Zoo Dortmund lässt Gäste über Eintrittspreis entscheiden

Was frisst du? Luisa (5) schaut sich den Orang-Utan an. Ihre Familie kam eigens wegen der Preisaktion aus Ratingen nach Dortmund.
Was frisst du? Luisa (5) schaut sich den Orang-Utan an. Ihre Familie kam eigens wegen der Preisaktion aus Ratingen nach Dortmund.
Foto: Volker Hartmann
  • Bis zum vierten Advent gilt an der Kasse ein Modell, das aus Amerika kommt: Pay what you want.
  • Am ersten Tag bilden sich gegen Mittag Warteschlangen. „Deutlich mehr als sonst.“
  • Der Allwetterzoo Münster hatte es vorgemacht. Dort ist die Aktion derzeit aber ausgesetzt.

Dortmund.. Eigentlich kam es bisher nicht vor, dass die Kassiererin Adelheid Braun sich mit „Das ist aber sehr lieb von Ihnen“ bedankte, nur weil jemand die acht Euro Eintritt zahlte. Am Sonntag aber hört man am Eingang des Dortmunder Zoos den Satz öfter, der zunächst etwas überspannt klingt. Ist er aber gar nicht: Denn die Leute könnten auch anders.

Vom ersten bis vierten Advent 2016 bestimmen die Besucher hier nämlich selbst, wieviel ihnen der Zoobesuch wert ist. „Zoo viel Sie wollen“, heißt ein Werbespruch dazu, oder „Zoo oft sie wollen“. Man kann auch sagen: Jeder zahlt für sich allein.

Im Zweifelsfall haben sich die Tiere im Winter selbst auch verkrochen

Ein Cent Minimum, und nach oben gibt es keine Grenze. In der Vorweihnachtszeit, wenn gelangweiltes Getier sich an den kalten Füßen spielt, soll die Aktion mehr Leute anlocken. Die Rechnung ist: Die Masse macht’s. Schau’n wir mal.

Denn in Zoos gilt diese Zeit als schwierig: Hier kommt im Advent niemand an. Es ist kalt und feucht, und im Zweifelsfall haben sich die Tiere selbst auch verkrochen. „Vermutlich besuchen die Menschen in der Zeit Weihnachtsmärkte und gehen Geschenke einkaufen“, mutmaßt Anke Widow, Sprecherin der Stadt Dortmund.

Münster erreichte mit der Aktion fast 76 000 Besucher im Dezember 2012

Freilich gibt es 70 Kilometer nördlich ein Vorbild, den Allwetterzoo Münster. Er hat seit 2012 schon dreimal über Wochen die Leute selbst entscheiden lassen, mit gigantischem Erfolg: Im Dezember 2015 kamen zu regulären Eintrittspreisen rund 22 000 Besucher, zu der Aktion im Dezember 2012 aber waren es fast 76 000.

Sie zahlten zwar nur einen Bruchteil, doch der Umsatz stieg um 70 Prozent: Weil so viele Menschen kamen – und weil sie auf den Parkplätzen, an den Imbissen und in den Restaurants und Zoo-Geschäften Normalpreise zahlten.

„Es wäre tödlich, in eine Marketing-Aktion Routine reinzukriegen“

Münster hat die Aktion derzeit ausgesetzt, weil es „tödlich wäre, in eine Marketing-Aktion Routine reinzukriegen“, sagt Sprecherin Stefanie Heeke. Auch wolle man „zusätzliche Gäste ansprechen und nicht, dass Gäste den Besuch aufschieben, weil sie erwarten, dass es im Dezember billiger wird“.

Und in Dortmund? Vom späten Vormittag an bilden sich tatsächlich Warteschlangen vor Adelheid Braun und ihren Kolleginnen, „deutlich mehr als sonst“, empfindet sie. Darunter ist die Familie Krenzer aus Ratingen, die eigens in den Dortmunder Zoo kommt, weil sie von der Aktion erfahren hat. Oder Celikdel Özi, der beim Rausgehen beschließt, regulär Eintritt zu bezahlen: „Weil es mir gefallen hat.“

Niemand will als Geizhals dastehen, wenn alle zuschauen

Dabei ist die Situation Kassenschlange ein bisschen eine psychologische Falle. Forscher wissen: Niemand will als Geizhals dastehen, wenn alles zuschaut. Die Entscheidung, einfach den normalen Eintritt zu zahlen, fällt also gerade recht oft.

Professor Marcus Kunter aus Aachen, der sich intensiv befasst hat mit der individuellen Preisgestaltung, spricht (in der ,Zeit’) auch von einem „starken Gerechtigkeitsgedanken: Viele wollen mal ein Schnäppchen machen, aber zugleich auch einen fairen Preis zahlen.“ Ein Einziger hielt am Sonntag 50 Cent für fair.

>>Die Preisgestaltung der anderen Revierzoos

Im Winter hat etwa „Zoom“ in Gelsenkirchen den Tagespreis von 19,50 Euro auf 14,50 Euro gesenkt. Duisburg behält seine 16,90 Euro bei, Bochum (7 Euro) denkt noch nach.

In Münster 2012 zahlten die Leute freiwillig knapp fünf Euro (regulär damals: Erwachsene 14,90 Euro, Kinder 7,90 Euro).

 
 

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