Zwist um Neonazi Borchardt bei der Dortmunder Tafel

Siegfried Borchardt, Abgeordneter der Rechten.
Siegfried Borchardt, Abgeordneter der Rechten.
Foto: Roland Weihrauch/Archiv
Der stadtbekannte Neonazi Siegfried Borchardt, bezieht Hartz IV und kann bei der Dortmunder Tafel einkaufen. Das sorgt für Diskussionen bei der Tafel.

Dortmund.. Der stadtbekannte Dortmunder Neonazi und Kreisvorsitzende der Partei "Die Rechte", Siegfried Borchardt, besitzt einen Tafel-Ausweis und kann bei der gemeinnützigen Hilfsorganisation in Dortmund einkaufen. Das hat bei der Dortmunder Tafel zu langen Diskussionen und einem Austritt geführt.

Borchardt sei im Februar bei der Tafel aufgetaucht, so der Vorsitzende Dr. Horst Röhr. Das Aufnahmeteam habe ihn nicht erkannt. Borchardt, Hartz-IV-Empfänger, habe aber seine Bedürftigkeit nachgewiesen. "Und wir entscheiden nach Bedürftigkeit", so Röhr, "wenn wir das nicht mehr täten, wären unsere Leute vor Ort überfordert."

Einer der acht Grundsätze der Tafel lautet: "Die Tafeln arbeiten unabhängig von politischen Parteien und Konfessionen. Die Tafeln helfen allen Menschen, die der Hilfe bedürfen."

Borchardt kaufte bisher dreimal ein

Der mehrfach vorbestrafte Neonazi Borchardt, Spitzname "SS-Siggi", hetzt gegen Ausländer und Überfremdung. Deshalb gibt es Befürchtungen, dass Migranten unter den Tafelnutzern sich aus Furcht nicht mit ihm in eine Schlange einreihen wollen.

Diese Sorge könne er nachvollziehen, so Röhr, doch sie bestehe nur theoretisch. Denn Borchardt, der seit April seinen Ausweis hat, habe seitdem dreimal bei der Tafel eingekauft. Allerdings sei er nicht persönlich gekommen, sondern eine Frau mit seiner Vollmacht. Röhr: "Sollte sich das ändern, werden wir anders agieren müssen."

Bewerbung für Sozialstunden

Borchardt habe sich bei der Tafel auch um die Ableistung von Sozialstunden beworben. "Das haben wir abgelehnt", sagt Röhr. Am Telefon um eine Stellungnahme gebeten, hat Borchardt sofort aufgelegt.

Nach der Kommunalwahl 2014 zog Borchardt kurzzeitig für die rechtsextreme Splitterpartei "Die Rechte" in den Stadtrat ein. Das Mandat gab er jedoch bereits im Sommer 2014 ab. Er sitzt immer noch in der Bezirksvertretung Innenstadt-Nord.

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