Zeitarbeit bei AWO Dortmund „ist nicht unsozial“

Anja Schröder
Foto: Knut Vahlensieck
Foto: Knut Vahlensieck
Foto: Knut Vahlensieck

Dortmund. Heute früh um 9 Uhr gehen die Mitarbeiter der Arbeiterwohlfahrt auf die Straße. Sie streiken. Unter anderem wollen sie eine Begrenzung der Leiharbeiter-Einsätze erreichen. Dabei ist ihnen der Vorstand des AWO-Unterbezirks Dortmund längst zuvor gekommen. Und betont: „Zeitarbeit hat zwei Gesichter“.

Im Grundsatzpapier von Anfang Oktober ist das Wort sozial dick unterstrichen. Zeitarbeit – das sei auch in diesem Gremium ein hart umstrittenes Thema gewesen. Zumal nach den Praktiken, mit denen sich andere AWO-Kollegen in die Schlagzeilen katapultiert hatten. Dass bei der GAD, dem sozialen Personaldienstleister der AWO in Dortmund, die Uhren anders ticken, war gestern Thema bei Andreas Gora, AWO-Geschäftsführer im UB Dortmund, Anette Werst (GAD-Bereichsleiterin) und Rainer Goepfert (GAD-Geschäftsführer).

Gleicher Lohn für gleiche Arbeit, und zwar nach Tarif: 13,25 Euro – das verdient eine examinierte Altenpflegerin mit mindestens einem Jahr Berufserfahrung bei der GAD. Die AWO zahlt bei gleicher Qualifikation 13,18 Euro. Das ist die simple Zahlenbasis für ein florierendes Geschäft. 2004 war die AWO-Tochter an den Start gegangen, um Langzeitarbeitslose im sozialen Bereich zu vermitteln. Das Projekt mit der Arbeitsagentur lief über zwei Jahre – mit 70-prozentiger Erfolgsquote. Andere Kunden außerhalb der AWO kamen hinzu, machen heute 30 % aus. „Inzwischen“, sagt Werst, „haben wir mehr Anfragen als Personal“.

Vorteil großer Pool

Wo die Vorteile der Zeitarbeit bei gleicher Bezahlung liegen? „Ich kann aus einem großen Pool von Leuten kurzfristig, auf den Tag genau, qualifizierte Beschäftigte bekommen“. Die auftragsabhängige Einstellung – ein Riesen-Pluspunkt. Und beschränkt auf maximal fünf % der Beschäftigtenzahl. Auch das hat sich der Dortmunder Unterbezirk auf die Fahne geschrieben. Von 480 Mitarbeitern sind neun Zeitarbeitnehmer. Unbefristete Arbeitsverträge, Qualifizierungen – sie wollen, sie sind weg vom Image „Zeitarbeit = unsozial“. Und weil Fachkräfte inzwischen zur Mangelware werden, können die sich auch hier, in der Zeitarbeitsfirma, ihre Arbeitszeiten aussuchen. Mit dem Projekt „Wunscharbeitszeiten“ wollen die GAD-Experten gerade Berufsrückkehrerinnen locken, die Job und Familie unter einen Hut bringen müssen.

„Wir haben“, bilanziert Goepfert, „insgesamt 750 Menschen eingestellt, 72 davon aus der Arbeitslosigkeit.“ 368 davon haben bei den entleihenden Firmen eine feste Stelle bekommen. Laufender Personalbestand der GAD: 80 bis 100 Mitarbeiter.

Dass Zeitarbeit eben auch Chance sein kann? Zeigt das Beispiel einer 40-Jährigen mit einer Bruchbiographie. Am 1. Oktober hat sie ihre Ausbildung zur examinierten Altenpflegerin begonnen.