Wohnkoloss Hannibal in Dortmund für 7 Millionen Euro versteigert

Der Hannibal in Dortmund-Dorstfeld wurde deutlich über seinem eigentlichen Wert versteigert, der Mieterverein ist besorgt.
Der Hannibal in Dortmund-Dorstfeld wurde deutlich über seinem eigentlichen Wert versteigert, der Mieterverein ist besorgt.
Foto: WR/Franz Luthe
Paukenschlag: Für satte sieben Millionen Euro wurde am Mittwoch der Wohnkoloss Hannibal in Dorstfeld versteigert. In einer Bieterschlacht erhielt am Amtsgericht Dortmund die Firma Lütticher 49 Properties den Zuschlag. Angesichts des Verkehrswertes von 3,7 Millionen schwant dem Mieterverein Böses.

Dortmund.. Am Mittwochmorgen ist beim Dortmunder Amtsgericht der Dorstfelder Wohnkoloss Hannibal im Rahmen der Zwangsversteigerung für 7.000.000 Euro an die Lütticher 49 Properties GmbH mit Sitz in Berlin verkauft worden. Damit ging der Hannibal für fast das doppelte des Verkehrswertes von knapp 3,7 Millionen über den Tisch. Hinzuzurechnen sind zudem Investitionen von mindestens 9,32 Millionen Euro, um Bauschäden und -mängel zu beheben.

Drei Parteien lieferten sich eine dreistündige Bieterschlacht mit mehr als 200 Geboten. Zum einen die Lippstädter Tramontana GmbH, vertreten durch Detlef Gründer, der mit seiner Deutschen Haus- und Grundbesitz 24 GmbH vor einem Jahr Bestände der Jansen und Helbing Unternehmensberatung in Westerfilde und der Dortmunder Nordstadt erwarb. Zum anderen die in Dortmund bisher unbekannte DG Deutsche Grundbesitz GmbH in Neu-Ulm.

Den Zuschlag bekam für sieben Millionen die Lütticher 49 Properties GmbH mit Sitz in Berlin, die mit vier Personen anwesend waren. Verhandlungsführer Dr. Holger Lerche von der Kanzlei Jung und Schleicher aus Berlin wollte nach Abschluss der Versteigerung jedoch keine Auskunft zum Unternehmen, den Eigentümern und zur Strategie für den Hannibal in Dorstfeld machen.

Eigentümer-Strategie unklar

Welche Strategie der neue Eigentümer für den Dorstfelder Hannibal mitbringt, ist unklar. „To make it nice …and bring nice people“, so formulierte es ein weiterer Vertreter des neuen Eigentümers im Anschluss an die Versteigerung. „Wir haben die Befürchtung, dass der neue Eigentümer keine ausreichende wohnungswirtschaftliche Erfahrung besitzt, um eine Sanierung und Bewirtschaftung des Hannibals in Dorstfeld-Süd zu leisten, sondern den Hannibal als Spekulations- und Abschreibungsobjekt nutzt“, schwant Mieterverein-Geschäftsführer Rainer Stücker Böses. „Ein Kaufpreis, der fast das Doppelte des Verkehrswertes beträgt, verheißt für die Mieter nichts Gutes.“

„Für die Mieter ist jedoch wichtig, dass der Eigentümerwechsel keine Veränderung mit ihrem Mietvertrag mit sich bringt. Es gilt der Grundsatz ‚Kauf bricht nicht Miete!‘“ so Stücker.

Zukünftige Wärmeversorgung unklar

Ungeklärt sei etwa die Frage der Wärmeversorgung für die Wohnungen im Hannibal. So gehört die Heizzentrale und -anlage der Firma EGC und war nicht Teil der Insolvenzmasse. Bisher bestand eine Grunddienstbarkeit, dass die Wärme im Rahmen eines „Contracting-Modells“ durch die Firma EGC bezogen werden müsse. Diese Verpflichtung sei mit dem heutigen Verkauf im Rahmen der Zwangsversteigerung erloschen. So könnte die Firma EGC Ihre Heizzentrale abbauen, wenn es zu keinem Folgevertrag oder einem Verkauf der Heizungsanlage kommt. „Die Lütticher 49 Properties GmbH ist in jedem Fall verpflichtet, den Mietern funktionierende Heizungen und damit warme Wohnungen bereit zu stellen. Die Mieter dürfen nicht die zwischen die Fronten geraten“, fordert Rainer Stücker vom Mieterverein Dortmund.

Das Wertgutachten für den Dorstfelder Hannibal weist einen Verkehrswert von knapp 3,7 Millionen Euro aus bei einem geschätzten vorläufigen Ertragswert von 14,3 Millionen Euro. Der Umfang der Baumängel und Bauschäden beläuft sich laut eines Sondergutachtens auf mindestens 9.320.000 Euro. Der hohe Instandsetzungsbedarf scheint daher realistisch berücksichtigt worden zu sein. Im Wertgutachten wird erläutert, dass ein höherer Vermietungsstand erst nach längerer Zeit und nach Instandsetzungsmaßnahmen erreicht werden kann.

Neuer Eigentümer vermutlich auf Einkaufstour in NRW

„Auf Basis der Handelsregistereinträge vermuten wir, dass die Lütticher 49 Properties GmbH in Verbindung mit der GrandCity-Gruppe steht, deren Eigentümer über verschiedene Gesellschaften Wohnungen in NRW erworben haben. Darunter auch die 366 Wohnungen an der Erpachtstraße/Weiße-Ewald-Straße in Dortmund Aplerbeck, die zum Jahresende 2010 bzw. zum Mai 2011 von der GAGFAH an die Residential Dortmund I Grundstücks GmbH und die Residential Dortmund II Grundstücks GmbH veräußert wurden“, sagte Dr. Tobias Scholz vom Mieterverein Dortmund.

„So war die Grand-City-Gruppe im Namen verschiedener Gesellschaften in den vergangenen Monaten in verschiedenen Städten Nordrhein-Westfalens auf Einkaufstour und erwarb problematische Bestände – mit teilweise sehr hohen Investitionsbedarfen – u.a. in Solingen, Erkrath, Bielefeld und Lünen. Dort die Siedlung Hirtenweg; die ebenfalls aus der Insolvenzmasse der Jansen und Helbing GmbH stammt“, so Scholz weiter.

Hintergrund

Der Dorstfelder „Hannibal“ (412 Wohneinheiten mit 130 Leerständen) wurde von der DOGEWO21 gebaut und im Rahmen eines Verkaufspakets mit 800 Wohnungen im Mai 2004 an die Jansen und Helbing Unternehmensberatung veräußert. Das Unternehmen hatte in Dortmund (und auch anderen Städten) insbesondere Hochhausanlagen aufgekauft. Das Unternehmen geriet in die Insolvenz. Die Anlagen standen sämtlich unter Zwangsverwaltung.

Kürzlich wurde der ehemalige Geschäftsführer des Unternehmens Elmar U. („Dr. Schneider“) wegen Betrugs vor dem Landgericht Essen verurteilt.

 
 

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