Zweiter Dortmund-"Tatort" - die Nordstadt als harter Filmstoff

Dr. House trifft Dirty Harry: Jörg Hartmann als Kommissar Faber
Dr. House trifft Dirty Harry: Jörg Hartmann als Kommissar Faber
Foto: WDR/Willi Weber
Nur wenige Wochen nach seiner Premiere als Dortmunder „Tatort“-Kommissar ist Jörg Hartmann wieder auf Mörder-Suche. Der zweite Fall „Mein Revier“ spielt in der Nordstadt – und greift ein brisantes Thema auf, mit fast schon dokumentarischen Zügen.

Köln/Dortmund.. Der Auftakt war ordentlich. Der Dortmunder „Tatort“ (Sonntag, ARD, 20.15 Uhr) platzierte sich bei seiner Premiere vor wenigen Wochen quotentechnisch im Mittelfeld der erfolgreichsten Krimi-Reihe des deutschen Fernsehens. Auch die Kritiker waren überwiegend milde gestimmt. Doch ausgerechnet das Revier, das endlich wieder auf der TV-Landkarte erscheint, fremdelt noch mit Jörg Hartmann als Kommissar Faber. Denn er ist kein Knuddel-Typ wie seine Kollegen Prahl und Liefers aus Münster. Doch genau das ist seine Stärke: Er ist in der immer beliebiger werdenden „Tatort“-Welt wiedererkennbar.

Hartmanns Kommissar hat so viele Macken wie der geniale Medizinmann Dr. House. Der zweite Fall „Mein Revier“ macht auch klar, warum: Fahnder Faber verlor bei einem Unfall Frau und Tochter. Nach außen gibt sich der sensible Ermittler ruppig.

Am Ende des Falls stehen sich, wie beim Showdown im Western, die eigentlichen Gegner gegenüber: Faber zielt auf der Verkehrsinsel am Borsigplatz mit einer Zeigefinger-Pistole, ein direktes Clint-Eastwood-Zitat aus „Dirty Harry“, auf den türkischen Miet-Hai (Adrian Can), der den ganzen Fall überhaupt erst ins Rollen brachte.

Zweiter Dortmund-"Tatort" wirkt durch und durch glaubwürdig

Zu Beginn der atmosphärisch überzeugenden Geschichte wird ein drogendealender Lude (Yusuf Erdugan) tot in seinem Büro in der Nordstadt gefunden.

Dortmunder Nordstadt Und damit lösen Regisseur Thomas Jauch und sein Drehbuch-Autor Jürgen Werner ein Versprechen ein, dass der Auftakt-Film mit dem wohlfeilen Homosexuellen-Thema nicht hielt: Sie greifen ein brennendes Problem in der Stadt auf, Prostitution und Arbeiter-Strich von Bulgaren in der Nordstadt. Die Zuwanderer hausen auf engstem Raum in abbruchreifen Mietkasernen, zu Wucherpreisen.

Der Bezirksbeamte Polland und seine Ex-Sonja, die sich um die Prostituierten kümmert, leiden darunter. Matthias Komm und Tanja Schleiff machen ihre Seelenqualen fast körperlich spürbar.

Tatort Obwohl die Geschichte komplett fiktional ist, trägt der Film mitunter dokumentarische Züge. Er wirkt durch und durch glaubwürdig. Zugleich balancieren Jauch und Werner geschickt auf dem schmalen Grat zwischen berechtigter Anwohner-Wut und dumpfer Ausländer-Feindlichkeit.

Dortmund-"Tatort" ist kein Imagefilm fürs Stadt-Marketing

Natürlich ist der Film kein Beitrag zum Stadt-Marketing. Aber das soll er auch gar nicht sein. Stattdessen ist der Krimi ein Beitrag zu einer Debatte um soziale Verwerfungen in unserer Gesellschaft.

Und noch etwas. Das Küken des „Tatort“-Teams, die Türkin Nora (Aylin Tezel), wohnt in der Nordstadt, und sie bleibt auch dort – und zwar gern.

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