Wohl keine Verurteilung wegen Körperverletzung im Fall Envio

Envio-Chef Dirk Neupert (Mitte) mit seinen Anwälten Christian Tünnesen-Harmes (li.) und Ralf Neuhaus.
Envio-Chef Dirk Neupert (Mitte) mit seinen Anwälten Christian Tünnesen-Harmes (li.) und Ralf Neuhaus.
Foto: Ralf Rottmann
In einem der größten Umweltskandal-Prozesse Deutschlands droht den letzten drei Angeklagten wohl keine Verurteilung wegen Körperverletzung mehr: Im Dortmunder Envio-Verfahren hat der Richter in einem Zwischenfazit angedeutet, dass ein solches Urteil problematisch wäre.

Dortmund.. Im Envio-Prozess droht den drei verbliebenen Angeklagten wohl keine Verurteilung wegen Körperverletzung mehr. Richter Thomas Kelm, Vorsitzender der 35. Strafkammer, sagte am Donnerstag: "Nach derzeitigem Stand ist es wohl sehr schwierig, sichere Feststellungen zu treffen. Diese bräuchten wir aber, um zu einer Verurteilung kommen zu können. Deshalb halten wir das aus jetziger Sicht für problematisch."

Im Kern stützen sich die Richter damit auf das Gutachten von Professor Albert Rettenmeier. Der Experte hatte zwar bei zahlreichen ehemaligen Envio-Arbeitern Krankheitssymptome festgestellt.

Gesundheit gefährdet?

Es sei jedoch nicht möglich, diese zweifelsfrei auf die erhöhten PCB-Werte im Blut der Betroffenen zurückzuführen. Als Ursache kämen auch genetische Veranlagungen und individuelle Lebensstile in Betracht.

Dem damaligen Geschäftsführer des Entsorgungsbetriebes im Hafen und zwei Mitangeklagten wird vorgeworfen, zahlreiche Arbeiter bewusst erhöhter PCB-Belastung ausgesetzt und damit deren Gesundheit gefährdet zu haben.

Zu den weiteren Anklagevorwürfen - verschiede Verstöße gegen Umweltvorschriften - wollen sich die Richter am Donnerstag auch noch äußern. Die Verteidigung hatte ein solches Zwischen-Fazit beantragt.

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