Zehnjährige Dortmunderin wegen Hamster aus Schule gemobbt

In Dortmund wurde eine Schülerin wegen eines Hamsters aus der Schule gemobbt.
In Dortmund wurde eine Schülerin wegen eines Hamsters aus der Schule gemobbt.
Foto: Ralf Rottmann
Eigentlich folgte die kleine Carina nur der Aufforderung ihrer Lehrerin, etwas mit in die Schule zu bringen, das ihr am Herzen liegt: ihren Hamster. Das empfand die Lehrerin als Tierquälerei und schmiss das Mädchen aus der Klasse. Was dann folgte, entwickelte sich zum handfesten Pädagogik-Skandal.

Dortmund. Hohe Wellen schlägt ein Skandal in Dortmund, der nur vordergründig als „Hamster-Affäre“ bezeichnet wird, in Wirklichkeit aber ein pädagogisches Versagen meint. Leidtragende der Geschichte ist die zehnjährige Carina, die inzwischen die Schule gewechselt hat.

Auslöser für den Vorgang, der auch die Bezirksregierung in Arnsberg beschäftigt, war die Bitte einer Lehrerin an der Johann-Gutenberg-Realschule im Ortsteil Wellinghofen am ersten Tag nach den Sommerferien, die Kinder sollten doch am nächsten Tag etwas mitbringen, was ihnen besonders am Herzen liegt.

Carina, neu in der Stadt und und neu an der Schule, fragte, ob sie auch ihren Goldhamster Attila mitbringen könne, wie sie es an der Grundschule auch schon getan habe. Die Antwort der Lehrerin „Das halte ich für keine gute Idee“ verstand das Kind nicht als Absage. Als die Zehnjährige am nächsten Tag das Tier in einem so genannten Race-Ball, einem handelsüblichen runden Laufball für Hamster mitbrachte, nahm das Verhängnis seinen Lauf.

Über 6,5 Kilometer zu Fuß

„Carina ist sofort von der Lehrerin als Tierquälerin beschimpft worden“, berichtet ihr Patenonkel Christian Dorawa. Die irritierte Nachfrage des Kindes, sie habe doch den Hamster tags zuvor angekündigt, habe die Lehrerin mit den Worten quittiert: „Du bist genauso verlogen wie dein Bruder.“

Die Zehnjährige sollte daraufhin ihre Sachen packen und den Unterricht verlassen. „Carina hatte noch kein Schokoticket und kannte nicht mal den Fußweg nach Hause“, erläutert Dorawa die prekäre Situation des Kindes, das eigentlich nach Schulschluss mit dem großen Bruder heimfahren sollte. Ein Weg, der über 6,5 Kilometer zu Fuß zunächst an verkehrsreichen Straßen, später durch einsamen, dichten Wald führt. Einmal versicherte sich das Mädchen bei einem Taxifahrer, dass es noch auf dem richtigen Kurs sei. „Absolut unverantwortlich“, kommentiert der Patenonkel den Rausschmiss der Lehrerin.

„Die Kleine war fertig“

Doch damit nicht genug. Am nächsten Tag wurde es erst richtig perfide. Die Mitschüler sollten Aufsätze über die vermeintliche Tierquälerei Carinas schreiben. Nach dem Wochenende musste die Zehnjährige sich neben die Lehrerin setzen und das Tribunal öffentlicher Denunzierung ertragen. Pädagogik wie im Mittelalter. Nein, nach diesen seelischen Grausamkeiten wollte das Kind nicht länger zu dieser Schule gehen. Inzwischen erhielt Carina an einer Realschule in einem anderen Stadtteil einen Platz.

„Die Kleine war fertig“, schüttelt der Patenonkel nur den Kopf. „Das war Psychoterror!“ Er half den polnischen Eltern beim Abfassen einer Dienstaufsichtsbeschwerde, die nach Arnsberg ging.

„Nachbereitung mit der Lehrkraft noch nicht erledigt“

Von dort erhielten die Eltern inzwischen nach acht Wochen auch Antwort. Eine Antwort, die sie alles andere als beruhigt. Die Schulaufsicht teilte in gestelzten Worten mit: „Ich bedaure, dass die so wichtige Kommunikation auf der Sachebene hier nicht vorbehaltlos möglich und somit die umfassende Aufarbeitung der Geschehnisse nicht störungsfrei war.“ Geradezu zornig macht alle Beteiligten die Frage der Behörde, „ob Sie Ihre Dienstaufsichtsbeschwerde gegen die Lehrerin aufrecht halten wollen oder ob sich diese zwischenzeitlich durch den Schulwechsel erledigt hat“.

Der Sprecher des RP, Christoph Söbbeler macht klar, dass - unabhängig von der Beschwerde der Angehörigen - die „Nachbereitung mit der Lehrkraft für uns noch nicht erledigt ist“. Schulleiter Heribert Müller, den die WR in den Ferien erreichte, hält die ganze Sache für „aufgebauscht“ und möchte auch unter Hinweis auf das schwebende Verfahren „nichts dazu sagen“.

 
 

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