird in den Clubs gelebt. Die Cubszene, die vor allem elektronische Musik bietet, ist größer denn je. Die elektronische Musik hat inzwischen viele verschiedene Ausprägungen. Dem entsprechend ist der Stilmix auf der Loveparade breiter geworden.

Was hat sich seit dem Neustart 2007 am Musikkonzept verändert?

Die bedeutendste Neuerung sind die Vielzahl der Live-Acts. Früher wurden vor allem Platten aufgelegt. Heute ist die Live-Performance der Künstler wichtiger denn je.

Die Highlights in Dortmund?

Wir haben das fetteste Line-Up am Start, das es bei der Parade je gab. Mit dabei sind zum Beispiel der weltweit angesagteste DJ Armin Van Buuren. DJ Hell oder Carl Craig werden auflegen und wir haben zum ersten Mal ein richtiges Orchester im Programm, das mit Märtini Brös spielt.

Bleibt Zeit zum Feiern?

Nun, der Paradentag ist natürlich extrem stressig. Erst wenn die Abschlusskundgebung beginnt, werde ich anfangen können, die Eindrücke zu genießen. Wenn alles gut gelaufen ist, fallen wir uns erst einmal mit der Crew in die Arme - und dann geht's noch einmal auf die Piste. An Schlaf ist nicht zu denken. Obwohl man natürlich total k.o. ist, ist man aber immer noch überwältigt von den Eindrücken und total aufgedreht.

 
 

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