Wolfgang Schäuble und seine schwarzrote Null

Schlagfertig, gut gelaunt und herrlich unaufgeregt: Wolfgang Schäuble hat am Mittwochabend in Dortmund ein leidenschaftliches Plädoyer für solides Wirtschaften gehalten und ein paar private Einblicke in das Leben als Bundesfinanzminister gewährt.

Innenstadt. Beim Wirtschaftsgespräch der Volksbank und der Ruhr Nachrichten redete Wolfgang Schäuble vor 300 geladenen Gästen über Finanzpolitik, Wachstum, Vertrauen, Stabilität, die europäische Integration - und natürlich den ausgeglichenen Haushalt, der für das kommende Jahr angepeilt ist. Dabei sprach der Bundesfinanzminister von einer geplanten "schwarzroten Null" in Anspielung auf die Farben der Regierungskoalition.

Zuvor hatte ihn jedoch der Verdi-Warnstreik ausgebremst: Schäuble erreichte die Dortmunder Volksbank mit 20-minütiger Verspätung. Sein Dienstwagen brauchte für die Fahrt aus Duisburg über die vollen Ruhrgebietsautobahnen länger als geplant.
Wolfgang Schäublesagte über...

...den großen Traum des ausgeglichenen Bundeshaushalts:"Ich träume nicht von Nullen", meinte der Finanzminister und sorgte damit für Gelächter. Dann wieder ernsthaft:Der Spielraum im Haushaltseinatürlich klein, auch weil die Steuern nicht erhöht werden sollen. Ab 2015 will der Bund ohne neue Schulden auskommen.

...die Krise in der Ukraine und ihre Folgen:"Ich weiß nicht, wie sich die Situation entwickeln wird. Wir wissen jedoch: Wir wollen nie wieder einen Krieg riskieren." Deswegen gebe es keine Alternative zu einer umsichtigen Diplomatie. Eventuelle negative finanz- und wirtschaftspolitische Konsequenzen für Deutschland und Europa seien für den Preis des Friedens hinzunehmen. "Wenn der Preis sein sollte, dass wir keine schwarzrote Null im Haushalt hinkriegen, dann werde ich doch nicht fragen, was der Frieden kostet", sagte Schäuble. Die Annektierung der Krim müsse zwar Folgen für Russland haben - doch dieRückkehr Russlands in den Kreis der Partnerländermüsse nicht erschwert, sondern erleichtert werden.

...seine politischeArbeit auf dem Höhepunkt der Staatsschuldenkrise:"Es war drei Jahre lang wirklich heftig. Ich habe zwischendurch auch gedacht: ,Hoffentlich geht das gut.'" Es habe sich jedoch gezeigt, dass die Rezepte und Rettungsschirme nach dem Prinzip "Hilfe zur Selbsthilfe"richtig gewesen seien. "Wir haben ein paar heftige Nächte miteinander verbracht", sagte Schäuble mit Blick auf die handelnden Politiker. Auch heute werde er hin und wieder nachts aus dem Bett geklingelt. "Das kommt schon mal vor. Meine Frau hat sich daran gewöhnt."

...seine letzten großen privaten Investitionen:"Ich haben mir vor einiger Zeit ein neues Handbike gekauft. Und jetzt habe ich neue Anzüge bestellt. Weil ich im Rollstuhl sitze, müssen es Maßanfertigungen sein - die kosten auch ein bisschen."

Philipp Ostrop